Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

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Alrukaba
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Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Alrukaba » 30.04.2014, 22:00

Dies war, glaube ich, einer der kurzfristigsten Beobachtungsabende seit langem und es hatte sich ausgezahlt.
Nachdem die Wetterfrösche für den Samstag verregnet und sogar gewittrig ansagten und für den Sonntag eher durchwachsen, war ich am meisten paff, als ich am Nachmittag merkte, daß die Wolken immer mehr vom Himmel freigaben. Man sah vor lauter Himmel fast keine Wolken mehr. Sofort kontaktierte ich ein paar Astrokollegen und fragte ZAMG und Meteoblue nach der Wetterlage. Meteo sagte toll, ZAMG so wie man es erwartet hätte. Ich ließ mich dennoch nicht beirren und fuhr, nachdem ich meinen Sohn zum Bahnhof gebracht hatte, gegen 19 Uhr los.
Hans tanzte nach einer anderen Pfeife und Sepp wollte seine Montierung einstellen. Ich meinte, das ginge doch bei Vollmond auch, doch er antwortete; „Na – des loßt mi net in Rua!“ Roman schrieb mir, er hätte bis 8 zu Hause zu arbeiten und könne deswegen nicht. Ich schrieb ihm zurück, daß um die Zeit gerade mal die Sonne unterginge und so war er der einzige, der mir zumindest für ca. 2 Stunden Gesellschaft leistete.
Ich war kurz vor Sonnenuntergang auf der Alm und da zeigte das Wolkenbild nichts Gutes, nur der Westen war frei. Ich baute mein Teleskop auf und fuhr rüber ins Almhaus auf Kaffee und Torte. Da herrschte reger Betrieb und Erika meinte, daß die wolkenlose Phase nur kurz sei. Supa, bin ich etwa umsonst so weit gefahren. Richtig, hätte Erikas Prognose zugetroffen, würde es keinen Bericht geben. Nachdem es nach Kaffee und Eiskaffeetorte noch zu hell war, genehmigte ich mir noch ein Seiterl. Wieder auf der Station glaubte ich fast, Erikas Prognose würde sich bewahrheiten. ¾ des Himmels waren zu, nur der Westen war frei und weiter nach Westen zeigte Nachschub.
Es dauerte nicht lange und die Wolken gaben Jupiter frei, der immer noch in den Zwillingen sein Dasein fristete. Einnorden konnte ich erst nur sehr grob, weshalb ich immer beide Achsen weiterdrehen mußte um den Gasriesen nicht aus dem Auge zu verlieren. Europa und Io standen westlich, Ganymed und Kallisto östlich. Der Rote Fleck zeigte sich bei 200 facher Vergrößerung auch, wenn auch schon sehr an den westlichen Rand gepresst.
Nicht sehr Detailreich zeigte sich Mars. Auch ihm rückte ich gleich mit dem 5mm Okular auf den Pelz. Calsky verriet mir, daß tatsächlich eine eher Detailarme Seite des roten Planeten uns zugekehrt war. Im Norden war die Polkappe zu erkennen und rundherum ein dunkles Band, worum es sich um das Utopia Planitia handeln mußte. Auch im Süden war ein dunkles Gebiet zu sehen und zwar Mare Cinnerium und das Mare Sirenum. Auch um den Äquator war etwas zu erkennen. Hier handelte es sich um das Hyblaeus Extension im Westen und das Elysium Planitia, welches fast im Meridian stand.
Im Löwen besuchte ich dann das Trio und das Quartett, welche ich erst mit meinem 38mm Okular betrachtete und danach mit dem 8mm etwas genauer untersuchte.
Das war die Zeit, als Roman aufkreuzte. Er stellte sein Teleskop auf und ging zu Erika um sich zu stärken. Als er wieder zurück war, hatte ich gerade die Krippe im Krebs im Tubus, nicht aber um sie zu betrachten und abzuhacken, sondern um die Grenzgröße meines Teleskops bei Sternen auszuloten. Ich tastete mich langsam mit Hilfe von Cartes du Ciel bis zu einem Stern mit einer Helligkeit von 12,65mag vor. Es handelt sich um den Stern TYC 1395-816-1 im nordöstlichen Eck von M44. Daneben konnte ich einen Stern mit 10,8 mag sehen und darüber, im Dreieck zu den beiden einen, den mir Cartes du Ciel nicht mehr zeigte. Stellarium zeigte mir einen Stern, der hier aber nur als Stern bezeichnet wurde, dafür mit der unglaublichen Helligkeit von 15,6 mag. Als ich Roman davon erzählte meinte er nur; „Bei dem Seeing is ollas möglich. Da Mars steht do wia ausgstanzt.“
Das Seeing war diesmal wirklich supa und bekommt eine -1. Im kleinen Bären konnte ich Sterne bis 5,8 mag direkt erkennen. Indirekt wäre vielleicht noch mehr gegangen, aber darauf hab ich nicht geachtet. Lästig war der frische böige Nordostwind, der die Temperatur von 16° auf 10° herunterdrückte.
Zurück zur Krippe. 15,6 mag fand ich wirklich unglaublich, denn der Stern erschien nicht viel schwächer als die anderen beiden und dann sollte er gleich um drei Größenklassen schwächer sein als TYC 1395-816-1!? Zu schön um wahr zu sein und deshalb rief ich am nächsten Tag Sepp an, weil ich weiß, daß es noch etwas genauere Quellen hat. Guide zeigte ihm bei dem Stern eine Helligkeit von lediglich 11,58 mag, was mir schon etwas glaubhafter war. Ein As hatte ich aber noch im Ärmel. Ein weiterer Stern, der deutlich schwächer war als sein 10,8 mag helle Nachbar. Sepp schickte mir dafür einen Link, wo man in ein Digitales Bild hinein zoomen kann und wenn man auf das Objekt drauf klickt, man unter anderem die Helligkeit erfahren kann. Laut Stellarium hatte er eine Helligkeit von 14,05 mag und durch die Extinktion 14,28 mag. Auch Wikisky, der Link von Sepp, zeigte mir diese Helligkeit und es handelt sich dabei um den Stern USNOA2 1050-5825403. Ich war paff!
Warum ich das alles mache?! Weil ich mir heuer Pluto vornehmen will und sollten um die Zeit seiner Opposition die Bedingungen auf der Alm so gut sein wie dieses Mal liegt es durchaus im Bereich des Möglichen, diesen mit meiner bescheidenen Gurke zu finden.
Nun war es Zeit, Saturn mal meine Aufmerksamkeit zu schenken. Vier seiner Gefährten bekam ich schon lange nicht mehr in meinem Teleskop zu sehen. Tethys und Rhea standen östlich von ihm, Dione und Titan westlich. Japetus konnte ich leider nicht erspähen, dafür war die Cassini Teilung schön zu sehen.
Nach einer kurzen Aufwärmphase nahm ich meine Wunschliste her. Roman war um diese Zeit schon wieder beim abbaun. NGC 2419, ein Kugelhaufen im Luchs, auch bekannt als der Intergalaktische Wanderer, stand ganz oben auf der Liste. Der stand um diese Zeit aber schon ziemlich in Westen. Erst setzte ich aber mal den Luchs zusammen. Zu meiner Schande muß ich feststellen, daß ich den noch nie zusammengesetzt habe. Es wurde also Zeit. Um den Wanderer zu finden ging ich von Castor in den Zwillingen aus. Ich mußte mich beeilen, den der standen schon ziemlich knapp über dem Dach von Hans seiner Hütte. Ich stocherte zwar erst etwas zu direkt über Castor herum. Nach kurzer Orientierung hatte ich schließlich die Sternengruppe im Okular, an deren Spitze der Kugelhaufen sein sollte, gefunden. Direkt konnte ich zwar nichts sehen, aber indirekt war da ein schwacher Schimmer des Wanderers zu erkennen. Den muß ich mir mal vornehmen wenn er höher steht.
Da mir schon zu kalt war, um mir noch was Neues zu suchen, nahm ich mir nochmal die Antennengalaxien im Raben vor, die ich beim letzten Mal schon beobachtet habe. Viel besser als beim letzten Mal waren sie diesmal auch nicht.
Nun war es mir wirklich schon zu kalt und so beschloß ich, schon bald zusammenzupacken. Nicht aber ohne vorher einen Blick in Richtung Sommer zu werfen. Die Leier stand schon hoch genug um mir mal ein paar Sommerboten zu suchen. Der erste war natürlich M57, der Ringnebel. Im 13mm Okular zeigte sich ein Ringerl, aber bei 125 facher Vergrößerung zeigte sich schon mehr. Ich konnte schon etwas Struktur erkennen, der Zentralstern blieb mir allerdings verborgen. Epsilon Lyra zeigte sich auch von ihrer besten Seite, schön waren beide Pärchen zu trennen. M13, der Kugelhaufen im Herkules war schließlich der Schlußpunkt. Er sah aus wie Omas Nadelkissen.
Kurz vor ein Uhr baute ich ab, räumte alles ins Auto und fuhr nach Hause. Es war diesmal nicht gerade die große Ausbeute so wie letztes Mal, aber die Bedingungen waren dafür, abgesehen vom Wind, einzigartig. Naja, hoffentlich nicht. Hoffentlich haben wir heuer nochmal solche Bedingungen um dann wieder in Bereiche vorzudringen, die ich noch nie zuvor gesehen habe.

Roman beobachtete mit seinem Triplet Apo mit 115mm Öffnung und 800mm Brennweite

und ich mit meinem FH 102 mit 1000mm Brennweite
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Josef
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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Josef » 01.05.2014, 13:06

Schöner Bericht Alex!

Naja als Gurke würde ich Deinen Refraktor nicht bezeichnen, da er wie ich selbst schon bemerken konnte einen ausgezeichneten Sterntest abliefert.
Nur das Putzen der Objektivlinse mit dem Taschetuch solltest Du sein lassen :mrgreen: , dann kannst Du Dich an diesem Gerät ein
Leben lang erfreuen.
Zum galaktischen Wanderer, der Kugelsternhaufen ist wirklich schwach und denn Lauf meiner Montierung konnte ich schon ein wenig verbessern.
Ganz zufrieden bin ich noch nicht aber heute Abend ist wieder eine Chance!

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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von darthvader » 01.05.2014, 20:50

Servus Alex,

Glück muß der Mensch haben :lol: Schöner Bericht :!:

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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Alrukaba » 01.05.2014, 21:46

Servus Sepp, hallo Andreas!

Sepp Gurke deswegen, weil es doch eines der kleinsten ist, daß man sich vorstellen kann. Und daß ich als alter Hase mit sowas beobachte! Mein Teleskop ist zwar klein aber oho! Mit dem Taschentuch, das kommt sicher nie wieder vor! Der galaktische Wanderer war wirklich eine herausforderung, aber sowas such ich mir gerne, denn die Standartkerzen kann, mit einem Teleskop wie meinen,ohnehin jeder beobachten. Deine Monti bekommst du sicher auch wieder hin und dann lieferst du sicher wieder tolle Bilder!

Andreas, solche Bedingungen hat man wirklich selten und Sepp kann es bezeugen, daß sie, meines Wissens zumindest einmal, noch besser waren und danke, daß euch mein Bericht gefällt

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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Welser2011 » 02.05.2014, 12:11

Grüß Dich Alex,

einfach ein toller Bericht, mehr muss man da nicht sagen!


MfG.

Nedim
Man kann es so oder so machen. Ich bin für so.

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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Alrukaba » 02.05.2014, 20:32

Servus Nedim!

Dann kann ich auch nur eines sagen, danke

Alex
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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Alrukaba » 06.05.2014, 20:53

Servus Reinhard!

Ich notiere mir lediglich die Objekte, die ich beobachte, sowie die Zeit und Bedingungen. Alles andere kommt aus dem Gedächtnis und je rascher ich ans schreiben ran gehe, desto frischer sind die Erinnerungen. Manchmal recherchiere ich auch ein wenig, wenn ich z. B. über Doppelsterne wie 61 Cygni, Micar - Alkor, geschichtliches oder die Präzession schreibe. Es macht mir Spaß und hoffe, daß es gefällt

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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Lotz » 02.06.2014, 21:28

Hallo,

ein schöner Bericht, der zeigt, dass man auch bei nicht so optimalen Bedingungen wunderschön Spaß haben kann. Und man braucht auch keine Lichteimer dafür.
Oftmals lasse auch ich den Großen im Gartenhäusl iund beobachten nur mit dem 90mm-APO oder dem 130er Newton.
Und ab und zu darf's auch das 70/700er LIDL-Refraktörchen sein.


Viele Grüße

Markus



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Re: Beobachtungsbericht vom 26. April 2014

Beitrag von Alrukaba » 03.06.2014, 21:40

Danke Markus!

Man muß einfach das beste aus allem machen. Bedingungen lassen sich ohnehin nicht ändern, aber so schlecht waren die ja nicht

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