TS Maksutov-Newton 114mm

Refraktor, Newton, Maksutov, Binokular...
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M13
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TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von M13 » 10.04.2012, 17:54

Hallo Leute!

Da ich mir den Traum vom 190er-Skywatcher-MN aus Gewichts-/Mobilitätsgründen nicht erfüllen konnte, mit dem 150er-Levy Comet Hunter bekanntermaßen ein (nie aufgeklärtes) Abbildungsproblem hatte, das auch von Meade nicht repariert werden konnte, und mir die Intes MNs schlichtweg zu teuer sind, hab ich mir den kleinen TS MN geordert - für 299 € kann eigentlich nicht allzu viel schiefgehen, das Experiment war's mir wert.

Heute ist er nun angekommen und ich möchte in diesem Thread ein bißchen was über das Geräterl schreiben, falls ihr euch auch dafür interessiert. Das ist explizit kein professioneller Test (dazu wäre ich ohnehin nicht in der Lage), sondern einfach ein paar Eindrücke eines Amateurs!

Da man im Netz und auch direkt beim Wolfi noch quasi gar nichts drüber findet, hier einmal die Grunddaten.

Lieferumfang:
- Das Teleskop selbst, mit Plastikabdeckungen für den Tubus und den Auszug und Rohrschellen (aber ohne Prismenschiene)
- Ein Adapter für 1,25"-Okulare mit Abdeckung
- Eine Tragetasche

Eine Bedienungsanleitung o.ä. ist nicht vorhanden.

Ausmaße:
* Masse (mit Rohrschellen, Prismenschiene und Abdeckungen): 3,6 kg
* Tubusdurchmesser: 153mm
* Tubuslänge: 633mm
* Fangspiegelhalterungsdurchmesser: 29mm
* Meniskusdurchmesser: 114mm
* Somit f/5,6 und 25% Obstruktion

Verarbeitung:
Naja... da bin ich bei Skywatcher wirklich Besseres gewohnt (vom Levy Comet Hunter ganz zu schweigen). Die Rohrschellen sind z.B. beim ersten Öffnen (damit ich die Prismenschiene montieren kann) dermaßen am Tubus festgepickt, dass ich sie kaum herunterbekommen habe. Einmal gelöst, bleiben ziemliche Rückstände am Tubus zurück. Aber mit so was kann ich leben. Was a Teleskop schöner is als a Aff..., hätt die Tante Jolesch gesagt :)

Der Okularauszug ist - im Unterschied zu all meinen bisherigen Teleskopen - ein 2"-Helical-Auszug. Schaut sehr ungewohnt aus, da er auch außerordentlich kurzbauend ist (Abstand vom Tubus bis zum Auszugsende sind ca. 2cm). Lässt sich ("Chinafett") etwas schwer drehen. Aber Schwergängigkeit ist nicht unbedingt ein Nachteil, denn der Auszug ist nämlich nicht klemmbar. Allerdings scheint er mir trotzdem ziemlich stabil zu sein, denn er gibt "translativ" nicht nach, wenn man draufdrückt. Weniger gut gefällt mir, dass es keine Ringklemmung, sondern drei "normale" Schrauben (in 120° angeordnet) gibt. Mein 2"-Zubehör (32er-TSWA und 2"-T2-Adapter) kann nicht ganz im Auszug versenkt werden, da dieser nach etwa 28mm Tiefe eine Begrenzung hat. Der Fokussierweg hat nur ungefähr 9mm Höhe. Ich bin schon gespannt, mit welchen Verrenkungen ich da sowohl fotografisch als auch visuell in den Fokus komme?

Wenn ich die Daten in MyNewton eingebe (ohne Garantie; habe ich jetzt zum ersten Mal gemacht, kann also gut sein, dass ich was falsch eingetragen habe), dann zeigt mir das Programm, dass ca. 11mm Bildfeld voll ausgeleuchtet werden. Vielleicht kann das wer von euch, der mehr Erfahrung mit dem Programm hat, auch mal ausprobieren.

Einige Fotos hab ich auch gemacht.

Größenvergleich mit 8"-f/5 und 80/600 ED:

Bild

Von oben mit Abdeckung:

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Okularauszug:

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Unterseite:

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Von oben:

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Und die Tasche:

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So weit einige erste Eindrücke; praktisch kann ich natürlich erst was drüber sagen, wenn er sein First Light hinter sich hat.

lg,
Martin

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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von M13 » 12.04.2012, 22:48

N'Abend!

Also, das Gerät ist jetzt zum First Light, das hoffentlich hinhauen wird, am Dach.

Gleich mehrere Problemchen sind bei der Inbetriebnahme aufgetaucht. Ich dokumentiere sie für die Nachwelt :D

Der Fokussierweg ist wirklich %/()§ kurz (geschätzt ca. 10mm). Und je weiter man den Auszug rausdreht, desto instabiler wird das ganze Werkl.

Visuell heißt das: Ich hab mir vom Tommy eine 35mm-2"-Verlängerung geholt. Die geht (wie das Okular selbst) zwar nicht ganz in den Auszug rein und man muss auch noch das Okular gut 13mm über der Verlängerung klemmen. Die 50er-Verlängerung ist damit wieder knapp zu lang. Damit kann ich aber leben, ich brauch das Okular nur zum Goto-Alignment. Da verschieb ich es einfach mit der Hand, bis das Bild scharf ist, und klemm es dann an der Position fest.

Schlimmer ist es beim fotografischen Fokus: Ich hab mir eigentlich vom Tommy den praktischen sehr kurzbauenden 2"-auf-EOS geholt, aber selbst mit dem erreiche ich den Fokus deutlich nicht, da er nicht komplett im Auszug verschwindet (mit dem IDAS-Filter drauf schon gar nicht). Ich bin dann draufgekommen, dass beim 1,25mm-Okularadapter, der beim Gerät dabei ist, der Okularhalterteil abgeschraubt werden kann und der "Sockel" ein 2"-auf-T2-Adapter ist. Also einen Canon-T2 draufgeschraubt und tatsächlich - es geht sich um die sprichwörtliche Sch.mhaaresbreite aus (ca. 1mm kann man den Helical rausdrehen). Die Vignettierung ist auf Testbildern deutlich - ob sie vom T2-Durchlass oder vom Gerät selbst stammt, ist mir allerdings noch unklar.

Zum visuellen Eindruck möchte ich noch nichts sagen, dazu war der MN noch zu wenig ausgekühlt; das hat man gemerkt. Vom Kontrast her hat mir das Bild aber sehr gut gefallen und mich an den Levy Comet Hunter und den 80er-ED erinnert.

Die Justage hätte ich auf jeden Fall genauer überprüfen sollen als einfach mit freiem Auge in den Auszug zu schauen, hat mir Regulus deutlich gezeigt ;) Aber jetzt hängt die Kamera schon dran und knipst, also was soll's.

lg,
Martin

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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von M13 » 13.04.2012, 02:14

Au weia, wo soll ich anfangen!

Ich hab da mal ein paar Bilder für euch. Ich hab nur Alignment und Integration (mit Minmax-Pixelrejection) meiner Testaufnahmen (99x1Min, ISO 800, Setup wie üblich) durchgeführt. Das ist das Resultat (die Vignettierung ist mit der STF im Autostretch hochgezogen, damit man es deutlich sieht):

Bild

Wenn wir da mal genauer reinschauen, zuerst bei den eigentlichen Objekten:

Bild

Bild

Und jetzt im linken unteren Eck:

Bild

Es sind definitiv keine Nachführfehler, da erstens mein Mgen problemlos funktioniert und zweitens exakt dieselbe Abbildung auf allen Rohbildern in derselben Form vorhanden ist.

Es sieht so aus, als ob es von oben rechts (wo die Sterne noch am wenigsten grauslich aussehen) nach links unten immer schlimmer wird. Kann man so was überhaupt durch mangelhafte Justage erklären?! Ich habe es gerade mit dem Concenter und Laser überprüft und so weit off, wie ich zuerst gedacht habe, ist es gar nicht. Der Hauptspiegel hat übrigens in der Mitte keine Markierung, sondern ist dort in der Größe des Fangspiegels ausgeschnitten (sieht man am Bild im ersten Beitrag). Also wo die genaue Mitte ist, kann ich nur schätzen. Der Laserpunkt ist nicht allzu weit davon entfernt. Zumindest IMHO nicht so weit, dass man sich das Bild dadurch erklären kann. Verkippung (der Maksutovplatte)? Verspannung?

Von der visuellen Front hätte ich euch gerne bessere Nachrichten gegeben, aber ich konnte mit dem mitgelieferten 1,25"-Adapter Saturn weder im Allerwelts-25er-Super Plössl noch mit einem 6er Planetary in den Fokus kommen. Es fehlt noch Weg nach innen. Für weitere Experimente (ich hab sicher noch wo einen kürzerbauenden 2"-auf-1,25" rumliegen) hatte ich ehrlich gesagt überhaupt keine Lust mehr.

Ich bin jetzt schon einigermaßen verärgert. Wie kann so ein Teleskop jemals die Entwicklungsabteilung, geschweige denn ein Geschäft verlassen? Visuell ist es in der Grundausstattung sowohl mit 2" als auch 1,25" Zubehör völlig unbenutzbar; fotografisch könnte das evt. nur an meinem Exemplar liegen.

Zusammen mit der Verarbeitung, dem Auszug, der fehlenden Taukappe, der fehlenden Anleitung (hat sich schon wer von euch gefragt, warum am Hauptspiegel jeweils drei (statt zwei) Schrauben sind?) von mir derzeit ein ganz klares Fazit: Finger weg! Ich werde das Gerät zurückschicken. Schade, denn vom Konzept her eigentlich eine sehr gute Idee zu einem sehr attraktiven Preis.

lg,
Martin

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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von nonsens2 » 13.04.2012, 08:09

Hallo Martin!

Dieser Bildfehler erinnert mich an meinen seit Jahrzehnten vorhandenen fotografischen Begleiter, mein Soligor 5,6/350 Teleobjektiv. Mit dem Teil habe ich herrliche Naturaufnahmen im Wald gemacht und auch sonst hat es immer gute Dienste geleistet, solange bis ich es in der Astrofotografie verwendet habe. Deine Bildfehler sind genau dieselben wie bei dem Tele, lediglich in der Mitte ist es um Klassen besser. Tut mir Leid für Dich, dass das Teil Schrott ist. Ich würde es auch zurückschicken.


CS aus Wien
Grüße Niki
CS aus Wien
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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von markusblauensteiner » 13.04.2012, 13:04

Hallo Martin,

schade, ein erneuter Fehlschlag! Mich hat schon die Beschreibung oben verwundert - vor allem der Auszug. Das Loch im HS fällt für mich in die Kategorie "sinnfrei": mehr Herstellungsaufwand, macht justieren fast unmöglich - maximal besser belüftet wäre er, wenn das Gerät einen Lüfter hätte.
Keine Bedienungsanleitung? Ich dachte immer, dass Gewährleistung/Garantie direkt mit fachgerechter Bedienung zusammenhängt - wie soll man die denn umsetzen, wenn keine Anleitung dabei ist?

Gut dass dir dein Großer Freude macht!

LG, Markus
Ursa Major observatory @ ROSA remote
Homepage - deeplook.at
ROSA remote
TBG-Projekt

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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von M13 » 13.04.2012, 13:10

Hallo ihr beiden!

Ja, ein echter Reinfall. Sehr sehr schade.

Das Loch macht von der Produktion her schon einen Sinn (für den Benutzer ist es natürlich Schwachsinn): Vermutlich wird man den (ohnehin sphärischen) Hauptspiegel auch für Maksutov-Cassegrains verwenden.

Tja - hat trotzdem irgendwie Spaß gemacht, was Neues auszuprobieren und quasi der erste zu sein, der Erfahrungen mit dem Röhrl macht. Und ich hab ja den großen Newton und auch den kleinen ED, die mich mehr als darüber hinweg trösten :)

lg,
Martin

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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von AchtungHuPe » 03.05.2012, 12:48

Hallo,

wollte mal Fragen wie die Geschichte ausgegangen ist.
Rückabwicklung problemlos, gabe es eine Stellungnahme vom Hersteller?
Kann man von diesem Produkt auf die anderen TS MN schließen?


LG Peter

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Re: TS Maksutov-Newton 114mm

Beitrag von M13 » 03.05.2012, 13:13

Hallo Peter,

von problemlos kann ich leider in dem Fall nicht wirklich sprechen. Nachdem ich den MN vor zweieinhalb Wochen zurückgeschickt habe und parallel dazu ein ausführliches "Bugreport"-Email verfasst habe, tat sich -- nichts. Ich habe dann eine Woche später erneut an TS geschrieben, wie's ausschaut und wieder -- keine Reaktion. Gestern habe ich mich dann erneut bei ihnen gemeldet und bekam daraufhin kommentarlos ein Email mit der Gutschrift. Das war ich bisher eigentlich anders gewohnt...

Zu den Mängeln des Teleskops gab es keine wie immer geartete Stellungnahme. Ich würd an deiner Stelle die Finger davon lassen. Die Maksutovplatte war vielleicht nur verkippt eingebaut, aber auch der Auszug war ja wie gesagt ziemlich grottig und dann noch die anderen Probleme (visuelle Nutzung usw.).

Insgesamt derzeit noch ein unausgereiftes Gerät - das Konzept wäre aber an sich super, vielleicht bessert man ja in der nächsten Serie noch nach.

lg,
Martin

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