Anfängerfrage(n)

Was Du schon immer wissen wolltest, aber bisher nicht zu fragen wagtest...
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math82
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Anfängerfrage(n)

Beitrag von math82 » 19.04.2011, 00:29

Guten Abend!

Erstmal vorweg habe so gut wie keine Erfahrung aber lese mich schon Monatelang immer wieder ein bisschen in das Thema Astronomie hinein.

Meine Familie hat das halt mitbekommen und mir dann zu Weihnachten ein Teleskop geschenkt.

Das wäre dieses hier:

http://www.optical-systems.com/skywatch ... 12796.html


Nun hätte ich erstens zum Teleskop ein paar fragen:

Ich habe gelesen das es für Einsteiger wohl nicht so geeignet ist aber nun hab ich ja keine andere Wahl :) (vorerst) Wenn ich mal Blut geleckt habe und es bisschen hinbekomme das ich damit was sehe stehen weitern Investitionen nichts im Wege.

Das Teleskop hat 114/1000 Angaben.
Okay 114mm ist mir klar ist der Durchmesser der Öffnung wenn ich richtig liege.
1000mm ist die Brennweite nur wie wirkt die sich aus? zb zu einem 900mm welche groben Unterschiede bestehen da?

Weiters ist es anscheinend eine so genannte "Shorttube"
Welche Vor/Nachteile hat die gegenüber "längeren" Tubes?
Das sie besser transportiert werden kann ist mir als Vorteil klar :)

Dann habe ich 2 Okulare dabei 10mm 25mm und eine Barlow Linse.
Alles aus Plastik kommt mir nicht sehr Hochwertig vor die Linse selber scheint aber aus Glas zu sein.
Gibt es evtl. gute, günstige Alternativen?

Was kann ich mit diesem Teleskop alles sehen? Also Planeten, Deepsky ect.

Das wären mal ein paar fragen zum Teleskop selber.


So nun hab ich das ganze mal auf eigene Faust mehrmals ausprobiert.
Die beiliegende Beschreibung ist nur auf Englisch und sehr unverständlich.
Irgendwas von Polarstern ausrichten usw. Hab ich bis dato noch nie gemacht bzw versucht weil ichs nicht wirklich verstehe.

Was allerdings ganz gut funktioniert hat war das einstellen des Red Dot Suchers mit dem ich dann zb einzelne Sterne wirklich ziemlich Punktgenau anvisieren konnte und dann auch im Okular sehen kann.

Hab es bisher nur aus der Wohnung heraus getestet bei offenem Fenster und was mir auffiel als ich zb. "Wega" anvisiert habe ist das es mit dem 25mm Okular eigentlich so aussieht als schau ich ohne Teleskop auf den Stern also kaum eine vergrößerung. Ist das normal? Wie gesagt bin Laie auf dem Gebiet also lacht mich nicht aus :) mit dem 10mm Okular war es ein wenig größer dafür hab ich es kaum scharf bekommen. Und die Barlow Linse? Damit krieg ich mal garnix scharf gestellt :)

Den Mond habe ich auch schon beobachtet nur kommt es mir auch vor als das die Okulare einfach Mist sind irgendwie hab ich mehr vergrößerung erwartet wenn man sich so im Internet Bilder anschaut.
Auf alle fälle brauch ich nen Mondfilter weil die Augen schon schmerzen nach ein paar Minuten :)

Ist es möglich mit dem Teleskop auch Saturn/Jupiter ect. zu sehen oder Deepsky Objekte wie Nebel oder Sternenhaufen? Hatte leider noch nicht gelegenheit es gut zu testen da ich damit mal raus aus der Wohnung müsste.

Stellarium hab ich schon installiert ist auch ein sehr feines Tool.
So hab ich Saturn zum ersten mal bewusst gesehen wenn auch "noch" ohne Teleskop :)


Was würdet ihr mir Raten in punkto Teleskop?
Passt es so für den Anfang und der "Fehler" sieht nur hinein :)
Oder würden andere Okulare bessere Ergebnisse bringen und wenn ja welche?
Oder gleich auf den Mist bringen und was anderes besorgen?


Die montierung ist halt leider auch nicht gerade gut.
Es wackelt alles ziemlich und man kann eig. nicht wirklich gut alles einstellen was der Red dot Sucher aber ein bisschen ausgleicht da der wirklich gut funktioniert.

Ich hoffe ich fragte nicht zuviel und auf zahlreiche hilfreiche Antworten :)

Mfg Math

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markusblauensteiner
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Beitrag von markusblauensteiner » 19.04.2011, 09:47

Hallo Math,

also:

wenn dein Teleskop ein sog. Shorttube ist, dann bedeutet das folgendes:
die Brennweite ist immer die Brennweite des Hauptspiegels, und normalerweise ist ein Newton-Teleskop annäherd so lang, wie die Brennweite des Speigels ist. Ist der Tubus nun wesentlich kürzer, wurde vom Hersteller ein Trick angewand, nämlich in de Okuklarauszug bereits eine Linse einzubauen, die die Brennweite in die Höhe treibt. Jede optische Komponente mehr im Strahlengang bringt aber Fehler mit sich, daher ist diese Lösung nicht so toll.

Eine längere Brennweite bei gleicher Öffnung bringt mehr Auflösung, bei kleiner werdendem Gesichtsfeld. Welche Brennweite optimal ist, hängt also von den Vorlieben ab. Es gibt Leute, die beobachten gerne große Sternfelder in der Milchstraße, interessieren sich aber nicht für kleinste Details der Mondoberfläche, die werden so um die 500 mm Brennweite verwenden, und es gibt Mondbeobachter, die arbeiten mit 6 Metern Brennweite und mehr. Zwischen 1000 und 900 mm wirst aber net viel Unterschied erkennen.

Auch die Vergrößerung errechnet sich mit der Brennweite, nämlich Brennweite Teleskop durch Brennweite Okluar, also bei dir z.B. 1000mm/10mm = 100 fache Vergrößerung.
Mit einer anderen Brennweite ergibt sich bei gleichen Okularen also auch eine andere Vergrößerung.

Wie du schon bemerkt hast, ist beobachten aus dem Fenster nicht grad ideal, besonders bei hohen Vergrößerungen wird es dann immer schwerer, scharf zu stellen. Das nennt man dann Seeing, grob gesagt. Deshalb funktioniert das dann mit der Barlow auch nicht so gut bei dir.

Details wie auf den Mondbildern wirst NICHT sehen, ich z.B. mache meine Mondbilder, wenns die Luft zulässt, mit bis zu 9 Metern Brennweite und spezieller Technik, da kann dein teleskop leider nicht mithalten. Struktur auf der Oberfläche, zahllose Krater usw. sollten aber gehen.

Helle Sternhaufen sollten auch gehen, für schwache Nebel fehlt aber die Öffnung.

Andere Okulare verbessern das ganze vielleicht ein wenig, werden aber keinen Ferrari aus dem Gerät machen.

Fazit: für den Anfang reichts vielleicht, lange glücklich wirds nicht machen, je nach Standort und Zielen glaub ich steht bald was neues ins Haus.... :D

LG, Markus
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Beitrag von Alrukaba » 19.04.2011, 10:16

Servus Math!

Willkommen im Club!

Ich habe 20 Jahre mit einem Newton dieser Bauart beobachtet und damit den Himmel kennengelernt. Ich hatte zwar nur 1" Okulare aber ich hab später Objekte damit beobachtet, von denen ich als Anfänger nur geträumt habe. Mit Erfahrung dringt man auch mit dem kleinsten Gerät immer tiefer ins All vor und testet bald seine Grenzen.
Beobachten hat damals schon Spaß gemacht aber so richtig Spaß macht es erst mit meinem Frauenhofer 102:1000 und 2" Okularen.

Ich würde dir raten, erst mal raus aus der Wohnung, einen Dunklen Ort suchen, da können sicher Kollegen aus Wien helfen, und sich langsam an immer schwächere Objekte herantasten. Und Sterne siehst du selbst im größten Amateurgerät nur Punktförmig, da müßtest du dir das Hubbel zulegen :wink:

Alex
http://www.astrostation.at

Der größte Irrtum der Menschheit ist der Glaube intelligent zu sein.

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Beitrag von AstroPegasus » 19.04.2011, 12:04

Hallo Math!

Wenn alles klappt wird es ein STERNDLSCHAUN zum nächsten Neumond in Auersthal geben.
Wenn du zeit hast kannst du gerne vorbei kommen und wir beraten dich gerne. Nimm auch dein Teleskop mit!

Schau nur hier ins Forum unter Zeitraum Treffpunkt

Günther

http://www.astronomieforum.at/viewtopic.php?t=2320
http://www.astropegasus.at/

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Beitrag von math82 » 19.04.2011, 18:47

Wow erstmal danke für die tollen Antworten, Ratschläge und Einladungen :)

@Markus

Hab jetzt mein Teleskop untersucht und ja stimmt im Okularauszug ist eine Linse drinnen. Welche Fehler genau können da jetzt mehr entstehen gegenüber normalen Längen?

Dann noch ne frage zu den Okularen:
Wenn ich jetzt 100 fache Vergößerung schaffe mit dem 10 mm Okular und dann die Barlow Linse mit 2x einsetze schafft das Gerät also die 200 fache Vergrößerung? Laut Herstellerangaben steht Sinnvolle Vergrößerung 228X. Wie kann ich die erreichen mit den Standart Okularen? Ich nehme mal an garnicht :)

Wäre es zb. besser ein 5mm Okular statt dem 10mm mit Barlow zu nehmen?
Wären ja rein rechnerisch der selbe Effekt.
Gibt es evtl. Tipps welche Okulare für den Anfang sinnvoll wären für dieses Gerät?
Mir ist lieber ich investiere ein bisschen was und hab mehr davon und die 31mm Okulare kann man ja auch weiterverwenden.

@Alex
Danke für deinen Erfahrungsbericht das gibt wieder neuen Mut.
Und ja so ein Privat Hubble wär schon was. :)

@Günther Danke für die Einladung mal schaun was sich machen lässt mit Schichtdienst leider nicht immer so leicht :)

Mfg Math

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Beitrag von markusblauensteiner » 19.04.2011, 22:09

Hallo Math,

naja, dein telskop kostet so viel eine gute Barlow alleine --also ist die, die da bei dir drinsteckt, keine gute, vermutlich. Und jede Glasfläche im Strahlengang verschlechtert das Bild, besonders wenns keine gute Qualität ist.
das mit der Vergrößerung hast verstanden. Und zum Okular für die Maximalvergrößerung - Rechenweg umdrehen: 1000mm / 228 = und die nächstgelegene HÖHERE Okularbrennweite passt dann.
Bessre ist das 5mm Okular - mit der selben Begründung wie eingangs.

LG, Markus
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Beitrag von math82 » 20.04.2011, 18:40

So melde mich mal wieder mit nem kleinen Bericht!

Gestern Abend, Wien und klarer Himmel :)
Lichtverschmutzung natürlich enorm aber ich habs trotzdem so um 21:30 gewagt.

Per Stellarium mal am Himmel orientiert und siehe da "Saturn" war aus dem Fenster in Reichweite.

Red Dot Sucher war mal wieder 100% genau und schon hab ich nen Kreis mit scheinbarem Ring im Okular (25mm Wide Angle) gehabt.
Wow das erste mal Saturn als nicht "Punkt" gesehen :)
Dann versucht die 25mm mit der Barlow aber war nur halbwegs scharf zu kriegen.
Die 10mm hats dann ein wenig besser geschafft aber mir kommt vor das der Unterschied zwischen den der 40 fachen und 100 fachen Vergösserung nicht wirklich da ist.
Zumindest hab ich nicht mehr erkennen können als eben ne winzige weiße Kugel und den "Ring". Wenn ich nicht wissen würde das es Saturn ist wäre es als Ring wohl nicht identifizierbar gewesen :)
10 mm mit Barlow war keine Chance scharf zu stellen.
Hab dann die Freundin gerufen und sie reinkucken lassen und sie hat ihn erkannt also wars wohl doch nicht soooo schlecht bzw klein.

Wie gut seht ihr so Saturn mit euren vermutlich High End Teleskopen.
Der Anfang war schonmal nicht schlecht aber irgendwie will man doch "mehr" :)

Schade, dachte ich seh zumindest ein bisschen Farbe aber dazu ist die Öffnung wohl zu klein.

Über Ostern bin ich am Land 600m Seehöhe und wesentlich weniger Lichtverschmutzung mal kucken ob ich da mehr hineinbekomme wenn das Wetter mitspielt.

Dann anschliessend noch bisschen den Mond beobachtet aber da bekomm ich nach paar Minuten Augenkrebs :) Muss mir unbedingt nen Filter holen dafür bekomme ich den Mond echt gestochen Scharf mit allen Vergösserungen rein und er ist auch Wunderschön.

Mfg Math

edit: Habe mal im Google gesucht unter Bilder und so in etwa hab ich ihn reinbekommen:

http://www.google.at/imgres?imgurl=http ... =130&ty=43

Nur Schneeweiß und noch nen Tick kleiner und es waren auch keine Abstände zwischen Saturn und den Ringen zu erkennen.

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Daniel_Guetl
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Beitrag von Daniel_Guetl » 21.04.2011, 10:11

Hallo Math,

ein katadioptischer Newton wird nie das potential zeigen, dass du normalerweise mit einem 114mm Teleskop sehen müsstest. Diese Dinger sind leider von der Qualität unter dem Ladentisch.

Früher oder später wirst wohl dir ein "richtiges" teleskop kaufen.

weil du gefragt hast:

Das entspricht ungefähr (nur halt in Farbe) dem Anblick bei einem guten 4" Teleskop bei 200x Vergrößerung wenn die Luft einigermaßen ruhig ist und wenn du einen Meter vom Bildschirm wegstehst.

Bild

Viele Grüße

Daniel
Bild

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Beitrag von Alrukaba » 21.04.2011, 11:14

Servus Math!

Ich hab, wie schon erwähnt, nur einen 102:1000 Frauenhofer Refraktor aber bei gutem Seeing und dunklem Himmel seh ich bis zu 5 Monde, die Cassini Teilung, ein paar Wolkenbänder und den Schatten des Planeten auf den Ringen.
Das Teleskop hat vor 8 Jahren nicht ganz 500 Euro gekostet und die Okulare, Zenitspigel und andere Sachen kosteten in laufe der Jahre auch noch ein paar Hunderter. Und wenn ich mir mal ein neues Gerät anschaffen sollte, wird es auch nicht viel größer sein, weil ich einfach damit zufrieden bin, was ich damit sehe.
In den letzten Jahren such ich die Grenzen meines Fh und bei den Galaxien liegt sie bei 11 - 12 mag.
Natürlich kann es Jahre dauern, bis du die Erfahrung hast, solch "schwache" Objekte aufzuspüren. Bei mir waren es ca. 20 aber ich hab in den 20 Jahren nie nach den Grenzen gesucht. Aber was ich dir damit sagen will, man braucht kein teures Hightech Gerät um mit dem Hobby Spaß zu haben.
Zum Glück gibt es bei unseren Verein Kollegen, durch dessen Geräte ich noch tiefer ins All blicken kann aber die findest du in Wien sicher auch

Alex
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Der größte Irrtum der Menschheit ist der Glaube intelligent zu sein.

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