Komet Wirtanen, Asteroid TU24

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Rudi
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Komet Wirtanen, Asteroid TU24

Beitrag von Rudi » 30.01.2008, 09:28

Liebe Sternfreunde,

Mit diesem meinem ersten Beitrag hier in diesem Forum möchte ich Hallo an alle sagen und hoffe auf viele nette Diskussionen.

Beinah hätte ich gestern kapituliert, dann ging mir der Asteroid aber doch noch ins Netz, besser gesagt auf die Netzhaut.

Teleskop: Gitterrohrdobson von Starsplitter 18", f/4,45
Datum: 29.01.2008
Uhrzeit: 19:00- 22:30
Mondalter: 22 Tag (nicht da)
Grenzgröße: 6,3 mag, am Ende 5,5 (sehr feucht)
Seeing: 3/6 (1=sehr gut)
Außere Bedingungen: windstill, 1°
Beobachtungsort: Tertiäres Hügelland in Niederbayern, nächste Kleinstadt 14km entfernt (Pfarrkirchen), 48,3°n.Breite, 480mNN
Objekte: Komet Wirtanen, Asteroid TU24

Diesmal bin ich zeitig raus, um den Kometen 46P/Wirtanen nicht wieder zu versäumen. Nach ein paar Minuten hatte ich ihn dann eingestellt. Die vorrausgesagte Helligkeit von etwa 9mag kann ich bestätigen. Der Komet erscheint als beinah kreisrundes Wölkchen von etwa 3' im Durchmesser. Die Koma ist nicht scharf begrenzt, sondern verliert sich allmählich im Himmelshintergrund, zur Mitte steigt die Helligkeit stark an. Einen sternartigen Kernbereich konnte ich nicht ausmachen, auch keine Spur von Schweif. Na das war doch schon was, nachdem ich tags zuvor nur Pech hatte.

Überaus optimistisch ging ich daran den Asteroiden aufzustöbern, hatte die entsprechende Stelle auch bald eingestellt. Aber da war nix...das gib's doch ned. Habe dann rund um dieses Feld jeden Stern eine Weile angeguckt ob sich da was bewegt... nix gor nix, zäfix. Entnervt ging ich nach einer Stunde (bei perfektem Himmel) rein an den PC um die Karten zu überprüfen. Ein neuer Download der Bahndaten ergab keine Änderung. Nach Recherchen im Netz hatte ich den Verdacht, dass mein Sternkartenprogramm (Cartes du Ciel) die Positionen um eine Stunde verschob. Und so war es dann auch. Die Differenz war sogar etwas mehr als eine Stunde. Zudem war die tatsächliche Bahnlinie um 6' nach Osten verschoben. Ich bin verwirrt. Bisher hatten die Karten immer bis auf Sekundenbereiche gepasst, z.B. bei Stern- oder Planetenbedeckungen von Mond, auch die letzte Annäherung eines Asteroiden, den ich letzten Sommer beobachten konnte, passten die Karten exakt mit der Beobachtung überein. Habe eben nachgeguckt, die Sonnenauf und -untergänge stimmen, auch der Standort ist richtig eingegeben. Na jedenfalls war die Erleichterung riesig, als ich ihn dann gefunden habe und erstaunt zugleich. Selbst bei geringster Vergrößerung (78fach) fiel die Bewegung gleich auf. So schnell war noch keiner unterwegs, den ich bisher beobachtet habe. Ich konnte eine Winkelgeschwindigkeit von 2,3° pro Stunde messen. Er befand sich zum Ende meiner Beobachutng in UMa etwa 3° von M81 entfernt. Die Helligkeit schätzte ich auf etwa 10,5mag. Gegen halb 10, als ich so auf den Asteroiden starrte, flog ein Flugzeug genau mittig durchs Gesichtsfeld. Im ersten Moment war ich mords erschrocken, durch die plötzlich auftauchenden hellen Lichter. Der Flieger füllte auch das ganze Gesichtsfeld aus.

Es war eine sehr interessante Beobachtung, aber warum meine Karten nicht stimmten muss ich noch herausfinden, hat da vielleicht jemand einen Tipp?

Viele Grüße
Rudi

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kilo
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Beitrag von kilo » 30.01.2008, 10:07

Hallo Rudi!

Sehr schöner Bericht und gut zu lesen. Kann mir richtig vorstellen wie Asteroid sich bewegt hat.
Wegen der Kartenprobleme kann ich leider nicht helfen. :(
Grüße Robert

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herbraab
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Re: Komet Wirtanen, Asteroid TU24

Beitrag von herbraab » 30.01.2008, 13:52

Rudi hat geschrieben: Nach Recherchen im Netz hatte ich den Verdacht, dass mein Sternkartenprogramm (Cartes du Ciel) die Positionen um eine Stunde verschob. Und so war es dann auch. Die Differenz war sogar etwas mehr als eine Stunde.
Ich kenne Cartes du Ciel zu wenig, um genau zu wissen, wie es die Positionen der Asteroiden berechnet. Viele Programme holen sich aber irgendwoher (z.B. vom MPC oder vom Lowell Observatory) oskulierende Bahnelemente (die für irgendeine Standardepoche gelten, welche aber einige Wochen oder Monate in der Vergangenehit oder der Zukunft liegen kann), und berechnen daraus dann (ohne die Störungen von Planeten weiter zu berücksichtigen) die Position des Asteroiden. Das klappt in den allermeisten Fällen auch ganz gut.

Bei einem erdnahen Asteroiden kann es so aber durchaus zu den von Dir geschilderten Verschiebungen kommen. Das liegt daran, dass sich kleiner Abweichungen des Asteroidenorts in Erdnähe natürlich stärker bemerkbar machen, als wenn der Kleinplanet irgendwo draussen im Hauptgürtel ist. Weiters erfährt der Asteroid ja gerade bei der Erdpassage nicht vernachlässigbare Störungen durch die Erde (und auch durch den Mond), und wenn diese nicht extra berücksichtigt werden, dann ist am Ende halt die berechnete Position nicht ganz exakt. Die Großteil der Störungen wirkt entlang der Asteroidenbahn, der Asteroid kommt dann sozusagen "zu spät" oder "zu früh".

Tipp: Für solche Extremfälle immer das Minor Planet Ephemeris Service des MPC verwenden. Da werden die Störungen (und auch die Parallaxe) korrekt berücksichtigt.

Grüße, Herbert

Rudi
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Beitrag von Rudi » 30.01.2008, 18:50

Hallo Herbert,

Danke für den Tipp.
Mitlerweile habe ich auch von anderen erfahren, daß es Probleme gab. Nicht nur mit CdC.

Gruß Rudi

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