Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Refraktor, Newton, Maksutov, Binokular...
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Puukka
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Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Beitrag von Puukka » 05.07.2015, 09:42

Hallo Kollegen

Meine Freundin hat gerade von handgeführtem Fernglas auf Sky-Watcher 102/500 mit AZ-4 upgedatet.
Ein sehr nettes Teil. Klein, leicht und man kann nett herumsurfen, bei Bedarf mit guten Okularen vergrößern. Bei 2" Zubehör würde das Teil hoffnungslos hecklastig werden, so hat sie mit dem guten 25mm Planetary HR einen angenehmen Kidney Bean freien Einblick ohne den Hintergrund zu sehr aufzuhellen. Im Gegensatz zu den 32mm und 40mm Super Plössl, die einen sehr deutlichen Kidney Bean Effekt haben. 40mm würde auch eine zu große Austrittspupille erzeugen.

Somit bin ich auf den Widefield-Geschmack gekommen und habe mir selber einen 150/750er Refraktor zum Testen geholt.
Der erste Eindruck beim Auspacken "Heiliges Kanonenrohr, wer hat DAS bestellt?" Marke "Walbaby".

Handling:

Meine EQ5 trägt ihn gerade noch mit 5kg am Ende der Stange oder mehr Gegengewicht.
Er ist austariert am hinteren Ende um 10cm kürzer als mein 120/1000er Refraktor, das ist für die Zenitlage eine Erleichterung.
Wenn man ihn mal auf der Montierung fixiert hat, lässt er sich gut führen und haut auch bei Objektivwechsel zu leichteren/schwereren Okularen nicht ab, denn das Hauptgewicht (die Linsen) ist näher beim Montierungskopf als beim langen Refraktor.

Performance:

Nun, ich kann maximal ein 30er oder 32er Okular verwenden, ansonsten hätte ich eine zu große Austrittspupille.
Somit zeigt er mit 30mm/68° Okular das gleiche Gesichtsfeld wie mein 120/1000er mit dem 38mm/70° Okular.
Also so "Widefield" nicht, wie man es vielleicht gerne zum Surfen hätte. Aber er hat ja auch die größere Öffnung.
Und die ist in unseren Breiten meiner Meinung nach oft mehr Fluch als Segen.

Kurz: Wenn es nicht eine wirklich dunkle Nacht ist (also die ca. 10 Nächte im Jahr :wink: ), bringt das große Teil offenbar weniger als ein langbrennweitiges Teleskop.
Die letzten Nächte waren ja extrem mondig (wohlgemerkt: ich habe am freien, kaum lichtverschmutzten Feld, nicht auf unserer Terrasse, getestet), und mein winziges C6 hat hochvergrößert, bei gleichem Gesichtsfeld, etwas mehr Details gezeigt als der Lichtriese.
Das C6 ist in Sachen Gewicht, Größe zu Lichtleistung genial, Jedoch zeigt es auch schon visuell die starke Bildfeldwölbung und Koma, der Refraktor glänzt mit seinen nadelfeinen Sternen bis zum Bildrand.

Was mir dabei auch klar geworden ist:

Je heller der Himmel, umso weniger öffnet unsere Pupille. Deshalb bringen lichtstarke Geräte bei aufgehelltem Himmel kaum etwas.

Zumindest bei 6", bei größerem Durchmessern habe ich zwar auch die aufgeweichten Bilder, jedoch die mit höherer Auflösung. Die hilft natürlich auch bei Planetenbeobachtung.
Apropos, der 150/750er hat ja den größten Farbfehler am Markt, denn abgesehen vom Öffnungsverhältnis steigt der Farbfehler exponentiell mit der Öffnung.
Also ein f/5 mit 102er Öffnung hat weniger Farbfehler als ein f/5 mit 120er, ein f/5 mit 150er noch mehr.
Der ist aber bei Deep Sky Beobachtung auch bei höherer Vergrößerung vernachlässigbar, an den Planeten und am Mond hat er natürlich seinen blauen Halo.

Fazit:
Wenn nur visuell Deep Sky beobachtet wird (starker Farbfehler fotografisch, bei Planeten sowie Mond) und man ihn in dunklen Nächten einsetzt , bringt er seine Leistung.
Hat man in der Mehrzahl aufgehellte Nächte, würde man mit einem langbrennweitigerem Gerät mehr herausholen können.

Bild

LG Herbert
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Re: Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Beitrag von Josef » 05.07.2015, 11:12

Feiner Bericht Herbert.

Danke für´s einstellen!

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Re: Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Beitrag von Puukka » 05.07.2015, 12:07

Danke Josef für Deine nette Rückmeldung.
Ich bin zwar kein Profi, aber ich versuche immer, so objektiv wie möglich zu bleiben. Und, ich gebe zu, die Teleskoptechnik fasziniert mich mehr als z.B. Bildbearbeitung.
LG Herbert
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Re: Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Beitrag von Ephemeris » 05.07.2015, 13:40

Servus Herbert,

Ja, der 102/500 Skywacher. Auf der EQ3 auch unser Weitfeld Spassgerät. Besonders meine Frau surft damit gerne durch die Milchstraße. Auch bei unserer mobilen Astronomie in den Schulen, als zweites Sonnenteleskop neben dem PST, mit dem Lacerta Herschelkeil ein feiner, günstiger Refraktor.
Fein das du dich mit der Teleskoptechnik beschäftigst. Deine Testberichte finde ich super.
klare Nächte wünscht euch
Hans

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Re: Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Beitrag von Puukka » 06.07.2015, 07:10

Danke Hans, das freut mich sehr.

Gestern habe ich noch meinen 120/1000er mit dem 150/750er verglichen, hatte manchmal das Gefühl, der 120er würde bei gleichem Gesichtsfeld etwas deutlicher zeigen, das war aber ein Trugschluss, denn mit der praktisch zweigeteilten Staubschutzkappe lässt sich der Riese auf ebenfalls 120mm abblenden und siehe da, bei kleiner Vergrößerung und schnellem Öffnungsverhältnis (Richfield/Widefield) macht das Abblenden tatsächlich Sinn. Das Objekt zeichnet sich etwas besser vom aufgehellten Himmel ab, verliert aber natürlich auch an Auflösung.

Ein Test wäre allerdings in dem Zusammenhang noch sehr interessant.
Wieviel Schärfe nimmt der stärkere Farbfehler des 150/750er gegenüber dem 120/1000er bei gleichem Gesichtsfeld weg?
Aber das kann man vermutlich nur unter konstanten Laborbedingungen testen.

LG Herbert
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Re: Test Widefield mit Refraktor 102/500 und 150/750

Beitrag von Puukka » 08.07.2015, 16:22

Vorgestern war es länger mondlos, jedoch in den tieferen Bereichen recht dunstig.
Später konnte man im hohen Bereich die Milchstraße erahnen, somit gar keine so üblen Bedingungen. Dunst- und Mondfreie Nächte sind bei uns ja sogar im Winter eine Seltenheit.

Der 150/750er zeigte ohne Abblendung mit dem 30mm Okular wieder ein sehr aufgehelltes Bild, meinem Geschmack nach zu sehr aufgehellt. Verglichen habe ich diesmal mit dem C6 und ich hatte das Gefühl, das C6 zeigte trotz systembedingter Obstruktion bei gleichem Gesichtsfeld knackigere Bilder.

Mein abschließendes Fazit war, dass der 150/750er ein Spezialist für dunkle Nächte ist, man kann ihn zwar abblenden, aber reduziert auf 120mm fährt man in aufgehellten/dunstigen Nächten mit dem 120/1000er Fraunhofer und bei Bedarf 38mm Okular (gleiches Gesichtsfeld wie mit 30mm auf dem 150/750er) besser.
Möglicherweise nimmt bei höherer Vergrößerung der Farbfehler auch bei dunkleren Objekten an Klarheit weg, jedenfalls war das mein Eindruck im Direktverglich mit dem weniger farbenfrohen 120/1000er und dem C6.

Der 120/600er könnte da noch ein interessanter Kompromiss Leistung/Kompaktheit sein, obwohl vermutlich alle schnellen Richfielder einen dunklen Himmel brauchen, um die Austrittspupille ausspielen zu können.
Jedenfalls ist mir persönlich der 150/750er zu dick und schwer, um ihn dann, bis auf die wenigen Ausnahmenächte, abgeblendet zu betreiben. Vor allem wo ich den Mini C6 habe, der offenbar die gleiche Lichtleistung bringt.

LG Herbert
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