Refraktor

Refraktor, Newton, Maksutov, Binokular...
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Blight
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Refraktor

Beitrag von Blight » 13.12.2008, 11:07

Liebe Sternengucker!

ich werde mir im neuen Jahr ein Teleskop zulegen, wobei ich sagen muss, dass ich sehr lange gegrübelt und abgewogen habe, welches Instrument für meine Verhältnisse das beste ist.

Da ich mich südlich von Wien befinde, habe ich sowohl im Norden als auch im Süden relativ hoche Lichtverschmutzung (Wien und Wr. Neustadt bzw. Industriegürtel). Ausserdem sind wir hier auf etwa 200m Seehöhe, was die Luftqualität im Sommer auch nicht besser macht, wirklich kalt ist es leider auch nicht, was man am derzeitigen Wetter sieht :wink:

Ausserdem möchte ich mich die nächsten, sagen wir einmal, 10 Jahre ausschließlich mit unserem Sonnensystem befassen, also keine Deep Sky Beobchtungen durchführen.

Meine Wahl fällt daher auf das BRESSER Messier R-127 L 127/1200 (Achromat) mit EQ-MON2.
Die Firma Bresser desalb, weil ich in Sachen Optik bislang nur gute Erfahrungen gemacht habe.

Was meint Ihr?

Ich freue mich auf euer konstruktives Feed-Back,
LG!

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Joe_Malik
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Beitrag von Joe_Malik » 13.12.2008, 14:48

Hallo Clemens und Willkommen im Forum!

Allem voran: 10 Jahre lang ausschließlich das Sonnensystem zu beobachten, wird dir rasch langweilig werden! So viel gibt's da nämlich nicht zu sehen: Jupiter steht zur Zeit ziemlich tief und wandert am Himmel stetig Richtung Sonne, was Beobachtungen schwierig bis unmöglich macht. Der Winkeldurchmesser des Mars nimmt in den nächsten Jahren laufend ab, womit Beobachtungen auch nicht wirklich einen "Aha!"-Effekt auslösen werden. Merkur ist im Teleskop aufgrund seiner Sonnennähe und der damit verbundenen ständigen niedrigen Position nicht so schön anzusehen. Bei Uranus und Neptun wird es überhaupt erst mit mittlerer Öffnung und hoher Vergrößerung möglich, sie gscheit flächig wahrzunehmen.

Einzig der Saturn sollte noch einigen Beobachtungsspaß bieten können, obwohl auch er in den nächsten Jahren an Deklinationshöhe verlieren wird. Evtl. ist für dich noch der Wechsel der Phasengestalt der Venus interessant.

Alles in allem wäre es vielleicht sinnvoll, das Teleskop nicht ausschließlich auf Planetenbeobachtung auszulegen, da - gerade bei Betrachtung der mäßigen Umstände für künftige Sonnensystem-Beobachtungen - früher oder später das Interesse am Deep Sky aufkommen wird. Verlass dich drauf! :wink:

Ich würde daher etwas mehr Öffnung empfehlen - evtl. ein Gerät im Bereich von 8-10". Das zeigt dir aufgrund des höheren Auflösungsvermögens dann auch am Planeten mehr Details als jeder noch so tolle 127mm-Refraktor.

Im Umkreis von Baden gibt's übrigens schon ein paar sehr gute Standorte für astronomische Beobachtungen. Spontan fallen mir da die Ebenwaldhöhe und die Hohe Wand ein.

Vielleicht meldet sich hier auch der Robert noch, das wär überhaupt klass'. :wink:

LG Christian

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Blight
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Beitrag von Blight » 13.12.2008, 22:49

Hi Christian!

Ich muss dazu sagen, dass ich zu Hause nicht die idealen Bedingungen vorfinde (Strassenlaterne, relativ kleiner Himmelsausschnitt in Richtung WSW...). Die meisten Beobachtungen wil ich zu Hause erledigen, aber auch mit dem Ding in der Weltgeschichte herumreisen (wer will das nicht).
Nur, ich denke, dass eine größere Öffnung auch diverse Störungen in der Atmosphäre mitverstärkt... Ist ein Instrument mit großer Öffnug für meinen Standort nicht "overdressed", oder kann man wirklich damit die optimale Leistung aus der Optik rausholen?

Was das mit den 10 Jahren betrifft...es können auch nur 8 sein :lol: Aber im ernst: ich möchte mich von unserem Sonnensystem in Richtung Urknall vortasten, also sicher nicht wie wild alle möglichen Objekte absuchen, sondern mich damit befassen...vielleicht sieht dieser Plan in einiger Zeit ja anders aus...

===

Hast du bzw. habt Ihr gute/schlechte Erfahrungen mit speziellen Herstellerfirmen gemacht? Gibt es grobe Unterschiede?

LG, Clemens

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Beitrag von Maverik83 » 14.12.2008, 19:09

Hallo CLemens!

Schön - noch ein Badener Sterndlgucker!
Sitz in der Nähe vom Aquädukt (nörld. Seite) in meinem Heim - neben mir steht grad mein 12"er :wink:

Wennst also mal Lust hast, können wir mal gemeinsam in der näheren Umgebung spechteln gehen.

Willst du denn ausschließlich bei der visuellen Beobachtung bleiben?
Dann würde ich dir eher zu einem Leichtbau- Dobson raten.
Die sind sehr transportabel und du hast ab 8" aufwärts auch genügen Möglichkeiten falls (wie du erwähnt hast) sich deine Pläne doch noch ändern.
Dann musst du dir nicht wieder um teures Geld eine Optik kaufen.

Aus Baden heraus ist die Astronomie eher bescheiden, wobei man mit Filtern auch visuell viel machen kann (was wiederum ein Argument für mehr Öffnung wäre...).
Wenn man mal unter richtig gutem Himmel war, will man wieder da hin - glaub mir :D
Deshalb pilgere ich meistens auf die Hohe Wand...

Falls du dich mal treffen willst (auch ohne Scope - nur zum Fachsimpeln *g*) dann schreib mir doch ein Mail - robert.haeberle ät gmail.com.

Würd mich freuen!

LG, Robert

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Josef
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Beitrag von Josef » 14.12.2008, 19:32

Hallo Clemens,

bin auch Refraktorianer beobachte aber auch gerne mit anderen Teleskopen jeder Bauart.

Der lange 127 ist schon ein richtiger Trümmer und wird Dir eine Menge zeigen egal ob Sonnensystem oder Deep-Sky.

Hatte selber mal einen 120mm Refi, das Teil machte nur Spaß, leider mußte er einer größeren Linse weichen. :wink:

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Beitrag von Blight » 15.12.2008, 10:40

Lieber Robert & Josef!

Ich glaube ich werde mich mal zum Fachsimpeln treffen müssen, Robert :D , denn mittlerweile bin ich unentschlossen...

Das Argument von Josef ("Der lange 127 ist schon ein richtiger Trümmer und wird Dir eine Menge zeigen") ermutigt mich aber dennoch für den Refraktor. Klar, durch die Brechung gibts chromatische Aberationen, aber da ich aus der Druckbranche bin, weiß iich bestens über das Thema "Farben" bestens bescheid. ausserdem werden die diversen Himmelsobjekte in jedem Insturment sowiso ander ausehen...ich glaube der wesentliche Punkt ist der Kontrast, den mann wirklich unterschiedlich herauskitzeln kann.

Kennt Ihr in Baden Umgebung ein gutes Fachgeschäft (habe ehrlich gesagt noch nicht nachgesehen)?

Ich glaube ausserdem, dass es mir früher oder später wie Josef ergehen wird: die kleineren müssen früher oder später den größeren weichen :roll:

LG und einen schönen Tag,
Clemens

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Beitrag von Maverik83 » 15.12.2008, 11:39

Hallo Clemens!

Es gibt in der "Nähe" eigentlich nur drei Fachgeschäfte:

Teleskop-Austria (von Lajos hier) in Wien in der Operngasse,
Astro-Experts in der Spittalgasse in Wien
und Astro-Optik Beck in St.Pölten.

LG, Robert

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Beitrag von Maverik83 » 15.12.2008, 11:42

Aja - du hast eine PM von mir ;-)

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Beitrag von Blight » 15.12.2008, 13:09

Danke für die Tips!

habe sowas vermutet, weils ja in Baden Umgebung nicht mal ein gscheites Musik-Geschäft gibt :lol:

LG!

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kilo
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Beitrag von kilo » 15.12.2008, 14:55

Hallo Clemens!

Habe einen 127/1200 FH zwar nicht von Bresser aber eigendlich steht nur eine andere Firma drauf.

Der Hebel des Refraktors ist für meine LXD55 schon zu groß und das Rohr benötigt zumindest eine EQ-6 um nicht ständig nur zu wackeln.
Bitte achte auf die Montierung!

Habe auf die schnelle keine Daten der EQ-MON2 gefunden.

Der FH selbst ist ok, Farbe zeigt er allerdings.
Grüße Robert

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Beitrag von Blight » 15.12.2008, 22:05

Hi Robert,

Danke für den Tip - ich werde darauf Rücksicht nehmen. Bresser bietet eigentlich fast ausschließlich die EQ2 an, was eigentlich nicht unbedingt dafür spricht...

Eine Frage hab ich noch: wie stark würdet ihr auf die Brennweite achten? In wie Fern ist es ein Unterschied, ob ich bei einer 120 mm Öffnung 1000 oder 800 mm Brennweite habe (außer dass ich mit unterschiedlichen Okularen dieselbe Vergrößerung erreiche)?
Wie ändert sich das abgebildete Objekt mit gleicher Vergößerung? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht??

LG, Clemens

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Beitrag von kilo » 16.12.2008, 08:42

Ahoi Clemens!

Der Farbfehler beim FH nimmt bei gleicher Öffnung mit abnehmender Brennweite zu. Man sagt ab f15 ist er erträglich :?
Die kürzere Brennweite verkürzt den Hebel und man braucht "weniger" Montierung, es wird auch leichter.
Kürzere Brennweite ist größeres Feld.
Größere Brennweite ist stärkere Vergrößerung oder gleiche Vergrößerung mit längerbrennweitigen Okular und besserem Einblickverhalten.
Planeten, planetarische Nebel und alles was klein ist lange Brennweite.....
Alles natürlich bei gleicher Öffnung.
Wenn FH dann große Brennweite würde ich sagen, aber da gehen die meinungen auseinander :D

Wenn du nicht fotografieren willst überlege ein anderes System mit mehr Öffnung. Öffnung bringt Auflösung und Licht.
Grüße Robert

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Beitrag von Maverik83 » 16.12.2008, 15:04

Hallo Clemens!

Wenn du dir auch einen Refraktor ansehen willst (also durchschauen *g*), ich hab einen 102/1000 f 9,8 von Celestron daheim.
Den können wir ja mal vor den Toren von Baden probieren.

Ich hatte selbst erst einmal eine visuelle Nacht mit dem und war positiv überrascht!

LG, Robert

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Beitrag von Blight » 16.12.2008, 21:49

Grüße an die beiden Roberts!

@Mavrik: ich komme darauf zurück (also an-und durchsehen) :D ich melde mich bei dir!

@kilo: ok, dann liege ich richtig: ich tendiere eben zu einer langen brennweite.
Fotografie ist derzeit noch uninteressant, was auch für die lange brennweite spricht, da kleine blendenzalen längere Belichtungszeiten benötigen und nachführungsmotoren für mich nicht unbedint ein "muss" sind.

Auf jeden Fall schon vielen Dank für eure informativen Meinungen und Vorschläge, hat mir schon sehr geholfen. :idea:

LG und einen schönen Abend noch!

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tommy_nawratil
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Beitrag von tommy_nawratil » 18.12.2008, 21:13

hallo Clemens,

durchschauen vor dem Kaufen ist das Beste was man machen kann!

Mit einem kurzen Fraunhofer (und f/8 ist noch immer kurz) hat man auf jeden Fall einen Farbfehler in Kauf zu nehmen. Für Planeten und andere Solarsystem Objekte wo man hoch vergrössert fehlts dann am gemeinsamen Brennpunkt der Farben. Noch dazu sind Achromaten nicht immer gut korrigiert, was sphärische Aberration betrifft. Es sind eben Richfielder. Manche Leute stören die Farbsäume aber nicht so sehr und sie sind zufrieden.

Die Firma Bresser gibt es schon länger nicht mehr, es werden Meade Geräte unter diesem Label vetrieben (siehe deren Website). Wenn du so einen kaufst, achte darauf dass das Objektiv nicht in einer Plastikfassung sitzt, sondern in einer Metallfassung. Plastik hält die Justierung nicht.

Ich persönlich würde als Erstgerät zu einem Spiegel mit mehr Öffnung raten, ist günstiger, farbrein, und löst mehr auf. Als Zweitgerät dann einen ED-Apo. Die sind schon recht günstig zu haben und bieten einfach ein um Längen besseres Bild als die Achromaten.

Wie eingangs gesagt, durchschauen vor dem Kaufen ist das beste!

Viel Freude mit deiner Wahl, wie sie auch immer sein wird!

Tommy

wstroh
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Beitrag von wstroh » 20.12.2008, 15:39

Hallo Clemens!
Ich glaube ich werde mich mal zum Fachsimpeln treffen müssen, Robert, denn mittlerweile bin ich unentschlossen...
So ähnlich ist es mir vor zwei Jahren bei der Auswahl eines Zweitrohres auch gegangen. Durch die Diskussionen mit anderen Austronomen wurde die Liste interessanter Rohre eher länger als kürzer.
Ich persönlich würde als Erstgerät zu einem Spiegel mit mehr Öffnung raten, ist günstiger, farbrein, und löst mehr auf. Als Zweitgerät dann einen ED-Apo. Die sind schon recht günstig zu haben und bieten einfach ein um Längen besseres Bild als die Achromaten.
Sehe ich ähnlich. Ich bin visueller Beobachter und habe einen 10" Dobson (f/5) und einen 3"-Apo mit 500 mm Brennweite. Dieser Apo (Borg 77ED) ist superkompakt, sehr leicht (ich brauche kein Gegengewicht bei meiner parallaktischen Montierung) und somit das ideale Gerät für Reisen oder andere mobile Einsätze. Als Erstgerät würde ich auf jeden Fall wieder einen Dobson nehmen, weil man sehr viel Seherlebnis fürs Geld bekommt und weil die Anzahl von Deep-Sky-Objekten die Anzahl interessanter Objekte des Sonnensystems bei Weitem übertrifft. Mit einem Dobson ist man meiner Meinung nach vielseitiger unterwegs als mit einem Refraktor.

Clear skies,
Wolfgang

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Beitrag von Blight » 21.12.2008, 19:53

Hallo Wolfgang!

Mittlerweile freunde ich mich mit dem Dobson an :wink: und werde mal in der Spitalgasse vorbeischauen, denn der hat ja einige dort stehen.

Man sieht bei diesem Thema recht gut, wie unterschiedlich die Meinungen sind, und das sie die Sacher eher "verkomplizieren" als vereinfachen :?:
Aber man kann ja auch zwischen den Zeilen lesen und da ist dann d0ch eine Tendez für bestimmte Anwendungsgebiete spürbar...

Für einen blutigen Anfänger wie mich, wirds dann eher ein anwenderfreundliches Instrument werden, wobei ich es echt interessant finde, welche Infos von euch zurückkommen, denn diese Infos wiegen echt mehr wie irgendwelche Prospekt- oder Verkaufsinformationen.

In diesem Sinne: sternenklare Nächte und bleibts gesund!
Von fern sieht man's vom Shuttle blinken:
Geh, schickt's und doch a Blattl Schinken!

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