Beobachtungsbericht vom 10. Juli 2021

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 10. Juli 2021

Beitrag von Alrukaba »

Eingeläutet wurde der Beobachtungsabend von Gerald, mit dem ich kurz nach unseren letzten Treffen auf der Alm telefonierte, da ich einige Tage nach dem Treffen meinen Unmut etwas Luft machte, da ich das Gefühl hab, daß die visuelle Beobachtung bei uns immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird.
Einige Tage vorher sah es ja noch nicht sehr rosig aus. Ab Donnerstag wurde Regen gemeldet, der am Samstag zwar aussetzten sollte, aber ab Sonntag wieder munter weiter plätschern sollte. Aber je näher der Samstag kam, desto besser wurden die Bedingungen.
Kurz nach halb 5 fuhr ich von zu Hause los und dank zweier Umleitungen und einigen Schleichern, war ich zwei Stunden später auf der Alm. Gerald, Walter und Kurt waren schon da. Nach einer kurzen Begrüßung stellte ich mein Teleskop auf den Platz und schon hatte ich die Sonne im Tubus. Ich hatte extra dafür meinen Bader Sonnenfilter mitgenommen und zeigten sich auch vor ein paar Tagen Flecken, auch von der größten Eruption seit Jahren war zu lesen, so war sie heute natürlich – fleckenlos. Nix mit Zeichnung!
Was also tun, kurz nach 7 Uhr am Abend. Es waren noch gut 2 Stunden Zeit, bis es dunkel werden würde und die ersten Sterne rauskommen. Ich zog einen Besuch bei der Aussichtswarte in Betracht, aber Gerald schwafelte plötzlich etwas von mähen daher und das kurz vor 8!
Drei Wochen vorher war eine Mähaktion angesagt, bei der auch mein Schatz und ich mitgemacht hatten. Theresa war diesmal aber nicht mit. Bis 2 Uhr beobachten war ihr dann doch zu lange, also blieb sie zu Hause. Bei dieser Aktion mähte Kurt, zu frühen Stunde, ein Stück Almwiese, zirka 50 Meter über dem Tunnel. Da wurde von uns aber nicht weitergemäht, sondern an anderer Stelle und Kurt wurde damit aber nicht fertig, denn in der Hitze, und das ist verständlich, wollte er nicht mähen. Wir haben, natürlich in der Hitze, etwas weiter westlich, dann schon gemäht. Und dieses Stück, wo Kurt nicht fertig wurde, wollte Gerald nun zu Ende bringen.
Zu meinem tiefsten Bedauern hatte Gerald nur zwei Sensen und Walter einen stärkeren Willen, als ich, sich körperlich noch etwas zu betätigen. Kurt und ich begleiteten die Beiden natürlich, um sie wenigstens moralisch etwas zu unterstützen und um das herrliche Panorama auf Chip zu bannen.
Kurze Zeit später zogen wir aber in Richtung Almhaus von dannen, mit den Worten: „Wia gengan auf a Bia!“
Im Gastgarten herrscht Selbstbedienung und so bestell ich mir im Almhaus ein großes Bier und einen Holzfällertoast. Das Bier nahm ich natürlich gleich mit, den Toast brachte mir Kerstin. Langsam wurde es etwas frisch und so holte ich mir meine Weste vom Auto. Wieder zurück stand der Toast auf dem Tisch und so stärkte ich mich erst mal. Natürlich war danach ein Kaffee gefragt, um munter zu bleiben, mit Bananen Nougat Schnitte natürlich. Also wieder in´s Almhaus und diesmal nahm ich beides mit hinaus.
Bei Tisch saß nun auch schon Max, mit Frau – wie ungewöhnlich. Sonja gehörte aber zu Michael, der sie hier ablieferte und wieder zurück zur Astrostation fuhr, um sein Teleskop aufzustellen. Auch Gerald und Walter hatten ihre Mäharbeiten schon beendet.
Wir nahmen einen größeren Tisch in Beschlag und kurze Zeit später waren wir mit Roman komplett. Da er noch nichts zu trinken hatte, ging er ins Almhaus und ich gab ihm Geld für ein Seidl mit. Während wir so plauderten und die letzten Schnitzel und Toast verzerrten, wurde es langsam duster und die Venus strahlte vom Westhimmel.
Kurt und ich machten uns als Erster auf den Weg und der Rest folgte kurze Zeit später. Um 10 begann dann die eigentliche Beobachtung. Ich hoffe, ihr habt noch nicht aufgegeben zu lesen, denn nun wird es doch noch astronomisch.
Da es doch noch nicht richtig dunkel war, wollte ich mir erst mal ein Asterismus reinholen, von dem Max vor Kurzen in der Gruppe geschrieben hat. Der kleine Kleiderbügel, eine kleine Sternenansammlung, die seinen Großen Bruder um Füchschen sehr ähnlich ist. Dieser ist jedoch etwas über der Linie von Akfa Farkadain und Circitores, im Schwanz des Kleinen Bären zu finden. Aber leider konnte ich noch nicht alle Sterne des Kleinen Bären erkennen und so verlegte ich die Suche nach dem Bügel auf einen späteren Zeitpunkt. Also nahm ich erst mal Polaris, seinen Begleiter und den Diamantring ins Visier. Sche, so a Ringal.
Nun war es aber dunkel genug, um nach meinen eigentlichen Vorhaben Ausschau zu halten. Mein Ziel war, Barnards Pfeilstern im Schlangenträger, unweit des Asterismus und ehemaligen selbstständigen Sternbild, des Stier von Poniatowski, das von Marcin Odlanicki Poczobutt, einem polnisch-litauischer Astronom, zu Ehren des polnischen Königs Stanislaus Poniatowski eingeführt wurde. Ein Asterismus, das dem Kopf des Tierkreissternbildes Stier, also den Hyaden, sehr ähnlichsieht.
Der Asterismus gilt auch als offener Sternhaufen und trägt die Katalognummer Mel 186. Und ziemlich in der Mitte des rechten Horn des Stiers, also 66 Oph und dem Stern V 566 Oph befindet sich der Pfeilstern. Ausgehend von 66 Oph hatte ich ihn schon bald gefunden. Zum dritten Mal, jeweils in Abstand von 8 Jahren, konnte ich eine deutliche Positionsverschiebung erkennen. Nach einer kurzen Skizze widmete ich mich nun anderen Objekten, im Vater der Apotheker.
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IC 4665, ein offener Sternhaufen, etwas nördlich von Beta Oph war der Erste. Von der Struktur her erinnert er mich ein wenig an die Krippe im Krebs, nur das IC 4665 etwas weniger Sterne hat. NGC 6426, zwischen Beta und Delta Oph konnte ich allerdings nicht finden.
Inmitten des Körpers von Asklepios, dem Sohn von Apollon und seiner Geliebten Koronis, den der Schlangenträger darstellt, suchte ich mir die beiden Kugelsternhaufen M 10 und M 12. Das waren noch die Helleren ihrer Art in diesem Sternbild.
Michael, gleich neben mir, zeigte seiner Sonja ein paar Objekte in der Leier und im Schwan. Max war auch im Schwan unterwegs. Zumindest fragte er mal nach den Katalognummern des Schleiernebel.
Kurz machte ich einen Sprung in den im Süden benachbarten Skorpion. Hier machte mich Xi Scorpii neugierig, der in meinem Atlas noch auf dem Blatt des Schlangenträger ist. Graffias, so sein Name, ist ein Doppelstern, der relativ leicht zu trennen ist. Beide leuchten leicht gelblich.
Wieder zurück im Apotheker suchte ich mir, etwas südlich von Zeta Oph den Kugelhaufen M 107 und südöstlich von Eta Oph M 9. Beide konnte ich aber nur als milchige Flecken erkennen.
Auch Michael war im Skorpion unterwegs. Zumindest motzte er herum;“daß de Kuglhaufm do goa nix kennan!“
Lustig wurde es, als Gerald der Sonja die griechisch – mythologische Entstehungsgeschichte der Milchstraße erzählte, also mit Herkules und Hera und von den Liebschaften von Jupiter, oder Zeus, wie er bei den Griechen genannt wurde. Der hatte nämlich auch schon die Himmelsbühne betreten. „Des san jo ois Schauagschichtn;“ motzte Michael herum. „So is jo de Wöd nie entstaundn!“
„Glaubst in da Büwe steht wos Gscheidas!“ gab ich lapidar bei.
Da Michael schon der Milchstraße entlang beobachtete, machte ich nun auch einen Streifzug, beginnend mit M 8, dem Lagunennebel im Schützen. Schön konnte man die Nebelstruktur und den darin eingebetteten Sternhaufen sehen.
Etwas nördlich davon, M 20, der dreigeteilte Triffidnebel, mit dem angrenzenden offenen Sternhaufen M 21. Weiter nach Norden, schaute ich bei M 24, der kleinen Sagittariuswolke, M 17, dem Schwanennebel und M 16, dem Adlernebel, im Schwanz der Schlange. Schön konnte ich auch hier die Strukturen der Nebel erkennen.
Regelrecht links liegen ließ ich M 25, einen weiteren offenen Sternhaufen im Schützen. Auf den machte mich aber Max aufmerksam, als ich gerade bei Atair und Tarazed im Adler unterwegs war. Meine Kollegen des Vereins hatten meiner Frau und mir von den Beiden ein Foto auf Aluminium gedruckt, zur Hochzeit geschenkt und uns dieses im Juni, bei einem Vereinstreffen übergeben.
Dazu gekommen ist es schon fast ein Jahr vorher, als Anfang August ein paar Kollegen bei mir zu Hause waren. Walter versuchte da, remote ein Foto vom Hochbärneck aus zu machen, bekam aber keine Verbindung. Ich meinte dazu, so nebenbei; „mochst uns a Hochzeitsfoto?“
Geheiratet haben Theresa und ich im Oktober und Daniel sprang gleich auf den Zug auf und präsentierte mir ein paar Objekte, die er fotografiert hatte, via Signal.
Ich meinte: „Afoch a Foto, in de Müchstroßn eine fotografiert!“
Max zeigte zu der Zeit ein Foto von Atair und Tarazed, mit Barnard´s E, etwas westlich der Beiden, daß er im September aufgenommen hatte. „Sowos!“- meinte ich nur so nebenbei. Leider dauerte es dann bis in den Juni, bis zum nächsten Treffen.
Ich startete gerade den Versuch, Barnard´s E visuell zu erkennen, als Max etwas von Kleopatras Auge daher faselte. Da ich die Dunkelwolke leider nicht ausmachen konnte, widmete ich meine Aufmerksamkeit Max.
„Wo is des?“- fragte ich ihn. Umständlich erklärte er mir etwas, ausgehend vom Henkel des Teapot, also des östlichen Schützen, hinauf zu M22, dem Kugelhaufen und von da noch etwas weiter nördlich.
Ich folgte seinen Angaben mit meinem Feldstecher, streichte vom Henkel über M 22 und fand tatsächlich ein Auge, daß nach rechts schielt. Ich fragte meinen Atlas und nahm erst mal an, daß es sich um M 25, einem offenen Sternhaufen im Schützen handelt, der oberhalb einen Sternenbogen hat, der das Auge, M 25, wie eine Augenbraue überspannt. Max gab M 25 in sein Werkl ein und hatte einen Aha - Effekt.
Ich widmete mich nun der Suche nach dem kleinen Kleiderbügel, den ich mir schon am Anfang der Nacht suchen wollte. Ausgehend von Zeta Ursa Minor oder Akfa Farka zu Circitores oder Epsilon Ursa Minor, hatte ich, etwas nördlich der Linie, tatsächlich bald einen kleinen Kleiderbügel in meinem 38mm Okular.
Max hatte gerade den kleinen Orion im Tubus, als Kurt die ISS entdeckte, die gerade durch die nördliche Krone kreuzte und über den Bootes hinwegflog und dabei ziemlich hell wurde. Ich verfolgte sie bis in die Cassiopeia. Das war um zirka 1 Uhr 20.
Ich wollte mir eigentlich den kleinen Orion selber suchen, aber der ist im Schwan, und der stand gerade im Zenit. Net grod guad fia mei Gnack. Max tat sich mit Goto aber leichter, ist aber leicht zwischen Nordamerika und Pelikannebel zu finden. Also begnügte ich mich mit einer Betrachtung durch das Teleskop von Max.
Er hatte schließlich auch die Nova in der Cassiopeia drin, die immer noch gut zu beobachten war. Okay, erst war er auf der falschen Fährte, aber nach kurzen nachsehen hatte er sie. Die suchte ich mir auch gleich und da ich wußte, wo ich suchen muß, hatte ich sie auch gleich. Unweit von M 52 leuchtete sie immer noch munter dahin.
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Max zeigte mir schließlich noch eine Mini Cassiopeia, in der Königin Äthiopiens. Max meinte, es ist eines der verlorenen Bodschen Objekte, also eine Sternansammlung, die Johann Elert Bode (1747-1826) bereits 1777 beschrieben hatte, aber vergessen wurde. Bis sie wiederentdeckt wurde und als Asterismus katalogisiert wurde.
Irgendwann um die Zeit wollte Gerald einen Galaxienvergleich in seinem und im Vereinsteleskop machen, durch das Walter beobachtete. Was Gerald, Walter und Kurt genau beobachteten, weiß ich nicht. Roman hatte als Einziger kein Teleskop aufgestellt. Er schaute nur mal da und mal da durch. Er und auch Michael mit Sonja, waren um die Zeit aber schon am Heimweg und Kurt packte auch schon zusammen. Gerald wollte für den Galaxienvergleich M 51, die Whirlpool-Galaxie in den Jagdhunden hernehmen, mußte aber feststellen, daß die, von seinem Standort aus, hinter der Hütte von Hans war.
„Dann eben M 81 oder M 82!“- beide im Großen Bären. „Do muaßt owa east a poa Bam im Noadn schlägan!“- warf ich ein. So is Gerald. Schließlich wurde die aufgehende Andromeda Galaxie dafür hergenommen und anschließend der Dreiecksnebel im Dreieck. Wer nun bei dem Galaxienvergleich besser abschnitt, ist aber hier nicht überliefert.
Ich beteiligte mich bei dem Vergleich nicht. Ich wollte nun den beiden Gasriesen Saturn und Jupiter einen Besuch abstatten. Ihr Anblick war aber alles andere als prickelnd.
Über das schlechte Seeing hatte Michael schon gemault. Das bekommt diesmal, Anfangs eine +2 und zu diesem Zeitpunkt eine 3. Zirren zogen auch immer wieder durch, störten aber weiter nicht. Von Westen zog eine Front auf und hinter dem Dürrenstein leuchtete es immer wieder auf. Von Westen wehte ein kräftiger, böiger Wind und die Temperatur sank auf 17°. Die Grenzgröße schätzte ich auf 5,5 – 6 mag.
Wie gesagt, prickelnd war der Anblick von Saturn und Jupiter nicht. Bei Saturn, im Steinbock, konnte ich nur Titan, rechts oberhalb erkennen. Bei Jupiter, im Wassermann, fehlte einer. Kallisto und Europa standen links, Io rechts des Gasriesen. Ganymed zog gerade vor Jupiter vorbei. Im 18mm Okular glaubte ich ihn noch zu erkennen, aber bei 8mm sah ich nur Mist. Leider vergrößert man das schlechte Seeing ja mit.
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Mir fiel zwar auf, daß irgendetwas an Jupiter ungewöhnlich ausschaute, aber erst als Sepp am nächsten Tag fragte, ob uns aufgefallen sei, daß das nördliche Staubband fast verschwunden sei, wußte ich auch was.
Lange widmete ich mich aber nicht den Beiden, hatte auch keinen Sinn. Um 2 Uhr beendete ich die Beobachtung, packte zusammen und fuhr nach Hause.

Max beobachtete mit einem Bresser Refraktor, mit 500mm Brennweite und 90mm Durchmesser,

Kurt hatte zwei Geräte im Einsatz. Einen 135er FLT Refraktor mit 1080mm Brennweite und einen 100 DL Refraktor mit 1000mm Durchmesser,

Gerald mit seinem Equinox Dublet Apo mit 900mm Brennweite und 120mm Durchmesser,

Walter schaute durch das Vereinsteleskop, einem Takahashi Merlon mit 2500mm Brennweite und 250mm Objektivdurchmesser,

Michael hatte einen kleinen Refraktor mit, vermutlich, 500mm Brennweite und 102mm Durchmesser

Und ich mit meinen AR 127 mit 1200 mm Brennweite und mit dem 10x50 Nikon Feldstecher.
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TONI_B
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Re: Beobachtungsbericht vom 10. Juli 2021

Beitrag von TONI_B »

Auch wenn ich selber nicht (mehr) visuell beobachte, lese ich deine Berichte immer sehr gerne!
lG
TONI


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Alrukaba
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Re: Beobachtungsbericht vom 10. Juli 2021

Beitrag von Alrukaba »

Das freut mich aber Toni!

Alex
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Josef
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Re: Beobachtungsbericht vom 10. Juli 2021

Beitrag von Josef »

Sauber Alex!

Langsam wird es wieder! ;)
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Re: Beobachtungsbericht vom 10. Juli 2021

Beitrag von Alrukaba »

Danke Sepp!
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