Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von Alrukaba » 28.10.2012, 17:45

Bild

Eigentlich hätte es für Andrea und mich eine kleine Fortsetzung des Vortags werden sollen, nur hätte uns erst fast und schließlich doch der Dunst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Auffahrt auf den Hengstberg war schon etwas abenteuerlich. Unten im flachen war teilweise klarer Himmel, nur über dem Donau- und Ybbstal hing der Nebel an den Hängen des Hochkogel und der Neustadler Platte. Von Weitgraben bis kurz unterhalb des Hengstberg hing dichter Nebel im Gelände.
Kurz nach 7 Uhr war ich über dem Schlimmsten und beim Sender am Hengstberg und einige Minuten später war auch Andrea da. Sie und ihr Mann hatten ihre Stativbox, quasi über Nacht um ganze 40 Zentimeter kleiner gemacht und nun konnte man auch gleich viel besser in den Suche schaun und trotzdem war sie noch hoch genug, um nicht auf dem Boden knien zu müßen.
Der Mond stand schon tief in Südwesten im Schützen und wurde sofort von uns aufs Korn genommen. Andrea mit der Kamera und ich erst mal mit dem Teleskop. Unser Trabant zeigte sich sehr plastisch. Der Terminator verlief ca. entlang des 25. östlichen Längengrad und die langen Schatten fielen unter anderen in die Krater Theophilus, Cyrillus und Catharina. Anschließend versuchte auch ich den Mond auf Chip zu bannen. Naja, so toll wie die von Andrea sind die Bilder nicht geworden, aber seht selber.
Danach machten wir uns über h/chi her. Erst zeigte ich sie Andrea, wo sie zu finden sind und danach holten wir sie und ins Okular. Das Doppelsternpärchen vom Vortag um BSC HR 7272 in der Leier waren die nächsten.
Was uns etwas zu schaffen machte, war der Dunst, der immer höher herauf kroch und unsre Spiegel und Linsen immer wieder anlaufen lies. Wäre der Dunst nicht gewesen, wäre das Seeing nicht so schlecht gewesen. Es bekommt diesmal eine 2-. Die Grenzgröße lag bei nicht ganz 5 mag, es wehte ein leichter Ostwind und das bei ca. +8°.
Die Andromeda Galaxie war das nächste Objekt und ihr folgten Epsilon Lyra, die diesmal schön zu trennen waren und die Plejaden. Jupiter lies noch eine Weile auf sich warten und den wollte Andrea aber nicht mehr abwarten. Ständig beschlugen sich bei ihr die Spiegel, was natürlich lästig war und so baute sie schon bald wieder ab und fuhr nach Hause.
Ich wollte unbedingt noch Jupiter beobachten, was ich mir aber sparen hätte können, da seine Beobachtungszeit sowieso erst kommt. Es sollte lediglich noch eine halbe Stunde dauern, bis er über die Bäume in Osten kam. Durchschimmern konnte man ihn ja schon sehn und etwas weiter vorne konnte ich ihn auch schon über den Bäumen sehn, nur wollte ich mein Teleskop nicht so weit schleppen.
Sich mittlerweile andere Objekte zu suchen war mir zu mühsam, da alle fünf Minuten die Linsen nicht nur beschlagen sondern nass waren. Um mir das ständige putzen zu ersparen, suchte ich mir mit dem Feldstecher ein paar Objekte. So holte ich mir nochmal die Plejaden und h/chi vom Himmel, dann Mel 20, die Sternengruppe rund um Mirfak im Perseus, die Andromeda Galaxie, den Dreiecksnebel, den Kugelhaufen M13 im Herkules, sowie Mizar Alkor im Großen Bärn und die Hyaden.
Danach stand Jupiter endlich hoch genug, um ihn vor die Linse zu holen. Also putze ich dieselben ein letztes Mal und visierte den Gasriesen an. Naja, das Gelbe vom Ei war er gerade nicht. Dadurch, daß die Linse nicht richtig trocken war, zogen die Tropfen auf ihr Spikes und verzerrten das Bild etwas. Es war ein Geduldsspiel, Jupiter rund zu Gesicht zu bekommen. Schön waren die Wolkenbänder zu sehen und die vier Monde, die um ihn tanzen. Sie standen alle links von ihm, Ganymed ganz innen, dann kam Io, Europa und ganz außen Kallisto.
Kurz nach halb 10 baute auch ich ab. Den Refraktor hätte ich auswinden können und die Straßen in Blindenmarkt waren so naß, das man glauben hätte können, es hätte geregnet.
Zu Hause angekommen räumte ich das ganze Zeug rein und fuhr nach St. Georgen zum Oktoberfest. Dort traf ich meine Frau und einige Freunde und gemeinsam mit ihnen machte ich mich nur noch von innen naß.

Andrea beobachtete mit ihrem Dobson 200/1200

und ich mit meinem Fh 102 mit 1000mm Brennweite und mit meinem 10x50 Nikon Feldstecher.
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von Ebenwaldler » 28.10.2012, 18:29

Hallo Alex,

wie immer ein lesenswerter Bericht aus deiner Feder.

Ich war in derselben Nacht zusammen mit 2 weiteren Sternguckern auf der Ebenwaldhöhe, dort oben war es zum Glück völlig trocken gewesen!

Ein paar Beobachter der WAA waren ebenfalls in derselben Nacht auf der Hohen Wand, zuerst beim Gh. Postl in 900m, da war es aber sehr feucht gewesen, so übersiedelte die Gruppe rauf zur Kleinen Kanzel in 1100m, dort wiederum war es dann trocken! (wen es interessiert: siehe den Bericht von Alex Pikhard auf der WAA-Homepage).

So knapp können die Unterschiede sein bzgl. mit/ohne Nebel oder Tau!

(passt auch zu Werners Thread bzgl. Nebel).

LG, Günter

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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von Alrukaba » 28.10.2012, 20:25

Servus Günter!

Danke fürs lesen.

Es sind eben oft nur ein paar Höhenmeter mehr um aus dem Nebel zu kommen

Alex
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von rorma » 30.10.2012, 23:35

Hallo Alex,

wieder ein sehr schöner und ausführlicher Bericht, wie es scheint spielt das Wetter bzw. der Nebel und andere Widrigkeiten auch bei euch momentan eine Rolle - wahrscheinlich weil unsere Sternwarte fertig ist :mrgreen:

CS Robert
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von Mojo » 31.10.2012, 19:49

Hallo Alex!

Sehr schöner Bericht von dir!
Schade das das Wetter nicht so bei euch mitgespielt hat, es kann halt nicht nur schöne Nächte geben!

Hoffentlich bis bald!

cs und lg Martin

PS: Schöner Mond, steckt die Andrea dich mit der Fotografie langsam an? :lol:
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von Alrukaba » 31.10.2012, 20:52

Servus Martin!

Auch hier, danke für die Blumen.

Naja, angesteckt hat mich Andrea nicht, den nehm ich immer wieder mal aufs Korn und lichte ihn ab.

Das mit dem Wetter ist so seine Sache. Im November hab ich an beiden Wochenenden bei Neumond was vor, bleibt also nur der Freitag.

Wir sehn uns bestimmt wieder, aber vorerst mal ein schönes, vielleicht verlängertes, Wochenende. Ich hab leider kein´s

Alex
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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von darthvader » 02.11.2012, 14:01

Servus Alex,

komme gerade beruflich aus dem südl. Burgenland und lese Deinen Bericht.
Foto gefällt mir sehr gut. Ihr habt doch einige Objekte beobachten können und die anschließende "Innenbefeuchtung" war sicher auch nicht schlecht :wink:
Die nächsten drei Neumondwochen habe ich frei und hoffe natürlich auf super Wetter :?: :D

LG und CS Andreas
Equipment:
Meade SC 305/3050 ACF LX 90, MEADE #1209 Microfokussierung
Sky Watcher Dobson 200/1200, Omegon Night Star 20x80
Omegon SWA 2´´ 38, 32, 26 mm
Omegon SWA 20+15 mm
Antares Speers Waler 9,4 mm
Antares Speers Waler 5-8 mm
HR Planetary 7 mm

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Re: Beobachtungsbericht vom 20. Oktober 2012

Beitrag von Alrukaba » 02.11.2012, 18:42

Servus Andreas!

Würdest du das Foto zu 100% sehn, würde es dir den Magen umdrehn.

Ich hoffe natürlich auch, daß an den nächsten Neumondwochenenden das Wetter gut ist, auch wenn ich nur an den Freitagen beobachten kann, weil ich an den Samstagen leider was anderees vorhabe. Aber man muß das Wetter ohnehin so nehmen, wie es kommt

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