Fernglashimmel neu entdeckt - Test von Filtern - Anregung

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Wolfman
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Fernglashimmel neu entdeckt - Test von Filtern - Anregung

Beitrag von Wolfman » 01.10.2018, 19:17

Liebe Astrofreunde!

Als Kind hat mich der Blick durch den vom Opa verschenkten 8x30 Yokosho auf den Mars fasziniert und zur Astronomie gebracht. Nach dem ersten 150mm Selbstbaunewton habe ich bis zum Bau einer eigenen Sternwarte 2014 eigentlich kaum mehr Ferngläser außer im Urlaub benutzt.
Mit der Reparatur vom Yokosho, Reinigung, Neueinstellung der Prismen begann ein altes, neues Abendteuer.
Schnell waren bei den Verwandten alte Gläser eingesammelt und ein paar über willhaben abgeholt. Einige Defekte zeigten sich anfangs sehr als wenig lohnend für eine Reparatur, aber Übung machte den Meister und so waren auch schlicht und weg Dinge auf dem Wert Müll wieder in Betrieb zu setzen. So habe ich mich durch einige Typen durchgearbeitet und doch einige Qualitäts- oder Eigenschaftsunterschiede bemerkt.
Einige Gläser konnte ich auch mechanisch verbessern, oder stabilisieren, so dass sie durchaus an Wert gewannen. Letztendlich habe ich dann wieder vieles davon repariert zurück gegeben, oder den Kids verschenkt. Positiv aufgefallen sind mir da russische Zeisskopien der Firma Zomz, von denen einige sehr kompakt und interessant sind, andere sogar auch ziemlich scharf. Leider lassen sich diese sehr schwer nicht zerstörend zerlegen, da sie verklebt sind und einige haben innen zumeist rechts Schimmel. Die beigelegten Orangefilter lassen Venus am Tag finden, oder Nebel durchsichtiger werden. Da die Zeiss Ost Gläser meist teuer sind und im Verhältnis mehr Reflexionen hatten, habe ich hier weniger Erfahrung. Mit Lackieren innen hätte man die sicherlich besser machen können. Mit Minus 6 Dioptrien kann ich leider z.B. Gläser von Swarovski nicht mehr ohne Brille nutzen, auch alte japanische Zeiss Kopien nicht, drum bin ich dann auch am Gebrauchtmarkt bei Fujinon mit Einzelokularfokussierung (10x50) gelandet, wobei uns dann die Firma selber noch als Sternwarte echt toll geholfen hat, so dass wir auch mit dem ganzen Zeug Kinder- oder Beobachtungsabende auf der Wiese vor der Sternwarte machen konnten. (teilweise auch mit beeinträchtigten Menschen)

Auch gebraucht habe ich dann einen "einäugigen Drachen" 7x50 FMT SX1 gefunden, bei dem irgendwie ein Okular innen vergessen worden ist zu beschichten, der aber mit Filtern und toller Tasche ausgestattet genau so super ist, wie ich mir das gedacht hatte. Ich hatte ja zuvor schon mit 50igern Gläsern und den Sternwarte 2" Deepskyfiltern Tests gemacht und wollte auch mal Okularfilter ausprobieren. In Summe kann man die Wirkung der Filter überhaupt nicht generell festlegen. Es kommt auf das Wetter, benachbarte Städte, Luftfeuchtigkeit, eigenes Sehverhalten und vieles mehr an. Auf jeden Fall kann ich für Ferngläser eher Filter empfehlen, die auch im Roten offen sind, denn gerade ich habe damit einen Vorteil. Übrigens hier ein kleiner Tip: Bei der Android Skysafari Version gibt es nun blaue Streifen, die einem schnell im Dunkeln erkennen lassen, welchen Filter man grade in der Hand hat. Ich glaube das war nicht Absicht vom Hersteller, bei der Mac IOS Version hat man drauf vergessen.

Persönlich mag ich den CLS Filter recht gut, aber auch bei kleinen Instrumenten hat sich der Astronomik UHC E manchmal als hilfreich dargestellt. Manchmal gewinnt man am selben Standort damit gar nichts. Es kommt auch auf die Himmelsrichtungen an, welche Stadt dann grad mit welchen Lampen am Horizont leuchtet. Am wenigsten konnte ich mit Filtern etwas in der Steiermark gewinnen, da schien manchmal jede Hoffnung verloren. Bei besten Himmeln verwendete ich diese nur zum Aufsuchen von planetarischen Nebeln. Da gewinnt im Teleskop klar OIII. Manchmal kann auch ein H Beta Filter helfen, das heißt aber noch lange nicht, dass man damit den Pferdekopfnebel locker sieht.
Manche Nebel vertragen kaum Filterung, bei einigen, wie z.B. Cirrusnebel ist OIII klar vorn. Es gibt auch Filter, die wir als Dämmerungsfilter geortet haben. (z.B. Kontrastbooster vom Baader). Bei Planeten sind überhaupt Farbfilter toll und bei schlechter Luft, verlangsamen wir oft die Wellenlänge. Orange am Tag ist auch ein heißer Tip. Da kann man zumindest im Teleskop gut den Jupiter schauen. Im Gesamten haben wir da sehr viel experimentiert und waren oft sehr positiv überrascht. Hellblau und lila ist auch an den Gasplaneten nett, Orange und rot kann am Mars echt sehr helfen.

In den Bergen hatte ich manchmal den Eindruck, dass man mit den grünstichigen Zomz Russen schon den Deepskyfilter drin hat und Nordamerikanebel und Cirrus haben bereits am Horizont beeindruckt. Das konnte ich dann noch wesentlich doch mit dem einäugigen Drachen von Fujinon und den Deep Sky Okularfiltern toppen. Die Möglichkeit diese zu verwenden ist echt ok und gut, auch wenn ich da wohl einige Jahrzehnte hinten nach bin. Pelikan und Nordamerikanebel werden da echt kontrastreich und auch sonst jegliche Nebel der Milchstrasse gewinnen an Kontrast, ich hatte sogar den Eindruck helle Galaxien besser zu sehen, auch wenn dies gar nicht möglich ist.
Ich konnte leider auch beim Hersteller nicht wirklich erfragen, wer die Filter gemacht hat. Bei den großen Ferngläsern ist es Astronomik, aber bei den kleinen tippe ich eher auf Lumicon oder vielleicht wirklich eine Eigenproduktion.

Die Theorie, dass Ferngläser mit 7mm AP auch bei älteren Personen nicht mehr voll zu nutzen sind, würde ich mal als Diskussionspotential sehen. Ich bin auf jeden Fall nicht dieser Meinung. Filtern mit 4mm AP am Gucker fand ich persönlich etwas zu dunkel. Aber da fehlen noch weitere Tests. Zumindest den Californianebel habe ich so nicht gesehen, mit dem 7x50 schon, sogar locker. Im Teleskop mit UHC schaut er aus wie ein Krokodilkopf.

Eines habe ich auch gelernt: Wenn man viele Ferngläser in der Hand hat und noch auch repariert, wird das eine Art Sucht. Zum Glück habe ich einst zum Rauchen aufgehört und nun auch den Suchagenten wieder auf Willhaben deaktiviert. Auf jeden Fall wird man dann leicht unzufriedener, da man sofort jeden Bildfehler wahrnimmt, vor allem sehe ich in den ersten Sekunden, wenn ein Fernglas nicht justiert ist.

Bei einem meiner Sternenabende habe ich mir dann aber den Spass gemacht und ein dejustiertes Glas ca. 20 Beobachtern geborgt und sogar per Nachfragen ist dies niemanden aufgefallen. Damit wird scheinbar den Chinesen am Markt recht gegeben. Es dürfte nicht ausschlaggebend für den Verkauf und die Benutzung sein. Das war für mich eine der größten Überraschungen.

Abschließend möchte ich jedem Sternwartenbesitzer oder Amateurastronomen wieder mal motivieren das Fernglas zu benutzen. In den mittlerweile 4 Observer Guides Büchern (habe ich natürlich beim Thommy geholt) sind echt gute Tips und Aufsuchen von flächigen Nebeln oder auch Dunkelnebeln macht Spaß! Unlängst habe ich so z.B. im Fernglas den mir unbekannten Sternhaufen St2 gefunden. Ein Prachtobjekt!
In dieser Art gibt es sicherlich Dutzende, wenn nicht hunderte Objekte. In Kombination mit einem Teleskop werden es dann schnell tausende Objekte und kaum mehr in einem Astroleben beobachtbar.

Es gibt sicherlich nicht das optimale und beste Gerät. Aber es gibt Schlüssel, die etwas knacken können. Ferngläser gehören da sicherlich absolut dazu. Einige Vergrößerungsstufen da parat zu haben würde ich auch als Empfehlung sehen. Persönlich mag ich 7 und 10 sehr.

Mit dem Beitrag wollte ich faul gewordene Altastronomen (so wie ich) mal wieder zum Experimentieren einladen!

Liebe Grüße
Wolfman

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Niki
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Re: Fernglashimmel neu entdeckt - Test von Filtern - Anregun

Beitrag von Niki » 03.10.2018, 11:17

Hallo Wolfman,

ich finde das Fernglas auch immer wieder perfekt für den Blick in die Weite, es ist weniger technisch als die ganze Ausrüstung aufzubauen und man kann sich sozusagen "an den kleinen Dingen" (auch wenn sie groß sind) erfreuen. Im Moment suche ich Erfahrungsberichte von Groß-Bino-Usern, aber da scheint es wenige zu geben - so in Richtung APM 80 oder 100... scheinen tolle Geräte zu sein, hab aber noch nie durchgeschaut.

lg
Niki
Das Seeing ist zwar ausschlaggebender als das Equipment, aber das Equipment kann man sich aussuchen... :)

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Re: Fernglashimmel neu entdeckt - Test von Filtern - Anregung

Beitrag von Wolfman » 18.01.2019, 22:50

Hallo Niki!

Ich schau nicht nur gern, sondern lese auch viel. Es gab mal wohl einige tolle Großferngläser, die irgendwie an mir vorbeigegangen sind. Wachter Gigant, da hätte ich gerne mal durchgeschaut. Das ist ein deutscher alter Klassiker, nicht wasserdicht, aber dem Namen nach vermutlich ein gigantisches Bild. Nicht zu vergessen der Tordalk. Heute aktuell sind die Fujinons mit einigen mehr oder weniger guten billigeren Klonen. Ab etwa 80mm habe ich selber dann noch gar nicht durch Binos geschaut, würde mich auch interessieren. Der Wachter muss ein Hammer gewesen sein, weil ja Lichtenknecker Optiken verbaut waren. Ich kenne einige Refraktoren von der Firma, die sind unpackbar gut. Vergleichbar mit unserer verbauten Zeiss AS Linse von dem Observatoriumsdoppelfernrohr. Eigentlich habe ich in Summe nie ein besseres visuelles Bild gesehen als in solchen Instrumenten. Flach, scharf, Kontrastreich, maximale kleine Farbfehler. Unglaublich die Reichweite von solchen Teleskopen selbst mit kleiner Öffnung. Da werden wohl 80mm mit 150mm ganz gutem Newton vergleichbar. Hat mich selber gewundert, dass mit 80mm 300fach überhaupt kein Problem sind. Doppelsterne bestens getrennt, wie gemalte Beugungsscheibchen.
So etwas als Doppelfernrohr muß absolut toll sein. Leider ist eine Menschen Lifetime auch begrenzt, sonst hätten wir sicherlich schon mal eines angerissen zu bauen.
Es gibt einen Japaner, der hat sich aus 2 50cm Spiegelteleskopen ein Bino gemacht. Ich habe ihm geschrieben, was ärgeres habe ich noch nicht gesehen.

LG
Wolfman

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Re: Fernglashimmel neu entdeckt - Test von Filtern - Anregung

Beitrag von Niki » 18.01.2019, 23:58

Hallo Wolfman,

mittlerweile hab ich mir das APM 100/550 ED Bino gekauft, weil anders werde ich es nicht herausfinden können, wie es sich damit lebt. :P

Viele gute Nächte gab es ja zuletzt leider nicht, und so hab ich nur zweimal kurz geguckt, war aber sehr angetan von dem Gesichtsfeld (mit 2 x 24mm Panoptic). Um etwas Sinnvolles sagen zu können, warte ich mal auf eine klare Nacht mit gutem Seeing. Und verträglichen Temperaturen. Ich denke, es war ein gute Kauf! Aber nicht billig, denn ich wollte auch ein Stativ mit Kurbelsäule und einen Neiger mit Gewichtsausgleich - das waren dann auch noch mal bald 1.000 Euro. Insgesamt also samt Okularen eine schöne Stange Geld...

aber gut, jetzt hab ichs, und jetzt schauen wir mal, wie der Himmel damit aussieht. :D

lg
Niki
Das Seeing ist zwar ausschlaggebender als das Equipment, aber das Equipment kann man sich aussuchen... :)

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Re: Fernglashimmel neu entdeckt - Test von Filtern - Anregung

Beitrag von Wolfman » 19.01.2019, 19:46

Hallo Niki!

Danke für die Info, bitte halte mich weiter am Laufenden! Unsere Freunde vom Harpoint Observatorium haben ein Großfeldfernglas aus China komplett umgebaut, das es überhaupt brauchbar wird. Wahrscheinlich sind einfach qualitative Unterschiede vorhanden und mit etwas Glück findet man ein Gerät, das vom Werk her gut justiert ist. Im Prinzip ist es immer eine Frage der Freiheitsgrade der Komponenten, dann kann man sich selber helfen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich wie schwierig das ist. Mit unserem Cassegrain haben wir erst mehr als 20 Jahre später gut gesehen, denn erst da war er wirklich eingestellt, Lageastigmatismus beseitigt und zentriert. Man kann sich in einem Optikprogramm sehr leicht ausrechnen, wie genau die Komponenten zusammenpassen müssen und da geht es echt um zehntel mm, sonst verliert man erheblich an Schärfe und Bildqualität.
Bei zwei Rohren und Augen ist das noch viel schwieriger. Im Netz gibt es einen Bericht von jemanden, der Celestron Geräte zu Binos umbaut. Sehr witzig, vorallem das Abdrehen der Ethos 13mm. Das muß man einmal im Angesichts des Preises über das Herz bringen.

LG
Wolfman

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