Cassegrain Erfahrungen und Tuning

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Puukka
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Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 14.05.2015, 22:22

Hallo Kollegen

Derzeit beschäftige ich mich intensiv mit dem Ausbau meines neuen C6 und habe dabei ein paar, vielleicht für andere Kollegen ebenfalls interessante Details, festgestellt.

1.) Montage von Schnellwechsel-Sucherschuh: Man könnte die Originalschrauben verwenden, jedoch sind die Rundköpfe im Weg.
Deshalb hab ich bei Aircraft Spruce die korrekten Senkkopf 8-32 .625 (MS24693BB51) besorgt. Lieferzeit über USPS gerade mal eine Woche.
Zusätzlich hab ich FIlzplättchen beigelegt, damit der Schuh satt aufliegt.

2.) OAZ oder nicht OAZ?
Ursprünglich dafür gedacht, das Kippeln des Hauptspiegels zu kompensieren. Mein Spiegel kippelt nicht, jedoch hat der OAZ meiner Meinung nach folgende Vorteile:
Mit 2" Prisma und Okular wäre ein großer Sucher ohne der Verlängerung des OAZ bei einer Stellung im Weg, siehe Foto.

Bild

Beim Fokussieren mit der Kamera ohne hellem Stern kann ich mittels der Maßangaben am Auszug in Relation zum scharfgestellten Okular den Fokuspunkt "blind" einstellen.
Der Weg Okularöffnung zur Öffnung des Cassegrains verlängert sich um das Doppelte, somit ein etwas besserer Staubschutz.

Nachteile des OAZ:
Brennweite verlängert sich ein wenig, Schwerpunkt verlagert sich weiter nach hinten.

3.) Schwerpunkt, Prismenschiene:
Das Cassegrain ist generell hecklastig, mit 2" Zubehör noch mehr, also entweder man schnitzt sich eine längere Schiene zurecht oder man montiert Huckepack mit 2 C-Mount Schrauben eine Längere auf die Originalprismenschiene. Beim C6 ist die Prismenschiene als Ersatzteil nicht zu bekommen, die Huckepack Schiene schont somit gleichzeitig die Originalschiene.

4.) Verwendung des Reducers f/6,3:
Es wird zwar eine Steckvariante hinter dem OAZ angeboten, jedoch vignettiert diese Variante bei APS-C Kameras extrem.
Deshalb würde ich den Reducer nur direkt am SC Gewinde setzen, mit den 85mm Abstand Reducer-Kamerachip. Somit heißt es, den OAZ bei Verwendung des Reducers abschrauben.
Visuell im Zusammenhang mit einem 2" Weitwinkelokular ist er nicht zu empfehlen, hier treffen 2 Korrekturlinsen zusammen, die zumindest die Ränder verhunzen.
Hinter dem Auszug hatte ich zusätzlich Tunnelblick. Somit visuell nur mit 1,25" Okular ansehnlich.

5.) 40mm für größeres Gesichtsfeld?
Das GSO 2" 30mm funktioniert noch wunderbar hinter dem OAZ und Prisma.
Das GSO 42mm hatte extremen Kidney Bean Effekt bei kaum weiterem Gesichtsfeld, also empfehle ich bei 2" maximal ein 30mm

Erfahrungen Anderer wären für mich sehr interessant.
LG Herbert
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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 19.05.2015, 21:41

Ich hab jetzt meine ersten Kurzzeitbelichtungen mit dem 6" Cassegrain machen können.
Da ich im kalten Felde keine Geduld für z.B. Guiding Kalibrationen und langer Belichtungszeiten habe, sind es nur ein paar Mal 30s ISO 3200. Mit DeepSkyStacker default Einstellungen gestackt.
Saturn 19" mit Registax (und natürlich furchbarem Seeing).

Bild Bild Bild Bild

Ich bin, wegen der vielen optischen Handicaps, die so ein kleines Cassegrain, noch dazu ohne Reducer/Flattener (hat mir zu stark vignettiert) besitzt, eigentlich positiv überrascht.
Leider sind bei den Einzelbildern von Galaxien bei 30" und ISO 3200 zu wenig drauf, um z.B. Spiralarme zu sehen, da muss ich nächstes Mal doch länger belichten, denn die Kamera wird ab ISO 6400 rapide rauschiger.
Die Nachführung ohne Guiding dürfte trotz der hohen Brennweite von geschätzten 1600mm (mit Crayford Auszug verlängert sich die Brennweite) auch überraschend gut funktioniert haben.

Also für so kurze "Beweisbilder" ohne Anspruch auf Komafreiheit, ebenes Bildfeld etc. kann man es eigentlich auch ganz nett verwenden.
Das Handling visuell macht auch viel Spaß, Richtung ernsthafter Astrofotografie würde ich aber trotzdem die Turnerei mit einem ED oder APO Refraktor auf mich nehmen.
LG Herbert
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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Rev.Antun » 20.05.2015, 10:42

also hut ab das sind tolle fotos für die kurze aufnahmezeit!
lg Toni
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Mein Equipment

Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr.

Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten :)

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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 20.05.2015, 11:42

Danke Toni
Die klaren Nächte in unseren Breiten sind ja leider so rar, dass wir beschlossen haben, lieber visuell zu beobachten als am Feld auf Belichtungen zu warten.
Aber wenn das Equipment auch mit sehr wenig Zeit- und Materialaufwand bescheidene Fotos zulässt, umso netter.
LG Herbert
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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von tommy_nawratil » 21.05.2015, 21:58

hallo Herbert,

ich hatte max. GF mit einem 2" ZS und 38mm Erfle. Die GSO sind net wirklich Weitfeldokulare.
Man muss schon sagen, dass die Ausleuchtung am Rand leidet, weil ein SC ein winziges 100% ausgeleuchtetes GF hat,
aber das wunderbare graue Ding zwischen den Ohren rechnet automatisch ein Flatfield ab. Sieht also gut aus :mrgreen:

Ein Weitfeld Instrument wird ein SC nie werden, aber wenn man es nicht quält macht es durchaus Spass.

lg Tommy
Physik ist die Poesie der Natur..
arbeite fröhlich mit bei https://teleskop-austria.at

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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 21.05.2015, 23:41

Hallo Tommy
Ist ja wie Gedankenübertragung, Du sprichst gerade das an, worüber ich derzeit noch grüble.
Nämlich über einen Beitrag von Dir aus dem Jahre 2010 bezüglich 2" Okulare am Cassegrain.
Ich würde das 38mm 70° bevorzugen wegen des grossen scheinbaren Gesichtsfeldes.
Da dachte ich mir, ich könnte Dich fragen, welches Okular noch mehr GF bringen würde als mein eher billiges GSO 30mm. Das GSO 42mm wie beschrieben, hatte unguten Kidney Bean Effekt.
LG Herbert
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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 30.05.2015, 07:43

Hier noch eine 20,- Taschenlösung für das C6. Hält auch rumpelige Autofahrten über Feldwege ohne Dejustierung aus.

Bild

Bild

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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 09.06.2015, 20:12

Hier noch eine bessere Version einer verlängerten Schiene. Zwei Bohrlöcher machens möglich.
Die Verlängerung lässt auch Hecklastigkeit durch schwereres Zubehör zu und schont die Originalschiene, von der es keinen Ersatz gibt.

Bild

Beim Abmontieren der Originalschiene bin ich auch ein STAUBLECK gestoßen.
Achtung Celestron Cassegrain Besitzer!
Ich habe mich gewundert, wie Blütenstaub auf den Zylinder des Fangspiegels kam, jetzt weiß ichs.
Celestron bohrt drei Gewindelöcher für die Schiene vorne und verwendet nur eines., das Mittlere. Die anderen Beiden sind offen und frei zugänglich.

Bild

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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 26.06.2015, 22:51

Nach fast drei Monaten mit dem C6 noch ein Bericht.

Mit dem Reducer bin ich nicht klargekommen, der Betrieb ist wohl nur direkt am SC Anschluss des Teleskops empfehlenswert, visuell komme ich aber mit keinem Setup auf die 85mm zum Okular. Fotografisch mit Einschränkungen wie Vignettierung OK, aber irgendwie doch ein fauler Kompromiss.
Werde nächste Woche noch das 38mm Erfle probieren, um ein Maximum an Gesichtsfeld herauszuquetschen, solange der Kidney Bean nicht zu arg zuschlägt.

Leider haben sich beide Fixierschrauben bei dem günstigen GSO Crayford trotz weicher Lagerung aus irgendeinem Grund festgefressen, lassen sich kaum mehr bewegen, somit bin ich jetzt, nachdem bei mir eh nichts kippelt, auf den wesentlich kürzeren 2" Visual Back Adapter umgestiegen.
Dadurch hat sich die Brennweite ein wenig verkürzt, was von Vorteil ist. Nun bekomme ich sogar Bodes- und Zigarrengalaxie gemeinsam auf den APS-C.
Jedoch das Koma und die Bildfeldwölbung macht sich jetzt im Randbereich stärker bemerkbar.

An die Brennweite habe ich mich eigentlich schnell gewöhnt, da die meisten Objekte meiner Begierde klein sind, gefällts mir jetzt sogar besser als mit meinem 1000mm Refraktor.
Dumm ist nur das dunkle Bild bei dieser Brennweite, da müsste ich länger belichten als 30" Frames oder die ISO dementsprechend hochjubeln.

Das Aufsuchen mit dem 90° Amici Sucher geht wunderbar, so kann ich mich damit schon direkt auf die Position des Objekts setzen und brauche mit dem Okular selber kaum mehr Aufsuchen.

Jetzt bin ich auf die Auskühlzeit und den Tau im Winter gespannt, bisher hatte ich keine Tauprobleme, alles war schon öfters angetaut, die Schmidtplatte aber bisher noch nicht.

Mein bisheriges Fazit: Viele Kompromisse, die ich bei einem ED Refraktor nicht hätte, jedoch wegen des Komforts großer Spaßfaktor.
C8 wäre ja ein Update wert, jedoch ohne Reducer wirds eng.

LG
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Re: Cassegrain Erfahrungen und Tuning

Beitrag von Puukka » 04.07.2015, 10:38

tommy_nawratil hat geschrieben:ich hatte max. GF mit einem 2" ZS und 38mm Erfle. Die GSO sind net wirklich Weitfeldokulare.
Hallo Tommy
Danke für den sehr guten Tip, hab jetzt das ERFLE 38er/70°, ein Riesending, aber es ist vom Einblickverhalten angenehm und holt somit das Maximum aus dem C6 raus.
Auch mein 120/1000er profitiert jetzt davon und bringt ein Gesichtsfeld (2,7°) wie das 150/750er mit meinem 30mm/68°
Interessanterweise haben mir das 32er/70° und 26/70° dieser Serie, vermutlich wegen der kürzeren Bauweise, vom Einblickverhalten nicht gefallen. Da muss man ganz nah an die Linse um keine Abschattung zu haben bzw. wenn man dann herumblickt, wird der Kidney Bean Effekt ziemlich heftig. Das ist beim GSO 30mm/68° besser und somit kann man entspannter beobachten.

LG Herbert
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