Beobachtungsbericht vom 20. September 2017

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 20. September 2017

Beitrag von Alrukaba » 08.11.2017, 11:05

Eine Gruppe von 10 Personen hatte sich schon ein paar Wochen zuvor angemeldet. Sie wären an dem Tag auf der Alm um zu wandern und wenn Wetter und Bedingungen passen, würden sie gerne bei uns ein wenig in die Sterne schaun. Also schickte ich ein Mail an die Kollegen aus und informierte sie. Hans war not amused, weil ein Tag nach Neumond, er fotografieren wollte und einen Laserpointangriff auf seinen Objekt der Begierde fürchtete.
Theresa und ich waren kurz nach 5 auf der Alm. Sonst war noch niemand da. Schon bevor wir da waren, ließen uns Hans und Sepp wissen, daß sie nicht kommen. Hans wurde vom Helicobacter überfallen und wäre Sepp mit ihm in einer Wg, würde ich seine Atemnot auch verstehen.
Ich stellte mein Teleskop auf und danach gingen wir rüber zu Erika. Von der Partie war aber niemand da. Die wären noch wandern, verriet uns Kerstin. Also genehmigten wir uns Kaffee und Kuchen und warteten eine Weile. Die wollten ja um 18 Uhr zum Abendessen da sein. Als sie kurz nach 6 noch immer nicht da waren, gaben wir Erika Bescheid und sagten ihr, daß wir in einer Stunde wieder da wären.
Auf der Station waren nun auch Kurt und Roman. Kurt hatte zu meiner Freude wieder mal seinen Dobson aufgestellt. Roman wollte nur kurz was erledigen und schon bald wieder fahren. Kurt hatte schon bald Saturn im Visier, den wir Herrn Koller und Co umsonst schmackhaft machten. In seinem Dobson zeigten sich deutlich zwei Objekte etwas oberhalb des Ringträgers. Einer davon war Titan, der zweite nur ein Hintergrundstern. Bei mir mußte man schon ganz genau hinschauen, um sie zu erkennen.
Gerade rechtzeitig, bevor wir wieder rüber ins Almhaus aufbrachen, kam auch Werner. Er hat bei der Rauffahrt, mit einem Feldstecher die noch sehr dünne Mondsichel beobachtet. Kurt und er nahmen unser Vereinsgerät in Betrieb und nach kurzem plaudern schlenderten wir einem kleinen Imbiss entgegen.
Eigentlich hätte Gerald auch kommen sollen. Aber der war ja noch nie pünktlich. Er hätte natürlich als Ausrede den LKW nenne können, der unten bei Neubruck Schotter verloren hatte!
Unsre Gäste waren nun auch schon da und verspeisten gerade ihr Abendessen. Die kleine Gruppe der Firma ZKW in Wieselburg waren allerdings nun doch nur zu 8 unterwegs. Wir genossen unsre Jause, ich spülte mit einem roten Sturm noch nach und gingen geschloßen wieder rüber zur Sternwarte.
Es war schon etwas frisch. Die Temperatur sank bis auf 8°, dafür wehte nur ein leichtes Lüftchen. Das Seeing war brauchbar, es bekommt eine +2. Auf die Grenzgröße hab ich nicht geachtet.
Ich zeigte ihnen erst, mit meinem Laserschwert, was sich am Himmel alles abspielt, ehe ich M31, unsre Nachbargalaxie in der Andromeda zeigte. Werner und Kurt stellten im Vereinsgerät und in seinem Dobson inzwischen M13, den hellsten Kugelhaufen in unseren Breiten ein, der im Herkules zu finden ist. Während dieser im Vereinsteleskop, dank automatischer Nachführung, auch noch einige Zeit später zu sehen war, mußte Kurt immer nachschupsen.
Ich zeigte als nächstes h/chi, den Doppelhaufen im Perseus, erklärte, was es mit der Präzession auf sich hat und gab die Perseussage zum Besten. Kurt holte einige Objekte vom Himmel und Werner diskutierte über adaptive Optik und Autoscheinwerfer.
Die Plejaden kratzten gerade an den Wipfeln im Nordosten, was mich veranlasste, sie anzupeilen. Ich erzählte den Unterschied zwischen offenen und Kugelsternhaufen und daß das Siebengestirn noch in ihrer Kinderstube steckte. Als ich ihnen wissen ließ, daß fünf der Sterne vom großen Wagen ebenfalls zu einem Sternhaufen gehören, waren sie baff!
Meine Wenigkeit erhaschte erst jetzt einen Blick auf den Kugelhaufen im Herkules, der noch immer im Vereinsteleskop herumtümpelte.
Ich suchte für den Abschluß noch die Kembel Kaskade, die MG Salve in der Giraffe, mit dem offenen Sternhaufen NGC 1502 an ihrem Nordöstlichen Ende und das Vierersystem Epsilon Lyra. Kurt holte M33, unsere zweite Nachbargalaxie im Dreieck und den Ringnebel in der Leier vom Himmel. Danach verabschiedete sich die Gruppe und Werner folgte ihnen kurze Zeit später.
Eigentlich hatte ich erst auch vor, noch ein wenig zu beobachten. Kurt meinte, gleich als wir ihn getroffen hatten, er würde bis zum Aufgang von Orion warten.
Ich machte mich über den Ringnebel her und Kurt wollte den Kokonnebel suchen. Während ich schon bald ein Ringerl betrachtete, blieb Kurt erfolglos. Natürlich zeigte ich all die Objekte auch meiner Theresa. Danach baute ich mein Teleskop doch ab.
Ich hatte gerade mal das Okular und andere Kleinteile im Koffer verpackt, als sich von oben plötzlich ein Auto näherte. Wir dachten natürlich an einen späten Gast für Erika, aber es kam schlimmer. Das Auto blieb bei uns stehen. Richtig, es war Gerald.
Unverhofft kommt oft, spät aber doch oder des B…; na, auf kann Foi! Er hatte sich also wieder mal verspätet.
Eigentlich waren Theresa und ich schon in Aufbruchsstimmung, aber Kurt wollte nun Neptun und Triton sehen und machte mich neugierig. Er fragte mich, ob ich wisse, wo sich der herumtreibt. Wußte ich natürlich nicht, zumindest nicht so genau. Ich wußte, er war im September in Opposition und müßte irgendwo im Wassermann zu finden sein. Um seine Position genau zu finden, fragte ich Stellarium.
Um mir unseren Außenposten im Sonnensystem auch zu suchen, hätte ich mein Teleskop nochmal aufzubauen müßen. Dafür war ich zu faul, also schnappte ich mir meinen Feldstecher und fragte Stellarium nochmal. Diesmal aber nach Uranus, der unter guten Bedingungen auch mit freiem Auge sichtbar sein müßte. Er stand erst am Tag zuvor in den Fischen in Opposition und müßte mit meinem Feldstecher leicht zu finden sein. Dieser tummelte sich im Südöstlichen Teil der Fische und nach kurzen orientierungslosen herumstochern katte ich ihm in Blickfeld.
Kurt hatte in der Zwischenzeit auch Neptun gefunden und konnte auch Triton erkenne. Der blieb mir und auch all den anderen leider verborgen. Auch im Vereinsgerät war Triton nicht zu sehen.
Schließlich schwenkte Kurt auch auf Uranus um und auch Gerald machte sich nützlich und holte den grünen Planeten ins Vereinsteleskop.
Ich dagegen suchte mir währenddessen Neptun mit dem Feldstecher. Leicht zu finden sollte er ja sein, stand er doch nur etwas südlich von Lambda Aquari. Zwar schwach, aber doch, war er zu erkennen.
Nun packten wir aber doch zusammen und fuhren nach Hause!

Kurt hatte wieder mal seinen Dobson aufgestellt mit 450mm Öffnung und 2000mm Brennweite

Das neue Vereinsteleskop ist ein TMB APO mit 152mm Öffnung und 1200mm

Ich schaute mit meinem Fraunhofer Refraktor mit 102mm Öffnung und 1000mm Brennweite

und mit meinem 10x50 Nikon Feldstecher
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. September 2017

Beitrag von Josef » 08.11.2017, 21:58

Hallo Alex!

Damit bin ich wieder online dabei und versäume nichts mehr, finde ich sehr vorteilshaft! :wink:

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Re: Beobachtungsbericht vom 20. September 2017

Beitrag von Alrukaba » 09.11.2017, 17:05

Net nua online dabei sein, sondan live! :D
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. September 2017

Beitrag von Antares » 19.11.2017, 16:57

Hallo,

schön mal wieder einen Beobachtungsbericht von dir zu lesen.

Es sollte mehr davon geben, auch ich muss mal wieder einen schreiben, sonst könnte man glauben hier gibt es nur Astrofotografen.

schöne Grüße,
Bernhard

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Re: Beobachtungsbericht vom 20. September 2017

Beitrag von Alrukaba » 20.11.2017, 17:08

Servus Werner!

Ob es heuer nochmal zu einer Beobachtung kommt, steht in den Sternen. Aber, ab dem nächsten Jahr soll es wieder mehr von mir zu lesen geben. Auf das sich die Astrofotografen nicht so einsam fühlen

Alex
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