Beobachtungsbericht vom 3. August 2013

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 3. August 2013

Beitrag von Alrukaba » 12.08.2013, 13:03

Ich hatte den Tag schon länger für eine Beobachtung ins Auge gefasst. Es war drei Tage vor Neumond. Unser Begleiter sollte also erst weit nach Mitternacht die Bühne betreten. Ich mußte am nächsten Tag nicht auf und das Wetter spielte auch mit. Zumindest sollte laut ZAMG und andere Wetterseiten Wolken erst weit nach Mitternacht kommen, sollten wohlgemerkt.
Gegen halb 8 fuhr ich von zu Hause weg und kurz vor Sonnenuntergang war ich auf der Alm. Ich baute mein Teleskop auf, schaute kurz ins Net wegen ISS und Co und fuhr anschließend rüber zu Erika auf Kaffee und Kuchen. Hier war gerade eine Hochzeitsfeier im ausklingen, die hier heroben stattgefunden hatte.
Gegen viertel nach 9 war ich wieder auf der Sternwarte und wenig später sollte Saturn in meinen Tubus leuchten. Geleuchtet hatte er ja, nur scharfstellen konnte ich ihn nicht. Schuld war eine neue Verlängerungshülse, die ich mir endlich zugelegt hatte, um das herumfingern mit den viel zu kleinen Schrauben am Okularauszug, beim anbringen des Zenitspiegel, zu beenden. Mit dem Ding kam ich einfach gerade nicht in Fokus. Also baute ich das Teil wieder aus und tauschte es die nächsten Tage auf eine kürzere um.
Nun kam ich in den Fokus und Saturn zeigte sich echt knackig. Leider konnte ich diesmal nur einen Mond, Titan, links unterhalb des Ringplaneten erkennen.
Kurt war übrigens auch schon da. Er baute diesmal seinen Apo auf und das auf der unteren Terrasse. Auch bei ihm zeigte sich nur Titan neben Saturn.
Um ¾ 10 hielten wir beide Ausschau nach der ISS, die tief im Süden sichtbar sein sollte, einem Iridium Flares, welcher mit gut -0 mag. im Zenit aufblitzen sollte und einem zweiten, der mit gar –5,5 mag., zirka eine Minute später, etwas östlich des Zenit sichtbar werden sollte.
Die ISS bekamen wir gar nicht zu Gesicht, wahrscheinlich zu südlich, den ersten Flare genauso wenig und den zweiten, den helleren, sah Kurt nur ganz kurz und schwach im Schwan aufblitzen, wo auch ich ihn zu Gesicht bekam, ehe er ganz verblasste.
Warum das so hell vorhergesagte so verblasste ist schnell erklärt. Ich hab auf meinem Computer bei Cal Sky Gresten Land eingegeben, wo sich der 15. Längengrad und der 48. Breitengrad treffen. Dieser Punkt ist nicht weit weg von all meinen Beobachtungsorten wie dem Hochpyhra, dem Haberg und dem Hochbärneck. Die prognostizierte Helligkeit passt dann zwar nicht der zu beobachteten überein, aber es gibt für mich wichtigeres, als ISS und Co. und für jeden Standort die Position einzugeben.
Kurt entdeckte schon jetzt Wolken im Westen, die waren aber noch harmlos. Außerdem leuchtete es hinter dem Dürrenstein immer wieder auf. Das Gewitter blieb aber dort, leider aber nicht die Wolken aus dem Westen.
Die Bedingungen bei uns waren noch sehr gut. Das Seeing verdient eine 1-, verschlechterte sich aber im Laufe der Nacht ein wenig. Dafür betrachtete ich etwas später die Wega in der Leier. Die Beugungsringe waren zwar etwas ausgefranzt aber weitgehend schön kreisförmig. Die Grenzgröße lag bei 5,6 mag, es war windstill und es hatte angenehme 25°.
Mein Hauptaugenmerk lag diesmal bei Barnards Pfeilstern, von dessen Position ich ja beim letzten Mal keine Skizze angefertigt hatte. Ich muß zugeben, ich hatte bei der letzten Beobachtung sicher diesen Schnellläufer im Blickfeld, hab aber nicht darauf geachtet, welcher der Kandidaten es tatsächlich war. Diesmal wollte ich ihn aber 100%ig identifizieren, was beim letzten Mal, mit den Gästen ja nicht möglich gewesen wäre.
Erst wollte ich mir aber ein paar andere Objekte im Schlangenträger anschaun. NGC 4665 war der erste, den ich mir suchte. Etwas oberhalb von Beta Ophiuchi war er gefunden. Schön aufgelockert zeigte sich diese Sternenansammlung auch im Feldstecher.
Eigentlich hätte NGC 6426, ein Kugelhaufen etwas unterhalb von Beta Ophiuchi der nächste sein sollen, war dann aber mit knapp 11 mag. doch etwas zu schwach für mein Teleskop.
Danach nahm ich 67 Ophiuchi unter die Lupe. Hier sollte sich, im gleichschenkligen Dreieck zu Komponente A und C , Komponente E zeigen. Ich schaute sowohl direkt als auch indirekt, aber auch der war mit 10,9 mag. zu schwach.
Also gut, dann machte ich mich eben daran, den Pfeilstern aufzuspüren. Entweder hatte ich es mir das letzte Mal zu leicht gemacht, oder ich hatte diesmal Paradeiser auf den Augen. Auf jeden Fall suchte ich diesmal ganz schön umher, um die Sternengruppe zu finden, von der er südöstlich stehen sollte, ausgehend natürlich von 66 Oph. Im Feldstecher hatte ich sie rasch, aber im Sucher sah ich sie kaum. Nach einer Weile des Suchens hatte ich sie schließlich und etwas später auch den Pfeilstern im Visier. Eine Skizze machte ich aber nach dem Stellarium. So genau zu schaun, dafür waren meine Augen schon zu müde.
Zu müde war offensichtlich auch schon Kurt, denn der hatte sich um diese Zeit schon eine ganze Weile, gegen Mitternacht, verabschiedet.
Eigentlich wollte ich mir noch ein paar andere Objekte im Schlangenträger suchen. Aber seit ich begonnen hatte, in ihm herumzustochern, war er nicht nur schon ganz schön nach Westen gerückt, sondern die ersten Wolken, von eben da, über ihn.
Okay, was bot sich. Die Leier war frei, also nahm ich den Ringnebel aufs Korn. Ich vergrößerte nicht all zu groß, aber auch im 13mm Okular zeigte sich schon ein schöner Ring.
h/chi im Perseus lugten gerade mal über die Fichten im Norden, aber sie waren schon hoch genug, um ihr Licht in den Tubus fallen zu lassen. Was soll man da viel sagen, außer herrlich.
Weiteren Rat suchte ich in meiner Wunschliste und als ganz letztes hatte ich da NGC 6819 eingetragen. Roman hatte diesen kleinen, kompakten Haufen vor kurzem im Forum gepostet und ich setzte ihn gleich auf meine Liste.
Im Feldstecher zeigte sich eine bläuliche, dichtgedrängte Ansammlung von Sternen, bei kleiner Vergrößerung, war er zwar schon besser zu sehen, aber seine ganze Pracht zeigte er erst im 8mm Okular und bei 125 facher Vergrößerung. Unzählige blaue Stecknadelköpfe offenbarten sich meinem Auge.
Nun war es aber Schluß mit lustig. Im Westen war die Mühle fast zu, über dem Südhimmel lag ein milchiger Film, der sich bis in den Osten ausbreitete, der Zenit war auch nicht gerade einladend, nur der Norden war noch frei.
Da mein Laptop vor dem runterfahren plante zirka 100 Updates zu machen und das im Schneckentempo, beschloß ich mir in der Cassiopeia noch ein paar Objekte zu suchen.
NGC 7789, ein offener Sternhaufen, sollte das erste sein. Eine Struktur, wie bei der Krippe oder vorher, bei NGC 6819 konnte man hier nicht erkennen. Unzählige Sterne liegen hier dicht an dicht nebeneinander.
Nicht ganz so dicht ging es bei Eta Cassiopeia zu, ein Doppelstern etwas nördlich von Schedir. Hier zeigt sich ein gelber Komponent A, der von einem tiefroten, wesentlich schwächeren Stern umrundet wird.
Jota Cassiopeia, ein weiterer Doppler, war der letzte in der Runde. Eigentlich handelt sich um ein Dreifachsystem, welches man findet, wenn man Stern Delta und Stern Epsilon ungefähr um deren Distanz nochmal in diese Richtung verlängert. Der weiße Komponent A und der orange Begleiter C waren leicht zu trennen. Nur um Komponente B auf den Pelz rücken zu können, mußte ich schon mit dem 8mm Okular auffahren. Irgendwie erinnerten mich die beiden, was Helligkeitsunterschied und Distanz voneinander betrifft, an den Polarstern und seinen Begleiter.
Da sich die Bedingungen eher verschlechtert hatten und mein Lapi auch nur mehr 5 Updates hatte, packte ich kurz vor 2 Uhr langsam zusammen und fuhr nach Hause.
Wer weiß, wie lange ich geblieben wäre, hätte es nicht zugezogen. Auf jeden Fall hab ich mir vorgenommen, Bardards Pfeilstern in Zukunft regelmäßig anzuvisieren und alle paar Jahre eine Skizze anzufertigen. Außerdem wird er in Zukunft ein Kandidat bei öffentlichen Führungen sein, denn schließlich gibt es auch einiges über ihn zu erzählen.
Keine Ahnung, was Kurt diesmal beobachtete, aber ich stieß wieder mal in Bereiche vor, die ich noch nie zuvor gesehen habe.

Kurt beobachtete mit seinem Apo mit 152mm Öffnung und 1200mm Brennweite
und ich mit meinem Fh 102 mit 1000mm Brennweite und meinem 10x50 Nikon Feldstecher


In der oberen Skizze sind beide Positionen des Pfeilstern eingetragen, die untere ist die original Skizze von 2005. Nur V566 und Barnards Pfeilstern wurden nachträglich eingefärbt.

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Re: Beobachtungsbericht vom 3. August 2013

Beitrag von Josef » 13.08.2013, 15:58

Wieder ein feiner Bericht von Dir Alex!

Sehr gut gefallen mir aber die Skizzen vom der Himmelsgegend um Barnards Pfeilstern, erinnert mich an meine "früheren Zeiten" noch am Okular
und nicht schon am Notbook! :mrgreen:

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Re: Beobachtungsbericht vom 3. August 2013

Beitrag von Alrukaba » 13.08.2013, 21:42

Servus Sepp!

Danke fürs lesen!

Du hast ja Bleistift und Papier gegen Kamera und Laptop getausch, den auch deine früheren Aufzeichnungen sind toll, wie ich schon gesehen habe

Alex
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Re: Beobachtungsbericht vom 3. August 2013

Beitrag von darthvader » 19.08.2013, 12:45

Servus Alex,

wie immer ein super und hautnaher Bericht und die Skizzen gefallen mir auch sehr gut. Die Woche nach Deiner Beobachtungsnacht hatte ich frei, es waren aber immer schwache hohe Cirruswolken bei uns, also keine Beobachtung.

LG Andreas

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Re: Beobachtungsbericht vom 3. August 2013

Beitrag von Alrukaba » 19.08.2013, 20:11

Hallo Andreas!

Danke für die Blumen!!

Wir hatten eine Woche später unseren öffentlichen Abend und da waren die Bedingungen gut.

Am 15. war Almkirtag und der war von Wolken durchwachsen

Alex
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