IC 443 mit einer Überraschung

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markusblauensteiner
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IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 16.08.2019, 15:09

Hallo alle zusammen!

IC 443 gehört eigentlich in den Frühling...das Bild musste aber etwas warten, dazu später mehr.
Der Supernovaüberrest ist gut bekannt und oft fotografiert. Seine wahre Größe liegt bei etwa 72 Lichtjahren, je nachdem, welche Entfernung man als richtig annimmt (72 Lj bei 5000 Lj Entfernung). Einen im optischen Licht sichtbaren "Zentralstern" findet man im Gegensatz zu PNe nicht.
Im Nordosten schließt der ausgedehnte Emissionsnebel LBN 845 an, mit vdB 75 und IC 444 als Zugabe.

Ziel war es, möglichst viel der komplexen Struktur in Ha und [OIII] zu zeigen und trotzdem die Tiefe aus dem LRGB mitzunehmen. Letztendlich ist es ja die im LRGB erkennbare Staubwolke, die erst für das Leuchten von IC 443 sorgt.

Im größeren Feld mit dem Epsilon findet man am rechten Bildrand auch einen schwachen, nahezu runden, blauen Nebel (li ober halb des orangefarbenen Sterns). Er ist bislang nicht katalogisiert und wird seit diesem Bild als "possible PN" geführt. Mal sehen, ob mal mit einem großen Teleskop ein Spektrum aufgenommen wird und sich seine Natur als PN bestätigt. Ansonsten ist es sehr wahrscheinlich ein schwacher Reflexionsnebel.

10" Lacerta Newton, ca. 41 h LRGB - Ha - [OIII]:
Bild

TAK Epsilon 130ED, ca. 51 h LRGB-Ha-[OIII]
Bild

LG; Markus
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von Astromat » 16.08.2019, 17:45

Das sind Bilder vom Feinsten, mit tollen Details und Feinstrukturen -- Gratulation zu diesem Gesamtkunstwerk (und Hut ab vor Deiner Ausdauer und handwerklichem Geschick)!

Ich bin wsl. zu alt oder zu ungeduldig, aber ich finde das kleine blaue Nebelchen beim besten Willen nicht :?

LG,
Mat
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markusblauensteiner
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 16.08.2019, 19:37

Hallo Mat!

Danke dir, freut mich wenn die Bilder gefallen!

Das kleine Nebelchen habe ich HIER markiert,
dann findet man es auch im Farbbild leichter.

LG, Markus
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von Niko » 16.08.2019, 20:42

Hallo Markus,

Ein Hauch von einem Nebel! Hätt ich ohne deine Hilfe glatt übersehen.
Eine Augenweide in deiner Qualle rumzustöbern.
Ist bei mir heuer noch mal mit der 6d und dem Esprit 100 am Plan.
Lg Niko
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von Astromat » 17.08.2019, 01:00

Hallo Markus,

danke für's Kennzeichnen ... ist in Farbe wirklich nicht leicht zu sehen...

Toll, das es noch etwas zu entdecken gibt!

LG,
Mat
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von Josef » 17.08.2019, 10:06

Hallo Markus!

Hut ab und Gratulation zum Fund von "Blauensteiner 1"! :wink:

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markusblauensteiner
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 17.08.2019, 14:37

Hallo Niko, Mat, Reinhard und Josef!

Freut mich wenns euch gefällt und ich beim Finden helfen konnte. :D
@Niko: da hast du noch ein größeres Feld, wird nach links auf alle Fälle spannend. Vielleicht hast du das Nebel hen auch drauf, dann müssen wir uns mal unterhalten.

Zum Nebel: er steht auf einer Liste, die von Profis nach Lust und Laune beackert wird. Keine Ahnung also, ob und wann es ein Spektrum geben könnte. Sollte er sich als Reflexionsnebel entpuppen, wird sich die Fachwelt nicht mehr weiter dafür interessieren. Kommt Zeit, kommt Rat.
Tatsache ist aber, dass gerade in [OIII] noch einiges zu entdecken wäre, denn in der Linie fehlen umfassende Skysurveys. In Ha gibt's das zu genüge und selbst da werden noch jede Menge PN Kandidaten entdeckt.
Wenn man sich nun überlegt, wie viele PNe deutlich stärker in [OIII] strahlen als in Ha, schlägt das Entdeckerherz höher... :shock:

LG, Markus
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von michaeldeger » 18.08.2019, 11:09

Hallo Markus,

Gratulation zur eventuellen PN-Entdeckung!

Die Ausarbeitung von IC 443 ist 1A! Die Details im Nebel sind klasse,
auch die Widefieldaufnahme ist super.

LG
Michael

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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von Niko » 18.08.2019, 11:13

Hallo Markus,

Hab zwar wenig Hoffnung, dass der mögliche PN mit 8hRGB bei f5,5 drauf ist aber meine Neugierde ist jetzt schon geweckt.
An deine 51h Belichtungszeit werde ich nicht rankommen. Dennoch im Interesse der Wissenschaft könnte ich gleichzeitig mit der Redcat und der 60Dmono die Lum, OII und Ha je eine Nacht durchbelichten. Mal sehen was da zusammenkommt.
Ist eigentlich der PN auch schon nach 7h OIII schon zu sehen?

LG Niko
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von dhuber1 » 18.08.2019, 11:15

Hallo Markus,

da verwöhnst du uns aber wieder mit spannendem Bildmaterial!!

50h Belichtungszeit :D ich muss echt darüber nachdenken meine Sternwarte zu verlagern ...
lg Daniel
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von dhuber1 » 18.08.2019, 11:21

Eine Frage stellt sich mir aber schon: Kann man diesen PN nicht mit einem Amateur Spektrometer untersuchen? Ich kenne mich zwar Berufswegen mit Spektroskopie aus, aber nicht in der Astronomie und habe keine Ahnung wie leistungsfähig die "Amateuraufbauten" sind.
lg Daniel
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 18.08.2019, 11:28

Hallo Michael und Daniel,

auch an euch ein großes Dankeschön für die netten Zeilen!
Über Wetter und mangelnde Belichtungszeit kann ich mich wirklich nicht beschweren.

@Niko: ich habe gerade 42x10 min [OIII] zusammengerechnet - der Nebel ist erkennbar. Ich hatte [OIII] aufgenommen, als der
Mond am Himmel stand, also nicht ganz optimal, dh unter guten Bedingungen sollte er deutlicher zu sehen sein.

@Daniel: da kenne ich mich leider auch nicht aus. Mir ist bloß nicht bekannt, dass Amateure ein Spektrum zum Nachweis der Natur solcher Nebel angefertigt haben. Vermutlich übersteigt das die Leistungsfähigkeit selbst größerer Amateuranlagen.
Ich weiß nur aus dem Bereich der Zwerggalaxien, dass für "unseren" Prof. Karachentsev nur Galaxien im local volume interessant sind, weil er bei noch weiter entfernten (und somit schwächeren) Galaxien selbst mit dem 6 m Spiegel kein brauchbares Spektrum mehr schafft.

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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von dhuber1 » 18.08.2019, 13:35

Ja er ist vermutlich viel zu schwach dafür das stimmt sicher da war ich wohl ein bisschen zu naiv, er ist ja kaum bei dir zu sehen nach so vielen Stunden :D. Mir ist nur der Gedanke gekommen weil ich kürzlich die Geschichte zu den Planetarischen Nebel gelesen habe und dabei gelernt habe das William Huggins um 1900 die ersten Spektren von PN's aufgenommen hat. Da hätte ich mal vermutet das mittlerweile Amateure auch schon solche Messungen machen können.
lg Daniel
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 18.08.2019, 14:52

Hallo Daniel!

Ziemlich sicher klappt das bei den "Klassikern" und womöglich auch bei manchem Exoten, der zwar klein, aber relativ hell ist.
Wäre an sich spannend, aber mir fällt hier im Forum niemand ein, der Spektroskopie betreibt?

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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von tommy_nawratil » 18.08.2019, 15:01

hallo Markus,

zwei sehr schöne und tiefe Bilder, und auch das Epsi Bild ist genial mit dem erweiteren Feld.
Da sieht man was sich noch alles tut in der Gegend.
Der Eta Gem ist schwierig zu beherrschen, hast du gut gemacht
nur die Farbe im Halo (und Sternkern?) könntest vielleicht noch einheitlich machen.

Dass du um ein so oft fotografiertes Objekt noch was neues entdeckst, ist toll - Gratulation!
Ich tippe eher auf Reflexion, gibt ja einigen Staub in der Gegend. Anfangs schreibst du,
dass die im LRGB erkennbare Staub den Nebel zum Leuchten anregt - aber ist das nicht immer
ionisierende Strahlung von einem heissen Stern?

lg Tommy
Physik ist die Poesie der Natur..
arbeite fröhlich mit bei https://teleskop-austria.at

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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 18.08.2019, 18:57

Hallo Tommy!

Vielen Dank fürs kundige Lob! :)
So ganz glücklich bin ich nicht mit den Filtern am Epsilon bei hellen Sternen, ob es da einen Fortschritt von Generation zu Generation gibt? Am Lacerta ist das bei weitem nicht so ausgeprägt.
Filterwechsel kommt vielleicht, wenn die Moravian in Pension gehen darf. Hab da so eine Idee..

Bei SNR fehlt ja häufig die Energiequelle namens Zentralstern, da kollabiert. So bleiben nur Stöße an umgebender Materie als Ursache von Ionisation und späterem Aufleuchten bei Rekombination (was ja auch manchem PN helle Ränder beschert).
Es gibt sicher abweichende Beispiele, zB bei Wolf-Rayet Sterne als Vorläufer mancher SN - die sollten ihr abgestoßenes Material selbst ionisieren können. Wahrscheinlich gibt's auch noch komplexere Vorgänge in Doppel- oder Mehrfachsystemen, in denen auch die Sterne selbst die Energiequelle sind.

LG, Markus
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von RiedlRud » 19.08.2019, 21:32

Hallo Markus!
Zuerst einmal ein super schönes Bild geworden. Ich mußte schon gaanz genau suchen um den Nebel zu finden. Das SW Bild hilft dabei sehr. Ist eigentlich erstaunlich, dass er dir selber aufgefallen ist. Halt dir die Daumen, dass die Entdeckung bestätigt wird!
LG Rudi
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von herwig_p » 19.08.2019, 22:28

Hallo Markus,
Auch von mir herzlichen Glückwunsch zum tollen Bild - sehr interessante Geschichte mit dem möglichen neuen Objekt, ob PN oder etwas anderes!
LG Herwig
Optics: Lacerta 200/800 Fotonewton "ohne Namen", SW130/650 PDS Newton, Lacerta 72/432mm ED-APO, Canon EF 200mm 2.8L, Samyang 135mm 2.0
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Re: IC 443 mit einer Überraschung

Beitrag von markusblauensteiner » 20.08.2019, 11:23

Hallo Rudi, hallo Herwig!

vielen Dank!
Ich invertiere meine Bilder immer, einerseits um Fehler beim Kalibrieren zu finden und auch wegen solcher schwachen Objekte.
So fällt es dann auf.

LG, Markus
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