Nordamerikanebel aus 1050 Wien

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Tramal
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Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von Tramal » 09.06.2016, 16:03

hi,

ich hätte da mal eine Testaufnahme von Deneb und NGC7000 bis Garnet und rundherum

aufgenommen wurden die Bilder am 8.6. 2016 gegen 0:30, aus meinem Wohnzimmer in 1050, über das gegenüberliegende Haus und an Strassenlaternen vorbei :)
den Polarstern konnt ich nicht vom Fenster sehen, also hab ich nur ungefähr eingenordet :) (Höhe war schon aus voriger Aufnahme eingestellt)
und deswegen war ich auch sehr erstaunt dass auf den Bildern der Nordamerikanebel in Ansätzen zu sehen ist

es benötigte einiges an Bildbearbeitung und gab eben einige Störquellen, deswegen die Frage nun an euch, kann man daraus noch mehr rausholen oder wie hättet ihr die Bilder bearbeitet?

und gleich noch eine Zusatzfrage, ich kann mit der GH4 bis zu 60sec belichten, kennt jemand eine App / Desktop-Software mit der man länger belichten könnte (nicht BULB)

Bild

größer: http://www.thsc.at/astro/ngc7000/ngc700 ... entjpg.jpg

Aufnahmedaten:
Kamera: Panasonic GH4
Objektiv: Lumix Vario X 12-35mm 2.8 Asph.
Nachführung: Skywatcher Star Adventurer

Belichtungszeit: 60sec
Brennweite: 70mm (auf 35mm Film umgerechnet)
ISO: 400
6x Lights, 4x Darks

EBV: DSS und Photoshop CC

hier die Rohdaten:
http://www.thsc.at/astro/ngc7000/ngc7000_lights.zip
http://www.thsc.at/astro/ngc7000/ngc7000_darks.zip

lg
thomas

klausbaerbel
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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von klausbaerbel » 09.06.2016, 21:20

Hallo Thomas,

Prima. Dein erster Schritt ist gemacht.

Erstmal zu Deiner 2. Frage.
Es gibt für Canon das Programm " MagicLantern". Damit lässt sich die Kamera steuern.
Ob das auch für Deine Kamera möglich ist, weiß ich nicht.
Es gibt auch Fernauslöser, die sich timen lassen, so daß Du per Bulp länger belichten kannst.

Zu Deiner ersten Frage.

In dem Bild steckt schon noch etwas drin, was man rausquetschen kann.

Bild

In Größer:
http://www.astrobin.com/full/251774/0/

Allerdings nur mit etwas größerem Aufwand und letztendlich unbefriedigendem Ergebnis.

Was kannst Du besser machen:

Zu allererst nicht in Richtung einer Laterne aufnehmen. Die hat einen Mordsgradienten ist Bild gebracht, der nur sehr schwer zu entfernen geht.

Wenn Du länger belichten möchtest, dann mußt Du auch sauberer Einnorden. Die Sterne beginnen schon zu Strichen zu werden.

Dann solltest Du unbedingt auch Bias und Flats anfertigen. Die extreme Vignettierung habe ich wegschneiden müssen. Mit Flats bleibt das erspart.

Und wie eigentlich immer, solltest Du mehr Gesamtbelichtungszeit investieren.
6 Lights sind einfach zu wenig.
Bei 60s pro Bild sollten 200 Einzelbilder schon sein, damit man auch etwas aus den Daten machen kann, ohne das Bild zu sehr zu strapazieren.

Du hast mit Photoshop gearbeitet. Zu dem Programm kann ich nichts sagen. Da kannst Du aber mal im Internet schauen. Tutorials gibt es viele.

Hier ein paar:

http://www.distant-lights.at/tipps.htm

http://www.astro-fotos.com/anleitungenb ... itung.html

http://dsig.at/html/tutorial%20PS.html

Liebe Grüße
Heiko

Tramal
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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von Tramal » 09.06.2016, 23:06

hallo heiko,

sehr cool! danke schonmal dafür!
ich finde es sehr gut wie du das bild bearbeitet hast.
Dass der Gradient bzw. die extreme Vignettierung nicht zu retten ist, dacht ich mir schon, aber trotzdem hast du den noch sehr gut rausgerechnet.
insgesamt ist dein Bild viel flacher bzw, zeigt die eigentliche Struktur noch viel besser, ohne die störenden Einflüsse

1. würd mich natürlich interessieren wie du es gemacht hast, welche Programme und Schritte
2. werd mir die Tutorials anschauen, danke vielmals!
3. immer noch faszinierend für mich, und auch motivierend, dass in mitten von Wien noch solche Strukturen zu sehen sind

ich habe auch parallel mit meiner A7S aufgenommen, welche nur 30sec ab Werk belichtet, und konnte diese Strukturen bisher nicht auflösen.
ich denke die 30sec mehr, machen sich hier extrem bemerkbar
außerdem hätte ich noch eine Canon 700D, mit der hab ich bisher nix probiert (hab auch keine wirklich guten Objektive dafür - evt. kann ich mein Canon L 24-105 dafür verwenden, welches in meinen Tests sehr wenig bis kein Koma zeigte)
ich habe eine Karte auf der ML schon drauf ist, also sollt ich das vielleicht als nächstes auch probieren (am Star Adventurer kann man ja durchaus 2 Kameras verwenden)
und ich spiele mit dem Gedanken eben jene 700D modifizieren zu lassen

ich werde eventuell, sobald es das Wetter erlaubt, damit Testaufnahmen machen, und dann weitersehen

danke dir
thomas

Tramal
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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von Tramal » 09.06.2016, 23:28

achja und zu den Laternen - naja, aussuchen kann ich mir das nur bedingt - ich wohn halt wo ich wohne :)

ich bin schon 2x zur Wiener Hütte gefahren - am Stadtrand von Wien (bekannter Beobachtungsplatz) - beide male trotz guter Wetteransage ziemlich bewölkt
noch dazu mit Leihauto, was eher demotivierend war :D

ich hab auch schon Aufnahmen aus dem Hof probiert, wo keine Lampen in direkter Nähe sind, aber dort ist im Moment nicht die Milchstraße etc (kleiner Ausschnitt, hauptsächlich Zenit)

hier noch eine Aufnahme von der Wiener Hütte, mit Ursa Major:

Bild

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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von Rev.Antun » 10.06.2016, 08:29

Was du auch noch probieren kannst, ist wenn du in Wien aufnimmst, einen CLS Filter zu verwenden. Der sollte die ganzen störenden Lampen der Straßenbeleuchtung eliminieren.

Bei mir in Wiener Neustadt hat mir der Filter wenn ich vom Balkon aus Aufgenommen habe schon sehr geholfen.
lg Toni
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Seit die Mathematiker über die Relativitätstheorie hergefallen sind, verstehe ich sie selbst nicht mehr.

Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten :)

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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von klausbaerbel » 10.06.2016, 12:33

Hallo Thomas,

Ich habe für die Bearbeitung das Programm PixInsight benutzt.
http://pixinsight.com/

Damit habe ich die Bilder gestackt, die Vignettierung weggeschnitten, den Hintergrund mit AutomaticBackgroundExtractor geglättet, die Farben mit LinearFit angeglichen, das noch lineare Bild mit HistogramTransformation und MaskedStretch hochgezogen.
Eine Maske erzeugt, die den blauen Gradienten der Laterne enthält und die blauen Bereiche abgedunkelt und farblich angeglichen.
Im Anschluß das Bild mit ACDNR entrauscht.

Da Du keine Flats erstellt hast und die Laterne diesen grausligen, blauen Gradienten ins Bild gebracht hat, ist der Hintergrund etwas fleckig geworden.
AutomaticBackgroundExtractor und DynamicBackgroundExtractor können da leider auch keine Wunder mehr vollbringen.
Mit mehr Zeit und vielen versuchen geht da aber schon noch etwas, um den Hintergrund gerader zu bekommen.

Das sagt Dir jetzt sicherlich nichts, weil Du ja mit Photoshop arbeitest.
Deswegen hatte ich PixInsight in meinem Beitrag nicht erwähnt, weil es nur verwirren würde.
Aber Du hast danach gefragt.

Vielleicht ist in Zukunft PixInsight eine Alternative für Dich.
Über das bevorzugte Programm existieren so viele unterschiedliche Ansichten, wie es Astrofotografen gibt.

Die 700D ist, weil es einfach mehr Zubehör dafür gibt, die bessere Wahl für die Astrofotografie.
Gute Objektive für die EOS, die ich verwende:

Canon EF 50mm f/1,8

Ein Bild damit:
http://www.astrobin.com/full/236086/0/
Wenn Du auf das Bild klickst, kommst Du auf die Datenseite und kannst Dir die Aufnahmedaten ansehen.

Canon EF 100mm f/2.8L Macro IS USM

Ein Bild damit:
http://www.astrobin.com/full/176189/0/

Und mein Liebligsobjektiv:

Canon EF 200mm 1:2,8 L II USM

Ein Bild damit:
http://www.astrobin.com/full/152439/0/

Natürlich gibt es noch mehr gute Objektve für die EOS, auch von anderen Herstellern.
Da mußt Du mal etwas durchs Forum stöbern und auf Widefieldaufnahmen achten und womit die gemacht wurden.

Die EOS modifizieren wird sich irgendwann nicht vermeiden lassen. Sonst wird es schwierig Ha ins Bild zu bekommen.


Zu Deinem Beobachtungsort.
Dort wo die Laterne steht solltest Du auf keinen Fall aufnehmen. Das macht Dir das Leben unnötig schwer.
Besser ist der Hof.

Ich nehme auch aus Lichtverseuchtem Stadthimmel auf. Aus dem Garten und kann da nur Objekte aufnehmen, die Im Zenit bis Südwesten unterwegs sind.
Alle anderen Richtungen sind verbaut oder zu hell.

Das mit dem Wetter ist wirklich schlimm. Ich kann jedes Jahr immer weniger Nächte nutzen.
Wenn Du die Möglichkeit hast und das Wetter tatsächlich mitspielt, dann ist rausfahren sehr ratsam.

Filter wie IDAS oder CLS unterdrücken zwar das Stadtlicht, aber sie benötigen mindestens die doppelte Belichtungszeit, erzeugen einen Farbstich und unterdrücken auch gewünschtes Licht.
Dazu kommt noch, daß der CLS das Fokussieren mit Canonobjektiven erschwert, weil die Farben unterschiedliche Schärfeebenen haben.
Wenn man fokussiert, wie gewohnt haben alle Sterne einen starken roten Rand.
Das heißt, daß man minimal defokussieren muß, was auch nicht immer gelingt und dazu geführt hat, daß ich den CLS nicht mehr nutze.

Liebe Grüße
Heiko

Tramal
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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von Tramal » 10.06.2016, 23:18

das sind ein paar sehr interessante infos, danke!

von pixinsight hab ich schon gehört, hatte aber noch nicht die Muse es mir anzusehen

heute war ein langer Arbeitstag, ich werd mir die infos am WE nochmal genauer anschauen..

thx
thomas

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HHV
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Re: Nordamerikanebel aus 1050 Wien

Beitrag von HHV » 06.08.2016, 01:43

Servus Thomas!

PI ist ein tolles Programm, das aber auch entsprechende Einarbeitungszeit fordert...kann ich aus eigener Erfahrung nach nunmehr einem Jahr sagen.

LG,
Michael S.

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