Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von Alrukaba » 12.11.2013, 20:57

Geplant war dieser Abend nicht. Es passte einfach alles zusammen, Mond, Wetter und Wochenende. Aber gerade solche nicht von langer Hand geplanter Beobachtungsabende werden oft die besten. Natürlich wurden auch die Kollegen angeSMSt. Kurt hatte den gleichen Gedanken und am Ende waren wir zu viert, zumindest zeitweise.
Kurz nach halb 8 war ich auf der Alm und am Weg dahin stand, gleich nach dem Almgatter, ein Auto und dahinter ein Teleskop. Ich hielt an, stieg aus und fragte, wer da sei. Es war Günter, der sich wieder mal zu uns herauf verirrt hatte. Er hat da aufgebaut, weil niemand auf der Station war, naja, noch niemand und da pfiff ganz schön der Wind.
Auf der Station baute ich gleich mal auf. Wind wehte hier auch, aber man spürte ihn, vorerst, noch nicht so wie bei Günter. Zeitweise kam eine Böe aus Nordosten rüber. Kurt kam erst gegen 9 Uhr und Hans machte das Quartett komplett.
Zum einschaun suchte ich mir erst ein paar Standartobjekte. Der Ringnebel, M57 in der Leier war der erste. Was diesmal anders war. Ich nahm mir Zeit, mir jedes Objekt eine ganze Weile anzusehen. Am Ende sah ich nicht nur einen schmalen Ring, sondern erkannte einen ovalen Nebel, der aussah, wie wenn man ein gekochtes Ei in der Mitte auseinander schneidet.
Naja, bei Epsilon Lyra sieht man selbst nach einer Stunde hinschaun „nur“ zwei Sternenpärchen. Bei M56, einem Kugelhaufen in dem Instrument, kamen zwar schon mit der Zeit etwas mehr Sterne heraus, aber da haperte es eher an der Öffnung.
Bei Wega schaute ich dann mal nach dem Seeing. Die Zwiebelringe brachten mich diesmal nicht zum weinen. Beim äußeren sah man die Ausfransung, weil heller, zwar deutlich, aber die inneren waren halbwegs ruhig. Anfangs kann man da sicher eine gute 2 geben, aber das verschlechterte sich das im Laufe des Abends auf eine 3. Die Grenzgröße lag bei 6 mag. Schwächere Sterne konnte ich leider nicht ausmachen. Die Temperatur sank von 9° auf 6° und der Wind frischte in Laufe der Nacht auch mehr auf und aus den Böen wurde er ein ständiger „Gast“.
M13 war der nächste Kandidat, den ich auf mich einwirken lassen wollte, aber der stand schon so im Mist, daß er nicht mehr wirklich beeindruckend war.
Der Hantelnebel im Füchschen hatte zwar auch schon seine Glanzzeit hinter sich, aber bei längeren hinsehn konnte man doch so manches Detail heraus kitzeln.
Der Kugelhaufen M71 im Pfeil war etwas zu schwach, um an ihm zu kitzeln, aber ein schöner Anblick war er allemal. Das gleiche gilt für NGC 6934 im Delphin. M15 im Pegasus war da wieder ein dankbareres Objekt. Je länger ich im meine Aufmerksamkeit schenkte, desto mehr zeigte er mir.
Irgendwann um die Zeit war dann auch Kurt da und Hans lichtete irgendeine Schalenartige Galaxie in den Fischen ab, NGC ? - was weiß ich, 4hundertundnochetwas und ich machte mich auf die Suche nach Uranus. Der stand Anfang des Monats in Opposition und ich dachte mir, wenn der schon mal da so rumsteht, dann sollte ich ihn auch mal aufsuchen.
Warum ich da die längste Zeit in der falschen Gegend herumgurkte. Keine Ahnung, aber es war so. Ich suchte den grünen Planeten viel zu weit Südwestlich. Irgendwie hatte mich Mira in die Irre geführt. Erst durch einen Hinweis von Hans spürte ich ihn endlich auf und als ich ihn dann endlich sah, war es doch nur ein kleines grünes Scheibchen in der „Landschaft“.
Um die Zeit besuchte uns Günter. Wir fragten ihn, warum er nicht gleich zu uns heruntergekommen ist. Er meinte, er könne sich ja nicht einfach da breit machen, worauf wir ihm erklärten, daß er jederzeit hier seine Zelte aufschlagen könnte, auch wenn niemand da ist. Ist schließlich besser, als da oben im Wind stehen. Er nahm das Angebot dankend an.
Hans lies nun sein Teleskop alleine arbeiten und legte sich eine Weile auf´s Ohr und Kurt hatte währenddessen NGC 1232, eine Galaxie im Eridanus, in seinem Apo. War gar nicht so leicht zu sehen. Bei der schaut man quasi direkt von oben auf die Spirale. Irgendwann hatte er auch Uranus im Visier, da war ich aber längst schon wo anders.
Ich hatte mir wieder mal meine Wunschliste vorgenommen. Da ich gerade in den Fischen war, schaute ich, ob ich da etwas notiert hatte. Ja, hatte ich und zwar den Stern TX 19 Pisces, ein irregulär tiefroter, wie in meinem Atlas steht und zu finden zwischen den Sternen Jota und Lambda Pisces, welche im westlichen der beiden Fische zu finden sind und mit dem Roten ein stumpfes Dreieck bilden. Rasch war er gefunden und strahlte mir ins Auge.
Da sich in den Fischen sonst nichts Interessantes zeigte, schaute ich mal, welches Sternbild sich gerade anbot, um es genauer unter die Lupe zu nehmen. Perseus bot sich an und ich fragte meinen Atlas, was ich denn da finden würde. NGC 1342, ein unscheinbarer aber schöner offener Sternhaufen stach mir ins Auge. Er befindet sich ziemlich in der Mitte der beiden Sterne Rho und Xi Persei, dem Stern, der übrigens den Namen Menkib trägt und für die Beleuchtung des Kalifornia Nebel zu finden ist.
NGC 1528, ein weiterer offener im nördlichen Teil des Perseus war der nächste. Zu finden ist der schöne dichte Haufen östlich von Delta Persei. Weitere Objekte suchte ich mir dann doch nicht, denn das Sternbild kam in eine Position, welche nicht gerade gut für mein Genick war.
Kurt zeigte dann mal den Helixnebel im Wassermann. In seinem Dobson wäre er zwar sicher besser rüber gekommen, aber auch im Apo zeigte sich der planetarische ganz schön.
Um diese Zweit hatte das Seeing schon nachgelassen und lange wollten wir nicht mehr beobachten, aber Jupiter sollte schon noch vom Himmel geholt werden, schließlich sollte Ganymed vor ihm vorbeiziehen. Leider hatte ich bei Calsky zu wenig Stunden beim Verlauf des großen roten Fleck eingestellt und so wußte ich nicht, daß er kurz nachdem wir die Beobachtung eingestellt hatten, zum Vorschein kam.
Wirklich viel war bei dem Gasriesen nicht zu erkennen. Europa und Ganymed standen links von ihm. Ganymed war kurz davor, vor Jupiter vorbeizuziehen. Io und Kallisto standern rechts.
Als die beiden letzten in der Runde mußten M42, der Orionnebel, der gerade die Himmelsbühne betrat und M1, der Krabbennebel im Stier herhalten. Beide schaute ich mir wieder etwas länger an, aber sosehr ich mich auch konzentrierte, das Trapez blieben vier Sterne. Der Nebel selber sah ganz toll aus, nur das Seeing ist eben schlechter geworden.
Der Krabbennebel zeigte sich selbst bei stärkerer Vergrößerung noch von seiner besseren Seite. Je länger ich ihn betrachtete, desto mehr Details konnte ich erkennen.
Kurz nach Mitternacht beendeten wir unsere Beobachtung. Zum schlechten Seeing gesellte sich eine ziemlich steife Brise, die die Temperatur auch unangenehmer machte. So packten wir zusammen und fuhren nach Hause.
Am Weg zum oberen Parkplatz machte ich nochmal bei Günter Halt, der durchfroren im Auto saß. Er wollte auch nur noch zirka eine Stunde Photonen sammeln. Ich wünschte ihm ein schönes Wochenende, verabschiedete mich und fuhr weiter.

Kurt beobachtete mit seinem 6 Zoll Apo mit 1200mm Brennweite

und ich mit meinem Fh 102 mit 1000mm Brennweite.

Hans fotografierte mit seinem 12 ½ Zoll Newton mit 1420mm Brennweite

und womit Günter fotografierte weiß ich nicht.
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Re: Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von Josef » 13.11.2013, 19:37

Hallo Alex!

Bereichender Aufsatz wieder mal von einer Beobachtungsnacht!
Kurtls Galaxie muss ich mal auf´s Korn nehmen.
Scheint eine interessante Sterneninsel zu sein.

Danke für´s einstellen!

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Re: Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von Alrukaba » 13.11.2013, 20:12

Servus Sepp!

Danke fürs lesen und die Blumen!

Visuell gibt die Galaxie nicht viel her. Vilelleicht wäre sie im Dobson besser rüber gekommen, aber fotografier sie mal und zeig das Ergebnis

Alex
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Re: Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von Ebenwaldler » 13.11.2013, 20:22

Hallo Alex,

wie immer ein lesenswerter Beobachtungsbericht von dir!
Finde es schön, dass du dir die Mühe machst und immer wieder Berichte hier reinstellst.

Die Nacht war soweit ja schön, leider war der unangenehme Wind ein Spielverderber, auf meinem erhöht und frei liegenden Stellplatz war er
noch viel unangenehmer.

Ich wollte jedenfalls noch mal auf der Alm beobachten, bevor dort der Schnee kommt, das hat ja immerhin geklappt.

LG, Günter

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Re: Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von Alrukaba » 14.11.2013, 20:23

Servus Günter!

Danke erst mal für die Blumen!

Die Berichte hier reinstellen ist die wenigste Arbeit. Sie zu schreiben kostet eigentlich nur Zeit und wenn eine Beobachtung noch dazu so toll war wie diese, macht es sogar Spaß.

Das nächste mal kommst du am besten gleich zu uns runter. Da kannst du dich auch mal aufwärmen und wenn niemand da ist, ist es zumindest windgeschützter als da oben.

Wir sehn uns sicher mal nächstes Jahr. Bis dahin tschüß

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Re: Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von darthvader » 19.11.2013, 18:43

Servus Alex,

sitze wieder einmal beruflich in Tirol fest und lese gerade Deinen Bericht.
Gartuliere zu Deiner/Eurer erfolgreichen Beoachtungsnacht mit einer Fülle von Objekten, super Bericht :D
Mein Ziel ist die nächste Neumondphase, da habe ich frei :!:

LG und CS Andreas
Equipment:
Meade SC 305/3050 ACF LX 90, MEADE #1209 Microfokussierung
Sky Watcher Dobson 200/1200, Omegon Night Star 20x80
Omegon SWA 2´´ 38, 32, 26 mm
Omegon SWA 20+15 mm
Antares Speers Waler 9,4 mm
Antares Speers Waler 5-8 mm
HR Planetary 7 mm

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Re: Beobachtungsbericht vom 31. Oktober 2013

Beitrag von Alrukaba » 20.11.2013, 17:07

Servus Andreas!

Danke für die Blumen!! Mein Ziel ist auch die nächste Neumondnacht, hoffentlich ohne Wolken

Alex
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