Ortsfindung für die Gartensternwarte

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Purkerdorfer
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Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Purkerdorfer »

Liebe AstrofotografInnen!

Meine Frage geht an all jene, die eine Garten- oder Terrassensternwarte betreiben:

Wie habt ihr einen geeigneten Ort gefunden, um die Astrofotografie auszuüben?

Habt ihr bewusst nach einem Ort gesucht, wo die Lichtverschmutzung erträglich ist und die Straßenbeleuchtung nicht ins Handwerk pfuscht? Auf meiner Suche nach einem geeigneten Ort habe ich in der letzten Zeit einige SQM-Messungen durchgeführt. Das Ergebnis ist sehr ernüchternd - denn selbst Orte, die geografisch begünstigt wären, ruinieren durch schlechtes Lichtmanagement die Bedingungen. Während die Abschirmung der Straßenbeleuchtung durch üppigen Bewuchs überraschend positive Ergebnisse mit sich führt.

Oder nehmt ihr die Bedingungen, die ihr an eurem Wohnort vorfindet, einfach hin und nehmt deshalb Lichtverschmutzungsfilter zur Hilfe, um trotzdem einigermaßen passabel die Astrofotografie ausüben zu können?

LG und CS, Gerhard
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Niko
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Niko »

Hallo Gerhard,

Ich bin auch in der Planungsphase einer Gartensternwarte, jedoch bei mir zuhause.
An meinem Standort ausserhalb von Gloggnitz hat der Himmel Bortle 4 auf 447m Seehöhe.
Es wurden in den besten Nächten 21,5 und in den schlechtesten Nächten 20,5 SQM gemessen.
Das nehme ich so hin und da ich zuhause eh mit längeren Brennweiten arbeiten will, ist das für mich OK.
Für Widefields fahre ich sowieso zu dünkleren Locations.
Zu meinem Glück sind die nach unten leuchtenden Strassenlaternen nur 5m hoch und von meinem Haus verdeckt.
Mit den Nachbarn hab ich mich abgesprochen, wann ich Belichten will, damit auch das Licht vom Nachbar nicht stört.
Hier noch ein Beispiel von meinem Garten aus ohne Sternwarte belichtet:
Bild

LG und CS
Niko
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RiedlRud
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von RiedlRud »

Hallo Gerhard!

Ich habe das Glück in der Südsteiermark zu wohnen, wo es noch einen relatif guten Himmel gibt. Meine Warte steht quasi neben dem Haus (30m weg). Ich hatte die Möglichkeit diese auch 100 m höher bei einer befreundeten Familie aufzustellen, aber das wäre 500 m weg gewesen. Der Vorteil fast uneingeschränkte Sicht in alle Richtungen. So habe ich den Hügel im Osten (15Grad) und auch nach Süden ein paar Einschränkungen. Im Westen steht mein eigenes Haus sodass ich Merkur nie sehen werde.
Wenn ich aber daran denke wie oft ich schon am Abend ins Haus gegangen bin, weil ich was vergessen habe, etwas nachgeschaut habe oder mich auch nur aufgewärmt im Winter, dann bin ich über die 30 m mehr als froh.
Jeder Standort ist daher ein Kompromiss zwischen Erreichbarkeit, Sichtbarkeit und Lichtverschmutzung.
Ich habe in guten Tagen SQM von 21,5, 21,0 ist schon schlecht. Ich habe nur eine einzige Strassenlaterne und die ist 200 m entfernt (steht bei dem weissen Haus im Hintergrund), also schön dunkel.
Das Foto zeigt die Lage der Hütte. Der Hügel von wo ich das Foto gemacht habe wäre besser, aber immer rauf und runter!!

Bild

CS Rudi
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Sternfreund
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Sternfreund »

Hoi,

ich weiß ja nicht wie deine sonstigen Lebenbedinungen so sind (Kinder, eine auf Astrofotografie eifersüchtige Ehefrau :twisted: , Arbeit...).

Jeglicher dunkle Himmel hilft dir garnichts wenn du vor lauter Anfahrtsweg/zeit selten dazu kommst deine Sternwarte zu nutzen.
Ich fotografier von Himberg bei Schwechat aus, in meinem Garten. SCS mit Industrie im Westen, Wien im Norden, Flughafen östlich, Ein einstöckiges Haus im Süden ca. 15m entfernt von meiner Sternwarte. In sehr sehr guten Nächten kann ich die Milchstraße erahnen...

Und trotzdem gelingen mir ganz gute Bilder.
https://www.astrobin.com/users/Sternfreund/

Das wichtigste ist, dass ich jederzeit rausgehen kann und einschalten bzw. dann schlafen gehen kann. Trotz Kinder, trotz Frau, trotz Arbeit...

Liebe Grüsse
Arno
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TONI_B
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von TONI_B »

Ich hätte auch gerne SQM-Werte von 21,5...
...aber dafür müsste ich zig km fahren (durch Wien auch noch).

Daher steht meine Sternwarte im Garten, wo ich bestenfalls 20,3 erreiche und meist knapp unter 20,0 bin. Dafür habe ich nur 20m vom Haus zur Warte und kann mich zwischen den Belichtungen ins Bett legen. :mrgreen:
lG
TONI


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Purkerdorfer
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Purkerdorfer »

Keine Frage, hohe SQM-Werte sind nicht das einzige Kriterium: die Pendeldistanz sollte sich in Grenzen halten, die Familie sollte auch nicht zu kurz kommen und auf eine gute Infrastruktur will man auch nicht völlig verzichten.

CS, Gerhard
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christian_R
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von christian_R »

Hallo Zusammen,

nachdem mir die Schlepperei langsam auf die Nerven ging habe ich letztes Jahr einen Platz für eine Sternwarte gesucht.
Ich bin im Waldviertel in der Nähe von Horn fündig geworden, es ist ein kleiner relativ finsterer Ort, das Grundstück ist gepachtet, die Unterkunft
ein 30m² Mobilheim mit Wasser und Strom, im Winter nur Strom. Für Kurzurlaube und vor allem für das Hobby reicht das völlig.

Ich habe dann eine 2.2x2.2m Holzhütte gekauft und die zur Sternwarte umgebaut. Seitdem fahre ich bei fast jeder Gelegenheit = Schönwetter
raus um Bilder zu machen oder auch um auszuspannen. Der Ort ist zwar beleuchtet aber alle Lampen sind unterhalb meiner Sternwarte und stören kaum, SQM liegt bei 20.5 und darüber. Das einzige Problem ist das Richtung Norden Bäume stehen und ich da in der Sicht etwas eingeschränkt bin.

LG
Christian
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Sternfreund »

christian_R hat geschrieben: 09.09.2021, 17:39 Hallo Zusammen,

nachdem mir die Schlepperei langsam auf die Nerven ging habe ich letztes Jahr einen Platz für eine Sternwarte gesucht.
Ich bin im Waldviertel in der Nähe von Horn fündig geworden, es ist ein kleiner relativ finsterer Ort, das Grundstück ist gepachtet, die Unterkunft
ein 30m² Mobilheim mit Wasser und Strom, im Winter nur Strom. Für Kurzurlaube und vor allem für das Hobby reicht das völlig.

Ich habe dann eine 2.2x2.2m Holzhütte gekauft und die zur Sternwarte umgebaut. Seitdem fahre ich bei fast jeder Gelegenheit = Schönwetter
raus um Bilder zu machen oder auch um auszuspannen. Der Ort ist zwar beleuchtet aber alle Lampen sind unterhalb meiner Sternwarte und stören kaum, SQM liegt bei 20.5 und darüber. Das einzige Problem ist das Richtung Norden Bäume stehen und ich da in der Sicht etwas eingeschränkt bin.

LG
Christian

Wo findet man so einen Pachtgrund im Waldviertel?! :mrgreen:

Liebe Grüsse
Arno
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Purkerdorfer
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Purkerdorfer »

Die Schwierigkeiten, einen Ort zu finden, der auch für die sonstigen Lebensumstände passabel ist, spricht für den Betrieb einer Remote-Sternwarte.

LG + CS, Gerhard
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Sternfreund »

Purkerdorfer hat geschrieben: 16.09.2021, 12:53 Die Schwierigkeiten, einen Ort zu finden, der auch für die sonstigen Lebensumstände passabel ist, spricht für den Betrieb einer Remote-Sternwarte.

LG + CS, Gerhard
klar ist es angenehm und einfach (vor allem wenn man sich irgendwo einmietet).
Allerdings geht damit für mich sämtliches (Astro-)Gefühl verloren.

Weiter Nachteile:
Sehr teuer in der Anschaffung.
Man braucht jemand der IMMER dann da ist wenn was klemmt bei der Technik (Dach schließen usw...).

Für mich wärs nix...

Liebe Grüsse
Arno
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Purkerdorfer
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Re: Ortsfindung für die Gartensternwarte

Beitrag von Purkerdorfer »

Für das Astrogefühl bleibt ja noch immer die DSLR am Star Adventurer und die Planetenbeobachtung von der Terrasse.

Ganz billig ist das Vergnügen natürlich nicht - aber billig ist unser aller Hobby praktisch nie :lol:

LG Gerhard
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