Zwei Berichte: Merkur (27.01.) und Galaxienjagd (02.02.)

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Joe_Malik
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Zwei Berichte: Merkur (27.01.) und Galaxienjagd (02.02.)

Beitrag von Joe_Malik » 06.02.2008, 19:43

Grüß euch!

Endlich hatte ich Zeit, zwei Beobachtungen der letzten Wochen in schöne Berichte zu verpacken. Nachzulesen wie immer unter http://www.astronomie-hohewand.at/beoba ... e2008.html

Viel Spaß beim Lesen! :)

27. Jänner 2008: Merkur

Nach den beiden, an den Tagen zuvor gescheiterten Versuchen, Merkur am Abendhimmel zu erspähen, gelang mir am Sonntagabend endlich eine erfolgreiche Beobachtung des Himmelsboten.

Laut HNSky ging an diesem Tag die Sonne um 17:44 unter. Gegen 18:15 Uhr machte ich mich sodann, nur mit dem bloßen Auge und einem Kompass bewaffnet, auf den Weg auf die Felder, die sich unter unserer Ortschaft befinden. Von hier aus hat man eine uneingeschränkte Sicht nach W-SW, also genau in der Deklination, in der Merkur untergeht (233°). Die Kulisse hätte pathetischer nicht sein können: Im Südwesten erhob sich der dunkle Schatten des Bergs "Zwei" und im Westen verloren sich die Ausläufer der Hohen Wand im gelb-orangen Widerschein der letzten Sonnenstrahlen. Exakt dazwischen strahlten die verschneiten Höhen des Schneebergs, dem höchsten Berg Niederösterreichs, hervor. Der Horizont war noch hell erleuchtet, während im Zenit bereits die ersten Sterne funkelten.

Nachdem ich lange Zeit am Horizont herumsuchte, stach mir plötzlich ein heller "Stern" ca. 5° überm Horizont ins Auge. Der innerste Planet unseres Sonnensystems, Merkur, war gefunden.

Eine knappe halbe Stunde lang genoss ich noch diese wundervollen Eindrücke. Leider hatte ich keine Kamera dabei, um dieses Himmelsschauspiel festhalten zu können. Eine Beobachtung durchs Teleskop hätte aufgrund des heftigen Seeings in Horizontnähe wenig Sinn gemacht. Aber die nächste Sichtbarkeitsphase des Merkur kommt ja bereits Mitte Mai.


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03. Februar 2008: Tiefnächtliche Galaxienjagd

Datum, Uhrzeit: 03. Februar 2008, 02:30 – 04:00 Uhr
Seeing: Anfangs 3/5, später 5/5
Transparenz: Sehr gut
fst: nicht bestimmt, war aber äußerst hoch
Beobachtungsort: Meine Terrasse am Ortsrand von Stollhof (400 Ew.) im südl. Niederösterreich; 450 m NN
Verwendetes Equipment: Sky-Watcher 8“ f/6 Dobson, TS WA 30 mm, Sky-Watcher UWA 20 mm und 6 mm

Beobachtete Objekte:
Leo: NGC 2903, M 95, M 96, M 105, NGC 3384, M 65, M 66, NGC 3628
Vir: M 104
Com: NGC 4559, NGC 4494, NGC 4565, NGC 4725, M 64, M 53 (KS)
CVn: M 51
Planeten: Saturn

Als ich am vergangenen Wochenende spät nachts nach Hause kam, fiel mir sofort der klare Himmel auf, der von keinem Wetterinstitut vorhergesagt wurde. Also ging ich kurzerhand auf die Terrasse, um die Bedingungen genauer zu inspizieren. Das Seeing war mittelmäßig, aber die Transparenz haute mich glatt um. Also nix wie raus mit meinem „Dobbi“!

Aufgrund meiner Müdigkeit beschloss ich allerdings, nicht bis zum Morgengrauen durchzumachen und ließ den ausführlichen Deep Sky Reiseführer in der Tasche, um nur mit dem Karkoschka einen kurzen Trip durch die Highlights der Frühjahrsgalaxien zu starten.

Das Sternbild Leo stand verlockend hoch im Süden, weshalb ich mich folglich zuerst durch dieses „arbeitete“:

NGC 2903: groß, heller Kern
M 95 und M 96: passen gleichzeitig ins Gesichtsfeld, beide relativ hell und rundlich
M 105 und NGC 3384: stehen sehr dicht beieinander, M 105 ein wenig heller als ihr NGC-„Partner“
M 65, M 66 und NGC 3628: das berühmte Leo-Triplet überwältigt mich jedes Mal von neuem. Die beiden Messiers erscheinen (für Galaxien) geradezu strahlend hell. M 66 ist unregelmäßig strukturiert, M 65 mit hellerem Zentralgebiet, das Staubband in NGC 3628 war eindeutig zu sehen, ebenso wie die breiteren Ausläufer der Galaxie.

Das Seeing wurde schlagartig besser. Dies und die hohe Transparenz bis zum Horizont ermutigten mich, mich an einer meiner Lieblingsgalaxien, der Sombrerogalaxie M 104 im Sternbild Virgo, zu versuchen. Es sollte sich lohnen:

M 104: für Galaxien-Verhältnisse geradezu gleißend hell, länglich, ausgeprägtes Halo im Norden und Süden, deutlich sichtbares Staubband zog sich über die gesamte Länge von Ost nach West. Mir blieb die Spucke weg. M 104 ist vermutlich die Galaxie, die am ehesten an eine Fotografie herankommt. Wie vergangene Beobachtungen zeigen, sind hierfür allerdings gute bis sehr gute Bedingungen erforderlich.

Von diesen imposanten Eindrücken beflügelt, ging es weiter ins Haar der Berenike. Hier warteten erneut unzählige spektakuläre Welteninseln auf mich:

M 64: ein weiterer Klassiker; Die Galaxie selbst wäre trotz ihrer Helligkeit eher unspektakulär, würde sie nicht eine der schönsten Staubstrukturen des Messier-Katalogs beherbergen. Bei 60x ist das Erkennen der dunklen Staubregion nahe dem Zentrum kein Problem mehr. Die Region windet sich in einem „Knick“ um das helle Galaxienzentrum.

NGC 4725: relativ hell; Ich bildete mir ein, andeutungsweise unregelmäßige Strukturen zu erkennen. Das kann allerdings auch nur Einbildung gewesen sein.

NGC 4494: ziemlich hell. aber keine Details

NGC 4559: länglich, unregelmäßiges Zentrum

NGC 4565: und noch ein Highlight; Eine helle Lichtnadel durchsticht das samtschwarze Firmament; breiteres Zentrum, Staubband über die gesamte Länge leicht zu sehen, Wunderschön!

M 53: Ein wenig Abwechslung muss ein. M 53 ist ein weit entfernter Kugelsternhaufen. Randbereich gut aufgelöst, einzelne Sterne treten sogar bis ins Zentrum vor dem unaufgelösten nebeligen Hintergrund hervor.

Nun machte sich allerdings schon deutlich die Müdigkeit bemerkbar, weshalb ich meinen Plan, eine Tour durch den Virgo-Haufen zu machen, leider ein weiteres Mal verschieben musste. Aber ich musste unbedingt noch einen Blick auf M 51 werfen. Ich hatte schon so eine positive Vorahnung. Aber das, was sich mir beim Anblick der Whirlpool-Galaxie darbot, war einfach unbeschreiblich:

M 51: Dicke Spiralarme winden sich rund um das Zentrum, innerhalb der Arme treten ein bis zwei hellere Lichtknoten hervor, die Materiebrücke zu NGC 5195 war mit Leichtigkeit auszumachen. Einfach fantastisch!

Noch ein letzter Schwenk auf Saturn: Das Seeing hätte mittlerweile sogar höhere Vergrößerungen als die verwendete von 200x zugelassen; Cassini-Teilung in den Ringen problemlos erkennbar, deutlich gelb-orange Färbung des Planetenkörpers, ein dunkleres Wolkenband war ebenfalls deutlich zu sehen.

Leider bemerkte ich erst im Nachhinein, dass ich die Beobachtung von NGC 4631 zwischen Coma Berenices und Canes Venatici völlig vergaß. Aber die Galaxiensaison ist ja noch jung. ;-)

Fazit: Unter den beobachteten Galaxien waren zwar nur wenige neue, aber selbst die Eindrücke der Beobachtung jener Objekte, die ich in der Vergangenheit schon öfter betrachtete, waren so spektakulär wie noch nie zuvor! Die Ursachen hierfür sind klar ersichtlich: Bisher beobachtete ich die Frühlingsobjekte ausschließlich im Frühling, wo man oftmals mit Dunst und daraus resultierender mangelnder Transparenz zu kämpfen hat. Der Winterhimmel letztes Wochenende war glasklar und pechschwarz – also ideal geeignet für eine Galaxienjagd. Ein weiterer wichtiger Faktor war, dass die Beobachtung in der zweiten Nachthälfte erfolgte. In der ersten Nachthälfte sind die Luftschichten noch sehr unruhig, ab ca. 2-3 Uhr haben sich diese aber weitestgehend gelegt und das Seeing wird häufig um ein Vielfaches besser.

An alle, die sich bis hierher durchgekämpft haben: DANKE fürs Lesen! :)

LG Christian

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kilo
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Beitrag von kilo » 06.02.2008, 19:54

Hallo Christian!

Danke Dir für diesen mitreissenden Bericht von Deiner Galaxienjagt. Liest sich sehr gut.
Grüße Robert

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herbraab
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Beitrag von herbraab » 06.02.2008, 22:11

Danke für den Bericht - das macht Appetit auf die nächste, eigene Beobachtung! :shock:

Grüße, Herbert

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