Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

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Alrukaba
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Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Alrukaba » 29.06.2014, 13:27

7. Juni

Es ist eigentlich nicht üblich, daß ich zwei Tage nach dem ersten Viertel eine Beobachtung starte, aber die letzte war fast 1 ½ Monate her, noch dazu war ich die Woche davor in Urlaub, aber das Wetter war im A…! Ich wollte einfach wieder Sterne sehen und so schickte ich ein SMS an meine Kameraden aus. Auch Besuch auf der Alm war angesagt, aber der hatte, bei dem Mond, schlicht und ergreifend, Pech!
Auch Julian aus Mönchsdorf meldete sich zu Wort, war aber letztendlich bei einer Geburtstagspary eingeladen. Meine Kameraden und ich waren uns rasch einig – Haberg und nicht weiter. Sepp blieb zu Hause in Saxen um seinen ASA zu testen.
Kurz vor halb 10 war ich auf dem Haberg und noch bevor ich alles aufgebaut hatte, konnte ich den Mond bei Kurt begutäugeln.
Selbst nahm ich natürlich auch erst den Mond unter die Lupe. Bedroht wurde unser Abend von hohen Wolken, die von Westen aufzogen, für mich aber harmlos aussahen. Schon bald war auch Roman da und zu guter Letzt Gerald und Willi. Ich hatte Gerald noch ein SMS geschrieben, daß er sich beeilen soll, wenn er die ISS um 21 Uhr 43 sehen wolle. Darauf vergessen hatten wir dann alle zusammen.
Willi nervte gleich mal wieder, weil er unbedingt ein paar Fotos machen mußte. Blitzlicht ist selbst bei Vollmond tödlich. Gerald verschanzte sich mit seinem Speki hinter Michaels Hütte. Er uns Ralph kamen übrigens auch für eine kurze Stipvisite und Plausch vorbei.
Willi nahm lange mein Teleskop in Beschlag und betrachtete genauestens den Mond. Was dem alles auffiel. Kunststück, mich ließ er ja kaum ran. Ein Krater, etwas nordwestlich von Kopernikus, leuchtete wie ein weißes Neonlicht, mit je einem Griff oben und unter. Willi meinte, er sieht aus wie ein Sigma Zeichen, der 18. Buchstabe des griechischen Alphabet. Tatsächlich handelt es sich um den Krater Tobias Mayer A, der hart am Terminator stand. Weiteres fielen ihm zwei Augen auf im Südwestlichen Viertel des Mare Imbrium. Hierbei handelte es sich um Mons La Hire und einer benachbarten Erhebung, die wie zwei Stielaugen aus dem Meeresgrund hochschauten.
Ich machte, nachdem Willi mein Teleskop frei gegeben hatte, auch einen etwas längeren Spaziergang entlang des Terminators. Davon hab ich auch eine Zeichnung gemacht. Ihr findet sie unten! Es zeigt den Terminator von Euler im Norden bis zum Montes Riphaeus im Süden und geht nach Westen bis in die Region von Kopernikus und Eratosthenes. Der Terminator verlief zwischen dem 28. und 30. westlichen Längengrad.
Ich schwenkte schließlich rauf auf Mars, der etwas nordöstlich des Mond zu finden war. Er zeigte sich nur noch zu ca. 90 Prozent beleuchtet und nicht gerade mehr von seiner Schokoladenseite. Da er sich fast so schnell dreht wie unsere Erde, zeigte er mir fast das gleiche Gesicht wie bei meiner letzten Beobachtung, nur war er da noch etwas runder. Die Polkappe war noch zu erkennen und ein paar dunkle Gebiete, nur nicht mehr so gut wie vor 1 ½ Monaten.
Saturn war das nächste Ziel. Dank des guten Seeing konnte ich selbst bei mir die Cassiniteilung erkennen. Das Seeing bekommt diesmal eine 1 minus, es war fast windstill und es kühlte von anfangs ein paar Graden über der 20 Gradgrenze auf 18 Grad ab. Auf die Grenzgröße hab ich wegen des Mondes nicht geachtet.
Saturn zeigte sich wirklich von seiner besten Seite. Bei Kurt waren sogar, neben Titan links, auch Rhea, rechts und Japetus links unter dem Ringplaneten zu erkennen!
Die meiste Zeit des Abends haben wir eigentlich geplaudert und geblödelt, was sonst. Da hätten wir fast noch den zweiten Überflug der ISS verpasst. Nach meinen Angaben sollte sie von West durch den Zenit nach Ost fliegen. Nach den Angaben von Roman von Westen über den Nordhimmel nach Ostnordost! Romans Prognose war richtig, ich hatte sie mir falsch aufgezeichnet! Wir beobachteten sie, bis sie hinter den Bäumen verschwand.
Den Rest des Abend widmete ich dem Kugelhaufen M 13 im Herkules, dem Ringnebel in der Leier und dem Vierfachsystem Epsilon Lyra. Die ersten beiden kamen etwas blas rüber, Epsilon Lyra ließ sich aber herrlich trennen.
Zehn Minuten vor Mitternacht beendeten wir unsre Beobachtung, packten zusammen und fuhren nach Hause.

Kurt beobachtete mit seinem Apo 152:1200

Roman mit seinem Triplet Apo 115:800

Gerald hatte wieder mal sein Speki, 80:460 im Einsatz

und ich an allen drei Tagen meinen Fh 102:1000

Willy hat, meist bei mir, aber auch bei den anderen mitgespechtelt


8. Juni

Als ich am Vortag nach Hause kam, ließ ich das Teleskop im Vorraum stehen. Ich hab gegrillt und saß den ganzen Nachmittag auf der Terrasse, machte die Zeichnung des Mondes, so wie ich ihn in der Nacht zuvor gesehen hatte. Ich rauchte währenddessen genüsslich eine Zigarre und trank eine gute Flasche Rotwein.
Meine Frau hatte am nächsten Tag Frühschicht und da die Nacht lau war, stellte ich mein Teleskop auf die Terrasse, anstatt mich vor die Klotze zu setzen. Ich hab keine Ahnung mehr, was ich bis zum Beginn der Beobachtung gemacht habe, aber vermutlich ein wenig gesurft, gelesen und die Dämmerung genossen.
Der Mond war der erste, als ich mein Teleskop kurz vor halb 11 in den Himmel richtete. Eigentlich hätte, laut Geralds Unterlagen, der goldene Henkel erst am Dienstag oder Mittwoch sein sollen, um 11 Uhr Nachts. Tatsächlich hat mich Kurt schon am Nachmittag angerufen, und mir mitgeteilt, daß man ihn gerade sieht. Bei Tageslicht war er mir aber zu wenig reizvoll.
Als mir unser treuer Begleiter sein Licht in meinen Tubus fallen ließ, war das Sinus Iridum bereits voll erleuchtet und der Terminator verlief ein paar Grad westlicher als am Vortag. Mars zeigte auch das gleiche Gesicht und lugte mich nur noch von der Ferne an. Einzig Saturn zeigte eine Veränderung, oder zumindest die Stellung seiner Monde und das ist übertrieben, denn erkennen konnte ich nur Titan, rechts unterhalb des Ringplaneten.
Die nächsten Kandidaten waren die drei, die ich schon am Vortag im Visier hatte. M13 und M57 waren genau so blas, nur Epsilon Lyra zeigte sich um eine Spur besser.
Ich holte mir gleich mal Arkturus im Bootes ins Okular um festzustellen, wie das Seeing ist. Das war an diesem Tag noch etwas besser als die Nacht davor. Die Beugungsringe waren kaum ausgefranst. Dabei wehte kaum Wind und es hatte angenehme 19 Grad. Auf die Grenzgröße hab ich diesmal wegen des hellen Monds aber wieder nicht geachtet!
Bevor ich, nach nicht mal einer Stunde, die Beobachtung wieder beendete, holte ich mir meinen Lieblingsdoppelstern, 61 Cygni im Schwan, sowie den Hantelnebel und Cr 399, den Kleiderbügel, beide im Füchschen vom Himmel. Die Hantel kam genauso blas rüber wie der Ring in der Leier und der Kugelhaufen im Herkules. Die beiden Sterne von 61 Cygni waren wie zwei Stecknadelköpfe und der Kleiderbügel kam im Gesamtanblick mit dem 38mm Okular noch viel schöner rüber als in jeder Detailansicht.
Diesmal ließ ich mein Teleskop auf der Terrasse stehen, um am nächsten Tag wieder mal die Sonne zu betrachten.


Die Sonne am 9. Juni

Nach dem Mittagessen richtete ich mein Teleskop wieder mal, nach längerer Zeit, auf unser Tagesgestirn aus. Die Bilder der Kranzelhöhe zeigten mir ein Abbild der Sonne, das es wert war, es näher zu betrachten! Obwohl sich die meisten Flecken in der westlichen Hemisphäre tummelten, war am ganzen Glutball etwas zu entdecken!
Nördlich des Äquators zeigten sich zwei größere Flecken, die einen fast wie Augen anstarrten. Südlich waren zwei größere Gruppen zu sehen, knapp untereinander, etwas südöstlich versetzt. Die untere, größere Gruppe erinnerte mich an einen Mantarochen, mit seinem riesigen, breiten, flügelartigen Flossen und seinem langen stacheligen Schwanz. Westlich dieser Gruppen konnte ich noch zwei kleine Flecken erkennen.
Eigentlich wollte ich eine Zeichnung der Szenerie machen, aber es kam mir zu schwierig vor, das alles mit dem Bleistift einzufangen. Deswegen hab ich zur Kamera oder besser gesagt zum Handy gegriffen und das Foto unten gemacht. Es ist zwar nichts besonderes, aber es zeigt die Sonne so, wie ich sie gesehn habe.
Nach etwas mehr als einer Stunde packte ich zusammen und widmet mich einer guten Flasche Rotwein, einer Zigarre, einem Buch und dem Rest des wunderbar, sonnigen Tages.
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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Alrukaba » 29.06.2014, 13:31

Da ich zur Zeit leider keine Bilder auf unsre Hp hochladen kann, folgen eine Zeichnung des Mondes und ein Bild der Sonne, sobald dies wieder funktioniert!
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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Alrukaba » 29.06.2014, 14:02

Hier die zwei Bilder, welche ich dank Facebook, auch so hier zeigen kann!

Beim Mond ist Norden oben und Westen rechts, beim Bild der Sonne hab ich es angezeichnet!


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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von mav3rik » 02.07.2014, 21:53

Sehr schade dass ich keine Zeit hatte, klingt toll dein Bericht :)

LG

Julian
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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von darthvader » 03.07.2014, 11:48

Servus Alex,

ich komme aus beruflichen Gründen erst heute dazu Deinen Bericht zu lesen :oops: , und ich habe nicht damit gerechnet, dass jemand bei dieser Wetterlage zum Spechteln kommt :wink:

Schöner und informativer Bericht :)
LG und CS Andreas
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Omegon SWA 2´´ 38, 32, 26 mm
Omegon SWA 20+15 mm
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Antares Speers Waler 5-8 mm
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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Welser2011 » 03.07.2014, 17:43

Super!! War wie immer ein genuss deinen Bericht zu lesen.


MfG.

Nedim
Man kann es so oder so machen. Ich bin für so.

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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Alrukaba » 03.07.2014, 20:48

Ja Julian, da hast du etwas verpasst! Aber morgen sind wir auf der Alm, wenn allles passt!

@Andreas, die Beobachtung war vor fast vier Wochen und der Bericht ist erst seit Sonntag im Net!

Danke Nedim und euch beiden auch!

Alex
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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von mav3rik » 03.07.2014, 23:23

morgen gehts mir leider nicht aus, muss am samstag früh raus zu einer hochzeit :(
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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Josef » 04.07.2014, 00:00

Hey Alex,

das ist ja mal wieder ein feiner und detailreicher Bericht, mit der Zeichnung und dem Sonnenfoto auch
noch vorzüglich aufgepeppt! Danke für´s einstellen!

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Re: Beobachtungsberichte vom 7. bis 9. Juni 2014

Beitrag von Alrukaba » 04.07.2014, 20:34

Danke Sepp, man bemüht sich!

Ihr beiden! Vielleicht passt es ja morgen mit beobachten!

Alex
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