Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

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klausbaerbel
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Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 12.09.2015, 17:07

Hallo zusammen,

Da immer wieder mal darüber diskutiert wird, ob sich eine längere Belichtungszeit lohnt und was es unterm Strich bringt habe ich eine Vergleichskollage und eine Animation erstellt.

Objekt ist NGC7000, aufgenommen mit EOS600Da, EF200 bei f5, ISO400, 6 min Einzelbelichtungszeit.

Gestackt habe ich 2, 6, 10 und 16 Stunden.

Dann jeweils ein Crop aus dem selben Bereich gemacht.

Bild


Bild

Wie man sehr gut sehen kann, sind die Unterschiede zwischen 2, 4 und 10 Stunden gravierend.
Über 10 Stunden ist gerade bei recht dunklen, fein strukturierten Objekten anzuraten.
Der Zugewinn liegt hier in leicht vermindertem Rauschen und mehr Details in den dunklen Bereichen, die unter 10 Stunden Gesamtbelichtungszeit einfach nicht da sind, weil sie im Rauschen untergehen.

Liebe Grüße
Heiko

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Josef
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Josef » 12.09.2015, 22:04

Hallo Heiko!

Tolle Aufstellung, danke!

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markusblauensteiner
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von markusblauensteiner » 13.09.2015, 11:11

Hallo Heiko,

eine sehr schöne Gegenüberstellung!
Der Unterschied zw.6 und 10 h kommt einem nicht mehr so drastisch vor - was auch logisch ist. Gerade da wirds aber für die schwachen Strukturen interessant!
Ist für eine CCD übrigens nicht anders.
Ich denke, dass viele bei 6h dazu neigen, Schluss zu machen und dann vielleicht zu viel zu entrauschen. Was dann passieren kann, zeigt Horst (AstroVis) schön in seiner Animation - Stichwort Grenzgröße!

Schön, dass du so viel Belichtungszeit sammeln konntest!

LG, Markus
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klausbaerbel
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 13.09.2015, 12:10

markusblauensteiner hat geschrieben:Ich denke, dass viele bei 6h dazu neigen, Schluss zu machen und dann vielleicht zu viel zu entrauschen. Was dann passieren kann, zeigt Horst (AstroVis) schön in seiner Animation - Stichwort Grenzgröße!
Exakt so ist es.

Das Entrauschen muß bei kürzeren Gesamtbelichtungszeiten schon recht stark ausgeführt werden, was feine Strukturen und Sterne (Sofern sie denn überhaupt schon aus dem Rauschen hervorschauen) zerstört.

Auch nimmt gerade bei höheren Temperaturen das Farbrauschen stark zu, so daß eine sehr lange Gesamtbelichtungszeit das Farbrauschen sehr gut entfernt.
Besser als jedes Entrauschwerkzeug.

Was ich aber auch noch anmerken möchte ist, daß die Unterschiede in der Gesamtansicht nicht bemerkbar sind.
Erst wenn man in das Bild hineinzoomt kommen sie zum Tragen.

@Markus

Insgesamt hatte ich 19 Std Gesamtbelichtungszeit.
Eine der Nächte mußte ich komplett verwerfen, weil sie Streifen in das Bild bringt. Warum auch immer.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von tommy_nawratil » 14.09.2015, 15:03

hallo Heiko,

eine sehr gute Gegenüberstellung, super zusammengestellt!

Was fehlt, ist was genau dargestellt wird - ich nehme an sind ist die Summenbilder aus PixInsight
mit der jeweiligen gesamt Belichtungszeit.
Die Streckung erfolgte dann mit der Screen Transfer Function mit Standardwerten?

Was die Gegenüberstellung dann NICHT zeigt, ist was man aus den jeweiligen Daten
durch Bearbeitung machen kann. Ein erfahrener Bearbeiter weiss schon viel aus dem Summenbild herauszulesen,
aber das wird hier nicht gezeigt. Ich finde das wichtig dazu zu sagen!

lg Tommy
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Rev.Antun » 14.09.2015, 15:06

Wer hat gestern zufällig oder auch bewusst im Servus TV die Hubble Sendung gesehen?

Für die Hubble DeepSkyaufnahme zur Erforschung der am weitest entferntesten Objekte, und jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen

4 (in Worten vier) Monate Gesamtbelichtungszeit :shock:

Mir is schon klar das der Vergleich so nicht geht, aber auch die hatten ihre problemchen :mrgreen:
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von TONI_B » 14.09.2015, 17:10

Vorsicht!

Das HUDF (HubbleUltraDeepField) wurde in einem Zeitraum(!) von vier Monaten gemacht. Die Gesamtbelichtungszeit lag aber "nur" bei ca. 11Tagen mit der Kamera und 4,5Tagen mit dem Spektrometer. Es gibt dann auch noch das ExtremeDeepField mit ca. 23Tagen Belichtungszeit.
lG
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Rev.Antun » 14.09.2015, 17:19

:( in der Doku habens gesagt 4 Monate belichtet ..
na toll Fehlbericht :evil:
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 14.09.2015, 18:12

tommy_nawratil hat geschrieben:
Was fehlt, ist was genau dargestellt wird - ich nehme an sind ist die Summenbilder aus PixInsight
mit der jeweiligen gesamt Belichtungszeit.
Die Streckung erfolgte dann mit der Screen Transfer Function mit Standardwerten?

Was die Gegenüberstellung dann NICHT zeigt, ist was man aus den jeweiligen Daten
durch Bearbeitung machen kann. Ein erfahrener Bearbeiter weiss schon viel aus dem Summenbild herauszulesen,
aber das wird hier nicht gezeigt. Ich finde das wichtig dazu zu sagen!
Hallo Tommy,

Ein guter Einwand von Dir.

Ich hatte zwar darüber nachgedacht mehr zur Entstehung der Vergleichsbilder zu schreiben, war mir aber nicht sicher, ob es überhaupt wen interessiert.

Zum Vorgang folgendes.

Ich habe entsprechend viele Einzelbilder den Stunden entsprechend mit Dss ohne Flats, Bias oder Darks gestackt.
Dann STF Streckung auf HistogramTransformation gezogen, um die Vorschau aktuell am Bild zu haben.
Dann Crops gemacht und zur Collage bzw Animation zusammengefügt.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 01.01.2016, 10:33

Hallo

Ich bin Neu hier und habe mich im Mitglieder Bereich kurz vorgestellt.

Mit Interesse verfolge ich zur Zeit sehr viele Vorgehensweisen bei der Bilderzeugung u. auch deren Bearbeitung. In diesem Beitrag fand ich den Unterschied der verschiedenen Belichtungslängen beeindruckend.
Was mir hier nicht ganz klar ist ist die tatsächliche Belichtungszeit. Aus dem Bericht schließe ich dass die DSLR im Extremfall eigentlich 16Std. am Stück "offen" war u. Licht sammelte was aber nicht möglich ist. Daraus resultiert dass die jeweiligen Bilder gestärkt wurden. Hier ergibt sich für mich die Frage wie ermittelt Ihr optimale Belichtungszeit der Einzelbilder?
In einem anderen Thread hier im Forum las ich das man eigentlich mit wenig ISO und langen Belichtungszeiten mehr Details herausholte. Muss ich nun das so verstehen das ich mittels Histogramm und sehr hohen ISO-Werten erst einmal ermitteln muss ab welcher Belichtungszeit die hellen ( weissen) Bereiche ausgebrannt werden und somit Daten verloren gehen um anschließend mit den ISO-Werten runter u. den Zeiten hoch zu gehen aber nur soweit das nichts in die Sättigung geht?

Herzliche Grüße, Tom

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Überläufer » 01.01.2016, 12:03

Es gibt eine Daumenregel, die besagt, dass der "Histogrammbuckel" der Einzelaufnahme bei ca. 25 % liegen soll (das nennt man dann "hintergrundlimitiert", wenn ich mich nicht irre). Man wählt am Anfang einen hohen ISO-Wert und eine kurze Belichtungszeit (einfach, um Zeit zu sparen) bis man das erreicht hat. Dann rechnet man zurück und verdoppelt für jede nächstkleinere ISO-Stufe die Belichtungszeit. Das muss nicht auf Sekunde genau sein. Dann scheiden sich etwas die Geister, wie weit man zurückgehen kann. Einerseits bestimmt die Qualität des Guidings die Obergrenze der Belichtungszeit ("Eiersterne"). Andererseits gibt es pro Kamerachip angeblich einen optimalen ISO-Bereich. Dann stellt man auf diesen Wert ein und errechnet die Belichtungszeit wie oben beschrieben mit (mehrfacher) Verdopplung. Wenn es keine Guidingprobleme gibt, dann gehe ich persönlich mit dem ISO-Wert ganz zurück (bei mir auf 100). Das birgt aber auch das Risiko, dass wenn eine Aufnahme daneben geht (durch durchziehende Wolken o.ä.), dass dann auch entsprechend viel Belichtungszeit im Eimer ist. Bei langen Belichtungen braucht man auch entsprechend lange Darks bei derselben Temperatur. Da ist dann die Frage, ob sich das alles in einer Nacht ausgeht. Das sind so meine Erfahrungen. Aber ich bin da auch noch nicht so lange dabei.

klausbaerbel
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 01.01.2016, 12:48

Hallo Tom,

Die angegebene Gesamtbelichtungszeit setzt sich, wie Du richtig vermutet hast aus vielen kurzen Einzelbelichtungszeiten zusammen.

In dem Fall waren es pro Bild ISO400 und 360 Sekunden bei f5.

Das Histogram der Kamera steht dabei etwas über der Mitte. (Die Kamera streckt intern das Bild und zeigt es quasi total überbelichtet an)
Das Rohbild hingegen ist fast schwarz und nichts ist ausgebrannt.

Die Ermittlung der Belichtungszeit mache ich so, wie beschrieben.
Ein paar Testbilder mit hoher ISO und kurzer Belichtungszeit, bis das Kamerahistogram um die Mitte herum steht.
Dann rechne ich zurück auf ISO400 und benutze diese Belichtungszeit.

Niedrigere ISO nutze ich nicht gerne, weil die Gefahr recht hoch ist, daß von den wenigen Bildern, die dann entstehen prozentual der Ausschuß größer wird.
Höhere ISO nicht, weil das Rauschen extrem wird. Besonders in warmen Nächten.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 02.01.2016, 15:27

Hallo Überläufer, hallo Heiko

Danke für die rasche Antwort.
Nur ein 25℅iger Buckel im Histogramm? Verstehe ich jetzt gerade nicht so! Einen Buckel bekomme ich doch eigentlich nur auf li., schwarzen Seite da ich hier die meisten Anteile im Bild habe. Soll das jetzt heißen das auch Schwarz nur ein viertel vom senkrechten Histogramm einnehmen darf? Ich habe auch schon versucht mit ADUs zurecht zu kommen aber das ist noch komplizierter. Ich hatte da mit 65000ADU gerechnet bis mir jemand sagte das ich bei einer DSLR andere Werte nehmen muss, je nach Kamera.

War vor kurzem für eine Woche in Namibia und habe dort auch ein paar Photos geschossen aber nach meiner Meinung nicht vorzeigbar. Jedenfalls habe ich durch Hektik teilweise vergessen von hohe ISO auf niedrige Werte zurück zu gehen. Bei den einigermaßen guten Bilder bin ich mir aber auch nicht schlüssig ob da nicht mehr drin war. Ich verstehe einfach den Zusammenhand nicht bis wann ich mit Belichtung aufhören soll.

@Heiko: Was soll ein " fast SW Rohbild" sein? Bei ISO 400 u. 360sec Belichtung sollte doch schon deutlich was zu sehen sein? Wenn nicht könnte man doch hier sicherlich weiter u. tiefer belichten um mehr feine Details zu bekommen, oder?

Ich sehe schon, ich muss noch sehr viel lernen.

Grüße, Tom

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 02.01.2016, 16:35

Hallo Tom,

Bei dem angesprochenen Histogram ist das Histogram der Kamera gemeint.

Wenn Du ein Foto aufgenommen hast, kannst Du es Dir ja auf dem Kameradisplay anzeigen lassen.
Per Menüauswahl kannst Du Dir zusätzliche Informationen zu dem Bild anzeigen lassen.
U. A. auch das Histogram.
Bei mir ist der Histogrambuckel/Strich ungefair bei der Mittes des Histograms auf dem Kameradisplay.

Wenn ich ein CR2 Rohbild völlig unangetastet in PixInsight öffne ist es fast schwarz. Nicht schwarz/weiß. Also sehr dunkel.
Nur die hellen Sterne und ggf auch helle Nebelbereiche sind leicht zu erkennen.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 05.01.2016, 16:33

Hallo Heiko

OK, dann wäre beim Histogramm ein vollkommen ausgefüllter Bereich von links nach rechts und halber Höhe ein Bild was eigentlich alle Farben beinhaltet und bis 50% durch belichtet ist?

Auf deine Fotografie bezogen Schaudt Du das keine der Farben am oberen Rand anschlägt um noch etwas Spielraum für die EBV zu haben?! Was hat es dann mit den ADUs auf sich. Ich lese immer wieder dazu etwas kann aber morgens etwas darüber in Erfahrung bringen ob z.B. der Wert einer CCD u. Einer DSLR der gleiche ist und ob ich diesen Wert überhaupt brauche. Wichtig scheint er schon zu sein denn sonst würde er in Foren nicht angesprochen. In einschlägige Bücher findet man allerdings gar nichts dazu.

Übrigens, DANKE für die Unterstützung bei meinen Fragen. Ich kann mir gut vorstellen das manche Fragen schon 1000x gestellt wurden u. auch immer noch werden

CS Tom

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 05.01.2016, 16:56

Hallo Tom,

Das Histogram der Kamera kann in 2 Darstellungen gewählt werden.

Nur die Bildhelligkeit. (Ein senkrechter, weißer Buckel, der von links nach rechts wandert, wobei links dunkel und rechts hell ist)
Helligkeit und Farbkanäle (Zusätzlich werden die 3 Farben als Histgrambuckel dargestellt)

Ich belichte so lange bis der Buckel ungefair in der Mitte ist.

Ich weiß nicht, wie ich das anders erklären soll.

Zu ADU kann ich nichts sagen. Das habe ich zwar schonmal gehört, weiß aber nicht, was es damit auf sich hat.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von markusblauensteiner » 06.01.2016, 09:42

Grüß euch,

in ADU (analog digital units) misst man die Helligkeit der CCD Bilder - von 0 bis 65535. So weiß ich, wenn mein Hintergrund z.B. bei etwa 3500 liegt, ist alles ok und die Bedingungen gut (für meinen Standort).

LG, Markus
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von TONI_B » 06.01.2016, 10:52

Die 65536 gelten aber nur bei 16Bit. Bei 14Bit sind es 16384.
lG
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 07.01.2016, 06:26

Hallo Heiko, Markus und Toni

Aha, jetzt kommen ich der Sache schon deutlich näher.
@ Heiko: Mit "bis zur Mitte" meinst Du sehr wahrscheinlich je Balken bis zur Mitte. Soweit mir bekannt müssten es 256 Balken (Farben) sein und die dürfen nicht mehr als 50% senkrecht in das Histogramm hinein ragen?
@Markus: Du hast nach meinem Verständnis über den Histo.-Unterschied von Luminanz und Farbe geschrieben.
@ Toni: OK, somit ist für mich nun klar das es verschiedene ADUs gibt die abhängig vom Kameratyp und dessen Verarbeitungeinheit (14 o. 16 oder auch andere Bittiefen) ist.

@All: Bei den Flats habe ich hierzu auch noch Fragen!
Kann das Flat, nach obigen Erklärungen, auch mit der AV-Position der DSLR erstellt werden oder macht die Kamera damit nicht automatisch. ein Bild mit korrekter ( zu hoher) Belichtung?


CS Tom

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von TONI_B » 07.01.2016, 07:46

Ich mache die Flats mit der Automatik der DSLR, aber mit +1,5 Korrektur. D:h. das Bild wird wesentlich heller als es "normal" sein sollte. Warum? Weil sonst das Stacken in PixInsight nicht funktioniert...

...dann sieht man auch, dass die "Buckel" im Histogramm der Kamera bei ca. 75% liegen.
lG
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 07.01.2016, 11:05

Hallo Tom,

Das Histogram hat keine 256 Buckel.

Es hat 3 Buckel. R, G, B.

Das Histogram der Kamera liegt bei mir ca in der Mitte von Links und rechts. Die Höhe ist dabei unrelevant.
Das Histogram des Rohbildes ist dann gerade ein Stück vom linken Rand weg, sehr steil und schmal wenn ich das Rohbild in PixInsight öffne.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von markusblauensteiner » 07.01.2016, 12:04

Hallo Tom!
@Markus: Du hast nach meinem Verständnis über den Histo.-Unterschied von Luminanz und Farbe geschrieben.
Nein, das kam wohl falsch an. Ich wollte dir beschreiben, was ADU aussagen, da diese Frage auftauchte.
Kurz gefasst: ADU sind eine Messeinheit (die eben bei den üblichen 16 bit CCDs von 0= schwarz bis 65535= weiß reicht, alles weitere kann man ausrechnen).

Lass mich etwas weiter ausholen:
du nutzt eine DSLR ohne Laptop an deinem Teleskop. Du kannst daher nur mit dem arbeiten, was dir die Kamera am Display anzeigen kann. Das ist das interne Histogramm, welches wie schon beschrieben wurde "deutlich" vom linken Rand gelöst sein sollte, wobei die Höhe der Buckel keine Rolle spielt und sich die drei Histogrammbuckel für R, G und B am linken Rand auch eher decken werden, außer du hast einen deutlich lichtverschmutzen Himmel (der Farbe zeigt).
Letztlich wirst du dich für Objekte auf etwa eine "Standard-Belichtungszeit" einrichten, das mögen z.B 10 min bei ISO 400 sein (oder was auch immer). Diese Belichtungszeit wirst du eigentlich immer nutzen, und je nach Himmelsqualität wird das Histogramm mal etwas weiter vom linken Rand weg sein und mal weniger weit. Zu stark variieren sollte es nicht - rückt z.B der Buckel bei identer Belichtungszeit deutlich weiter nach rechts, so deutet das auf einen aufgehellten Himmel hin (zb durch hohe Wolken). In gewissem Maß ist das tolerierbar, irgendwann aber nimmt die Qualität dieser Einzelbilder gegenüber den anderen so deutlich ab, dass es keinen Gewinn mehr bringt, sie mit zu verarbeiten (die Bilder werden in den Stackprogrammen üblicherweise zueinander gewichtet, wobei ein gutes Rohbild die Referenz bildet).
Es wäre nun aus meiner Sicht nicht wirklich sinnvoll, die Belichtungszeit herabzusetzen, da du dann zwar am Bild einen gleich dunklen Himmel "wie üblich" hast, jedoch auch entsprechend weniger Signal einfängst.
Letztlich bleibt dir also das Histogramm der Kamera zur Beurteilung und du kannst sagen, heute ist der Himmel "etwas heller" oder "gleich gut wie zuletzt". Eine genaue Messung ist erst möglich, wenn du die Bilder am PC hast.
Natürlich brauchen einzelne Objekte wie z.B Kugelsternhaufen eine Sonderbehandlung, da dort z.B die Kerne ausbrennen, wenn du zu lange belichtest.

Nutzt du nun deine DSLR oder auch eine CCD zusammen mit einem PC, ergeben sich ganz andere Möglichkeiten zu messen. So lasse ich meine Rohbilder gleich nach dem Download mit dem CCD Inspector messen und erhalte ua Werte für FWHM ("Seeing") und die Hintergrundhelligkeit - diese Helligkeit gemessen in ADU.
Die Erfahrung sagt mir nun, in welchem Bereich in ADU sich "guter" Himmel bewegt, welche Aufhellung noch tolerierbar ist oder ob die Bedingungen so sind, dass ein anderes Objekt (zb ein offener Sternhaufen) ein bessers Ziel wäre.
Da man die ADU in den diversen Programmen einfach ablesen kann (stehen meist irgendwo am Bildrand), je nachdem wo der Mauszeiger gerade steht, erübrigt sich eine Histogrammanzeige.

Mit Luminanz und Farbe hat das nichts zu tun: beides ist ja nach dem Download ein schwarz-weiß Bild. Selbst bei Farbkameras würde man "am Teleskop" das nicht debayerte sw-Bild vermessen.

Eine schöne Erklärung zu ADU habe ich gefunden.

LG, Markus
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klausbaerbel
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 07.01.2016, 13:45

Hallo Markus,

Das hast Du jetzt sehr gut beschrieben und zusammengefasst.

Besser, als ich es je könnte.

Vielen Dank dafür.

Liebe Grüße
Heiko

Coyote
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 08.01.2016, 06:48

Hallo zusammen

Wow, bin vollkommen begeistert über Eure Hilfe auch wenn ich mih da noch etwas ein denken muss. Ich war immer der Meinung das beim Histogramm für Luminanz von links nach rechts die Farben von sw bis ws aufgetragen sind und die Picks die Stärke ( Häufigkeit} darstellen. Klar ist mir nun, und eigentlich auch eine Dummheit von, das es nur drei Buckel geben kann da aus den drei Grundfarben ja alle anderen hervorgehen. :oops: :oops:
Ich bringe es für mich nur nicht in den Schädel wie ich es anschaulich für mich speichern kann. Ich werde mal mit meiner Cam ein paar Flats probieren da ich hier immer nur weiße oder auch bläuliche (EL) Bilder hatte. Ich habe noch nicht einmal einen Ansatz von Staub dabei gesehen, egal wie lange ich belichtete.

CS, Tom

klausbaerbel
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 08.01.2016, 12:47

Hallo Tom,

Nach meiner Erfahrung ist es extrem schwierig sich Wissen im Rahmen der Astrofotografie nur theoretisch anzueignen.

Der einfachere Weg ist, es einfach zu tun und dabei dann zu sehen, was sich wie zusammensetzt.
Viele Fragen erübrigen sich durch die praktische Ausübung.
Weiterführende Fragen treten dabei auf und können unterstützt durch die praktische Anwendung viel leichter erlernt werden.

Liebe Grüße
Heiko

Coyote
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 09.01.2016, 09:22

Hallo Heiko

Da Stimme ich Die voll zu. Es ist ja nicht so das ich keine Bilder mache aber gerade bei Flats habe ich das Gefühl das ich hier nichts wirklich heraus bekomme und ich glaube nicht das meine verwendeten Systeme allesamt staubfrei und unvignetiert waren.

Kann man Biasbilder auch nachträglich machen sofern man die Temperaturen bei den Light aufnahmen kennt? Obwohl, wenn die Cam in Arbeit ist erwärmt sie sich auf ein gewisses Maß und verharrt dann in etwa auf diesem Niveau und für Bildaufnahmen sollte das ausreichend sein?

Ich werde mal versuchen ein Light, ein Dark u. ein Flat mit dem jeweiligen Histogramm hier einzustellen sofern das möglich ist. Vielleicht können User aus dem gezeigten mehr herauslesen.

CS, Tom

klausbaerbel
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 09.01.2016, 11:44

Hallo Tom,

Die Bias sind nicht temperaturgebunden, wie die Darks.

Ich mache Flats und Bias mit ISO100, wovon ich die Bias mit kürzest möglicher Belichtungszeit mache.
Flats mit 1/15s.

Allerdings habe ich derweil festgestellt, daß meine Flats zur Überkorrektur neigen.
Warum das so ist, muß ich noch herausfinden, bzw erfragen.

Liebe Grüße
Heiko

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von Coyote » 10.01.2016, 09:45

Hallo Heiko

OK, das mit den Bias ist gut. Dann kann ich noch nachträglich Bias machen und sie zur EBV miteinbinden. Flats habe ich, allerdings noch unklar ob die was taugen da ich nach meiner Meinung nur einen weißen Bildschirm habe.
Wie schon erwähnt werde ich noch Bilder hier nach liefern.

Was bedeutet eigentlich "strecken" z.B. bei Darks? Ich lese immer wieder davon und vermute eine Funktion in z.B. PS zur Reduktion auf das wesentliche des Bildes. Soll heißen das ich über das Histogramm den lio. und re. Regler des Histogramm so verschieben bis an der Kurve anliegenden bei dem die eigentlichen Daten beginne. (Blöd zu erklären)
Stimmt die Überlegung bzw. wie wird Dir Streckung durchgeführt?

CS, Tom

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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von klausbaerbel » 10.01.2016, 11:34

Hallo Tom,

Bias brauchst Du nur einmal machen. Und zwar pro Kamera einmal.
Ich habe mir für jede Kamera eine Biasbibliothek angelegt, die ich immer wieder verwende.

Darks muß man jedes mal machen. Sie müssen die gleiche ISO Einstellung, Belichtungszeit und Temperatur wie die dazugehörigen Lights haben.

Flats muß man nicht unbedingt jedes mal machen. Man muß sie machen, wenn Staub auf dem Sensor dazugekommen ist, wenn eine andere Optik oder eine andere Blende verwendet wird.

Ein Flat ist weiß. Bzw sollte es sein.
Ein von der Kamera angezeigtes oder in PS geöffnetes Flat sieht recht weiß aus.
Das dazugehörige Rohbild, wenn es als Rohbild unangetastet geöffnet wird ist hingegen fast scharz.
Lass Dich also nicht von den Softwareseitig (Kamera oder PS) bereits gestreckten Bildern täuschen.

Unter Strecken versteht man eine Veränderung des Histogrammes. Das zu beschreiben hängt etwas vom Programm ab.
Das kann Markus besser erklären.

Hier kannst Du in Section 3 sehen, wie das am Histogram aussieht.
Auch gut zu sehen, daß Rohbilder unangetastet geöffnet fast schwarz sind.

http://www.lightvortexastronomy.com/tut ... l#Section3

Darks werden nicht gestreckt. Sie werden bei der Bildkalibration gemeinsam mit den Flats vom Light abgezogen.

Liebe Grüße
Heiko

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markusblauensteiner
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Re: Auswirkung der Gesamtbelichtungszeit mit DSLR

Beitrag von markusblauensteiner » 13.01.2016, 08:19

Hallo Tom,

leider versteckt sich gesamte Information in einem Astrobild zunächst in einem sehr kleinen Bereich. Es gibt viel, viel Dunkel und wenig Hell (die Sterne). Um da die vielen feinen Helligkeitsunterschiede sichtbar zu machen, muss man das Summenbild strecken.
Dazu habe ich mal eine einfache Anleitung verfasst, auch ein Summenbild zum Üben kannst du dir da holen.

Wie Heiko schreibt, werden Darks nicht gestreckt. Höchstens werden sie skaliert, möchte dich aber nicht vollends verwirren. :D

LG, Markus
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