Entwicklung der Teleskoptypen

Refraktor, Newton, Maksutov, Binokular...
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Puukka
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Entwicklung der Teleskoptypen

Beitrag von Puukka » 24.04.2016, 20:03

Hallo Kollegen

Ich hab jetzt mittels mehreren Büchern und Intrernetrecherchen versucht, die Enwicklung der Teleskoptypen so korrekt wie möglich zusammenzufassen.
Die Berichte sind teilweise unterschiedlich, so z.B. bei der Entwicklung des heutigen Schmidt-Cassegrains, bei dem oft Celestron Gründer Tom Johnson als "Erfinder" genannt wird. In dem konkreten Fall hat er zwar eine kostengünstige Methode zur Herstellung von Schmidt Platten erfunden, jedoch an der die Idee der Kombination von Schmidt Kamera und Cassegrain waren schon andere Leute beteiligt.
Auch interessant, dass ein Niederländer kurze Zeit vor Maksutov das "Maksutov Teleskop" erfand. Da gerade Krieg war, wussten die beiden nicht von einander.

Bitte um Korrekturen, wenn Euch was auffällt.


Entwicklung der Teleskope

Als Hans Lippershey, ein Brillenhersteller aus Middelburg in den Niederlanden, 1608 eine schwache konvexe Objektivlinse mit einer starken konkaven Okularlinse kombinierte, erreichte er damit eine etwa 4-fache Vergrößerung.
Galileio Galilei verbesserte die Konstruktion auf 15-20fache Vergrößerung mit ca. 30mm Durchmesser und 900mm Brennweite. Somit wurden seit 1609 Teleskope für die Astronomie verwendet. Der Nachteil des "holländischen oder galileiische Fernrohrs" ist jedoch das geringe Gesichtsfeld
Johannes Kepler veröffentlichte 1611 sein Werk Dioptrice. Darin wurde beschrieben, dass zwei konvexe Linsen ein größeres Gesichtsfeld ergeben, jedoch steht das Bild am Kopf. Es entstand das Kepler-Fernrohr, das die Basis der heutigen Refraktoren bildet.
Johann Hevelius erkannte 1647, dass wenig gekrümmte Flächen der Linsen besser sind, sie ergeben aber lange Brennweiten. So wurden von ihm ein 2,5 und 3,5m langes, später ein 46m Fernrohr gebaut.
Christiaan Huygens entwickelte Techniken zum Schleifen von kleiner Krümmung, sowie ein verbessertes Okular mit zwei dünnen Linsen. Seine Fernrohre waren bis zu 37m lang.

Niccolò Zucchius aus Italien benutze zum ersten Mal 1616 einen Spiegel, der Beobachter musste aber von oben hineinsehen.
James Gregory aus Schottland entwarf 1663 ein Teleskop mit durchbohrtem, konkaven Hauptspiegel und konkavem Fangspiegel.
1672 wurde der Bauplan eines Teleskops mit durchbohrten konkaven Haupt- und einem konvexen Fangspiegel des französischen Priesters Laurent Cassegrain veröffentlicht. Gegenüber dem Gregory Teleskop ermöglicht es einen kleineren Fangspiegel und eine kurze Bauform, jedoch war es sehr schwierig, einen konvexen Spiegel herzustellen. Deshalb wurde das Gregory Teleskop vorgezogen.
Isaac Newton nahm an, dass der Farbfehler der Refraktoren nur durch die Baulänge vermindert werden könne, als Alternative konstruierte er 1672 ein Teleskop mit konkavem Hauptspiegel und flachem Fangspiegel. Seine ersten Teleskope hatten 33mm Durchmesser mit 150mm Brennweite. Die Nachteile waren die damaligen Metallspiegel, die schwer gleichmäßig herzustellen waren und rasch oxydierten.
James Short aus Schottland stellte Gregory Teleskope mit Hauptspiegel als konkaven Parabolspiegel her, die kürzere Brennweiten ermöglichten.
Wilhelm Herschel baute 1789 sein größtes Fernrohr, das "40 Fuß Gerät“ (12m).

Chester Moor Hall entwarf 1733 einen 63/500 Achromaten mit konvexe Linse aus Kronglas (Soda-Kalk, Sand) und einer konkaven Linse aus Flintglas (mit Bleioxyd), der Luftspalt dient der Korrektur von Öffnungsfehler und Koma. John Dollond meldete die achromatische Linse 1758 in London zum Patent an. Flintglas war aber damals schwer herstellbar, deshalb war es nur für kleine Öffnungen geeignet.
Der Münchner Joseph von Fraunhofer erfand 1814 das Spektroskop. Damit gelang es ihm, bessere Linsen für Achromaten durch Bestimmung des Brechungsindex der Glassorten, herzustellen.

Der Franzose Henri Chrétien wies darauf hin, dass der Hauptspiegel eines Cassegrain Teleskops hyperbolisch sein müsste, um nicht nur auf der Achse ein vollkommenes Bild zu erreichen. George Ritchey (USA) konnte solche Spiegel herstellen. Es entstand 1923 das erste RC mit 500mm.
Bernhard Schmidt (Hamburg) entwickelte 1930 eine Linse zur Korrektur der Fehler, die Schwierigkeit war aber die Herstellung einer solchen Schmidtplatte. Nachteil des Schmidt Teleskops (Schmidt Kamera) ist, dass er doppelt so lang wie ein Reflektor mit gleicher Brennweite, ist.
James Gilbert Baker (USA) kombiniert 1940 die Schmidt Kamera mit dem Cassegrain, der Fangspiegel in der Nähe der Schmidtplatte reduziert die Baulänge.
Der Engländer Edward H. Linfoot erwähnte das Schmidt Cassegrain mit dem Fangspiegel auf der Schmidtplatte 1944, später 1955 in seinem Werk "Recent Advances in Optics".
Der Niederländer Albert A. Bowers meldete im Februar 1941, der Russe Dmitri Dmitrijewitsch Maksutow im Oktober 1941 das Patent eines Teleskops, dass anstelle der Schmidtplatte eine stark gewölbte, sphärische Minuslinse (Meniskuslinse) und einen asphärischen Hauptspiegel verwendet, an. John Gregory entwickelte daraus 1957 das heutige Gregory-Maksutov Teleskop mit dem Fangspiegel auf der Meniskuslinse.

Ernst Abbe (Eisenach, Jena) führte 1886 den Begriff des Apochromaten ein. Mit Flussspat als Glasmaterial entstanden neue optische Apparate in der Fabrik von Otto Schott und Carl Zeiss in Jena.
Der Zeiss-Mitarbeiter Albert König entwickelte um 1905 den dreilinsigen Apochromaten.
LG Herbert

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tommy_nawratil
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Re: Entwicklung der Teleskoptypen

Beitrag von tommy_nawratil » 25.04.2016, 00:47

hallo Herbert,

schöne Zusammenstellung!

John Dollond geriet bei seiner Suche nach der achromatischen Formel zufällig an einen
Brillenschleifer, der sich an Chester Moore Hall erinnerte, und aus welchem Material genau er ihm
aufgetragen hatte eine bestimmte Form zu schleifen. So wurde der Achromat neu erfunden,
denn Hall behielt das Geheimnis für sich und Dollond hatte vor lauter Fehlversuchen schon beinahe aufgegeben.

Solche und mehr Geschichten findest du auch im Riekher!

lg Tommy
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Re: Entwicklung der Teleskoptypen

Beitrag von Puukka » 25.04.2016, 10:55

Super, danke für den Tipp, das werde ich mir auf jeden Fall besorgen.

Bisher habe ich:
Die Geschichte der Astronomie und die Entwicklung des Teleskops seit Galilei
Das Auge Gottes: Das Teleskop und die lange Entdeckung der Unendlichkeit
sowie
Die Astronomin - Das Leben der "Kometenjägerin" Caroline Herschel

Mich fasziniert der Werdegang technischer Entwicklungen mit all den Erfolgen und so menschlichen Rückschlägen.
Auch interessant, was so ein bisschen geschliffenes Glas für Faszination erwecken kann, wenn man weiß, wieviel Mühen und Arbeit dahintersteckte und mit welche hoher Qualität man heute für wenig Geld das bekommt, wovon die Pioniere nur davon träumen konnten.
LG Herbert

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