RC Justieren

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Alkyone
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RC Justieren

Beitrag von Alkyone » 17.12.2016, 17:54

Justieren eines RC der Firma GSO

Ich besitze zwei GSO-RC, und zwar ein Gerät mit 6” für meine Feriensternwarte und ein Gerät mit 8” für daheim. Um diese Teleskope, vor allem fotografisch, sinnvoll zu nutzen, ist es natürlich erforderlich, dass die Geräte sauber justiert sind. Dazu einige prinzipielle Bemerkungen: Hier werden meine Erfahrungen mit RC´s von GSO beschrieben. Soweit sich die Arbeitsschritte auf andere Fabrikate bzw. Konstruktionen anwenden lassen, kann ich nicht garantieren.
Abkürzungen: Hauptspiegel HS, Fangspiegel FS, Okularauszug OAZ.

Bei RC´s der Firma GSO sind zwei Dinge zu beachten: Zum Erreichen des Brennpunktes zwecks Fotografie benötigt man Zwischenringe mit ca. 75 – 100mm. Weiters gibt es einen ca. 15mm starken Justierring, mit dem man den OAZ kippen kann. Wenn man einen Zwischenring mit 25mm und einen mit 50mm verwendet, wird der Justierring dazwischen montiert, sodass die Justierschrauben der HS-Zelle zugänglich bleiben und man eine Gesamtlänge von ca. 90mm erreicht. Wenn der HS exakt rechtwinkelig in seiner Zelle sitzt, braucht man diesen Justierring nicht, andernfalls schon. (Ich brauche diesen Ring bei meinem 6“ GSO, bei meinem 8“ GSO nicht). Weiters ist davon auszugehen, dass bei einem industriell hergestellten Gerät die rechten Winkel (z.B. der Tubusenden) und der Mittelpunkt der Spinne mit hinreichender Genauigkeit eingehalten wurden.

Vor dem Justieren habe ich im Internet die verschiedensten Vorschläge gelesen und diese auch ausprobiert, allerdings mit wenig Erfolg. So ist z.B. zu lesen, dass man einen Laser genau auf die Mitte des Fangspiegels ausrichten soll; aber wie sehe ich die Mitte bei einem geschlossenen Tubus mit ordentlichen Blendrohren? Eben!
Die Aufgabe besteht darin, HS, FS und OAZ auf die gemeinsame optisch Achse zu bringen. Das sind drei Freiheiten, aber wo ist ein Fixpunkt, von dem man ausgehen kann? Ich habe mir daher überlegt, die beiden Endpunkte, also HS und OAZ unabhängig von einander zu justieren und dann den FS dazwischen auszurichten.

Folgende Einzelschritte sind dazu nötig:
1) Rollmethode zur Ausrichtung des HS
2) Zentrieren des OAZ
3) Ausrichtung des FS mittels Cheshire-Justierung
4) Endjustage des HS nach Mr. James McHugh (http://deepspaceplace.com/gso8rccollimate.php)

Folgende Vorgehensweise führte (bei mir) zum Erfolg:
1) Rollmethode. Man bastelt sich eine stabile Vorrichtung, in der man den Tubus sauber drehen kann (z.B. ein Brett mit zwei parallelen Leisten). Dann baut man den FS samt Spider und Frontring aus (6 Schrauben). Dies erleichert die Einstellung des Lasers und ist für Pkt. 2 ohnedies erforderlich. Nun kann man mit einem Laser schräg auf den Hauptspiegel leuchten – den Reflex sollte man an eine Stelle legen, die etwas weiter entfernt und gut beobachtbar ist. Wenn man jetzt den Tubus dreht, so wandert (meistens) der Reflex im Kreis, wenn der HS nicht exakt orthogonal in seiner Zelle sitzt. Jetzt justiert man die HS-Zelle so lange, bis der Reflex (praktisch) keine Bewegung zeigt. Damit erreicht man, dass der HS mit hinreichender Genauigkeit rechtwinkelig zum Tubus steht und damit die optische Achse definiert.
2) Zentrieren des OAZ. Nach dem Justieren des HS ist die HS-Zelle meistens nicht mehr orthogonal zum Tubus, und damit auch der OAZ. Jetzt schneidet man aus einem Karton eine Scheibe, die genau in die jetzt freiliegende Öffnung am vorderen Tubusende passt, macht im exakten Mittelpunkt in kleines Loch mit ca. 1mm Durchmesser, klebt ein kleines Stückchen Tesafilm darüber und befestigt das Ganze vorne am Tubus. Jetzt setzt man den Laser in den OAZ und justiert diesen so, dass der Strahl genau durch das kleine Loch in der Mitte durchgeht. Durch den Tesastreifen sieht man den Durchstosspunkt deutlich. Damit haben wir zwei Fixpunkte erreicht: Der HS sitzt (praktisch) rechtwinkelig im Tubus, und der OAZ ist exakt parallel zum Tubus.
3) Ausrichtung FS mit dem Cheshire-Justierokular. Dies geschieht in der herkömmlichen Justiertechnik mittels zentrischen Spiegelungen am FS, wobei zu beachten ist, dass die Mittenmarkierung nicht unbedingt exakt sein muss; wichtig ist die konzentrische Spiegelung des Einblicks und vom HS-Rand.
Theoretisch sind jetzt alle drei Komponenten zueinander justiert. Sollte man einen Justierlaser von Howie Glatter mit der Scheibe für die konzentrischen Ringe besitzen, so kann man die Spiegelung der Ringe am HS und die Reflexion der Ringe an einer Wand überprüfen, ob sie zentrisch sind und dies auch beim Bewegen des OAZ bleiben.
4) Endjustage des HS am Stern. Dies geschieht am Besten mit einem Fotoapparat mit Liveview am PC. Zuerst stellt man (mit Bahtinov-Maske) einen hellen Stern in der Mitte scharf und macht eine kurze Aufnahme mit hoher ASA-Zahl, um keine Nachführfehler zu erhalten. Dann kontrolliert man diese Aufnahme am PC mit hoher Vergrößerung, wie die Abbildung in den Ecken ist. Bei Mr. James McHugh ist beschrieben, dass man den Stern in die Richtung der stärksten Abweichung an den Rand des Bildes stellt und dann NUR mittels Justierung der HS-Zelle den Stern ein WENIG Richtung Bildmitte bewegt.
Wenn die Ecken einer Seite gleich (schlecht) sind, stellt man den Stern dazwischen in die Mitte.
Diese Prozedur macht man solange, bis das Ergebnis zufriedenstellt. Bitte aber nicht übertreiben – 100% sind schön, aber nicht realistisch. Wichtig ist, dass alle 4 Ecken den gleichen (symmetrischen) Fehler zeigen (Bildfeldkrümmung!). Ich habe diese Einstellung mit einer EOS 5 MK2 (Großformat) gemacht – die Abweichungen, die noch sichtbar sind, fallen bei einer EOS450 (durch den kleineren APS-C-Sensor) unter den Tisch.
Die Prozedur in der Werkstatt dauert vielleicht eine Stunde, die Einstellung am Stern ist etwas mühsamer.

Ich wünsche allen Sternfreunden viel Erfolg beim Justieren und würde mich freuen, mit meiner Methode eine kleine, aber nützliche Anregung gegeben zu haben.
CS Erich
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Josef
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Re: RC Justieren

Beitrag von Josef » 18.12.2016, 09:36

Hallo Erich,

das nenne ich einen Einstand!
Herzlichen Dank für die Beschreibung und Willkommen an Bord!

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TONI_B
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Re: RC Justieren

Beitrag von TONI_B » 18.12.2016, 09:53

Ja, das ist ein fulminanter Einstieg ins Forum!

Willkommen!

Ich bin ja ebenfalls Besitzer eines RCs (12") und kenne daher die "Leidensgeschichte" einer erfolgreichen Zentrierung... 8)

Deine Erklärung ist sicher leicht nachvollziehbar für die kleineren RCs. Für meinen 12er geht es leider nicht ganz so einfach, denn die Rollmethode kann ich schon mal vergessen, denn das schwere Drum von der Montierung zu holen tue ich mir nicht mehr freiwillig an. Zum Glück war mein RC vom Tommy schon sehr gut vorzentriert und musste "nur" mehr die Endarbeit am Stern durchführen.

Dazu habe ich mit der ASI174MM bei hoher Vergößerung die extra- und intrafokalen Beugungsringe kontrolliert. Wenn die Luft halbwegs ruhig ist, so erscheint in der Mitte der Ringe der sog. Poisson-Punkt und man kann die Anzahl der Ring(segmente) als Indiz für die Güte der Kollimierung heranziehen: stimmt die Kollimierung nicht exakt, so hat man an einer Seite des Beugungsmusters zB. 4 Ringsegmente und an der gegenüberliegenden Seite 5 Ringsegmente. Dann dreht man so lange (ganz wenig) an den Justierschrauben des Hauptspiegels bis alle Ringe konzentrisch sind und am gesamten Umfang des Beugungsmuster gleich viele Ringe erscheinen. Diese Methode ist empfindlicher als die reine Kontrolle, ob die Beugungsringe konzentrisch zueinander liegen. Je näher man dem Fokus kommt, desto empfindlicher wird diese Methode und hat bei mir zum Erfolg geführt. Noch besser wäre es diese Entscheidung einer Echtzeit-Bildauswertung zu übertragen. Es wird jedoch noch dauern bis das einer meiner Schüler für mich programmiert hat... :wink:
lG
TONI


TS 12"RC; Skywatcher ED120, Esprit 100, Lacerta ED72, EQ8, EQ3, SA; Sony A77II, Sony A700(mod), Sony A7(mod), Sony Nex5(mod), Sony A7r(mod), SonyA7s(mod), ASI174MM, ASI120MM, ASI120MM-S, ASI185MC, ASI071C-cool

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tommy_nawratil
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Re: RC Justieren

Beitrag von tommy_nawratil » 19.12.2016, 23:42

grüß dich Erich,

hervorragend, ich schick sie alle zu dir :lol:

Im Ernst: Danke, da kann man mal auf etwas Fundiertes hinweisen!

lg Tommy
Physik ist die Poesie der Natur..
arbeite fröhlich mit bei https://teleskop-austria.at

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