Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

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markusblauensteiner
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Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von markusblauensteiner » 01.04.2020, 22:00

Hallo alle zusammen!

Melotte 111 ist nach den Hyaden der zweit-größte (was die Ausdehnung am Himmel betrifft) und zweit-nächste offene Sternhaufen. Mit 288 Lichtjahren Entfernung ist sozusagen ums Eck.
Mit freiem Auge zu sehen, ist er wohl das Auffälligste am Sternbild Coma Berenices. Viele bekannte Galaxien finden sich rund um den Haufen.
Mit dem Teleskop fotografiert wird so was schnell sehr unspektakulär, weil man einfach "hindurch" schaut.

Ich war für eine Namibia-Reise (das verschiebt sich wohl...) auf der Suche nach einer Optik um die 300 mm Brennweite, kein Tele, und vollformat-tauglich. Da gibt es gar nicht so viel... :shock: Letztlich stand die Wahl zwischen einem RedCat, dem TAK FS60CB oder dem Vixen FL55SS. Mit den RedCat -Vollformat-Bildern habe ich mich etwas schwer getan, blieben der TAK und der Vixen übrig. Preislich nehmen sie sich, wenn man bei beiden einen Flattener, einen Reducer und einen Mikrofokus (und beim TAK die Rohrschellen) dazu rechnet, nicht viel. Meine Wahl fiel aufgrund der geringeren Maße auf den Vixen.
Eingesetzt habe ich ihn bislang ausschließlich mit Flattener + Reducer (man verwendet da beides), noch nicht mit dem Flattener alleine. Zum Gerät an sich kann ich sagen, dass der Mikrofokus gut tut - es geht zwar das Fokussieren an sich auch ohne sehr gut, aber wenn man nachfokussieren möchte, hilft der Mikrofokus sehr. Der APO braucht eine Heizmanschette um das Objektiv, sonst gibts unter 0°C leicht dreieckige Sterne. Für die Abbildung braucht es etwas Liebe: fokussiert man genau in der Mitte, bleibt sie bis sehr weit draußen sehr gut, dann aber gibts Bananensterne, die man nur wegschneiden kann. Fokussiert man zwischen Mitte und Ecke, werden die Bananensterne immerhin so viel weniger, dass man sie mit bildverkleinern ganz gut verstecken kann. Fokussiert man richtig draußen im Eck, so werden aus den Bananen annähernd Sterne, aber der verbleibende Fehler zieht sich weiter hinein ins Feld. Das ist der Zustand, mit dem das Bild von Mel111 entstanden ist, es geht also noch etwas besser. Scharf und schön farbrein ist er, bei fallender Temperatur mag er regelmäßig nachfokussiert werden. Und den Fokus muss man treffen, sonst "explodieren" die Ecken.
Bei meinem Exemplar könnte ich mir so ohne weiteres nicht mit dem Abstand zum Reducer helfen, denn ich habe festgestellt, dass die Bildecken, wenn in der Mitte fokussiert, extrafokal sind. Ich müsste also, falls es überhaupt was bringt, mit dem Chip näher zum Reducer und das geht mit dem originalen Kamera-Adapter natürlich nicht. Weiter raus wäre einfach.
Fazit: die kleine Optik macht Freude und wird ihren Einsatzzweck - Übersichtsaufnahmen "nebenbei" sehr gut erfüllen. Die Ecken werden eher nicht ganz perfekt, bei dem riesigen Feld verschmerzbar.

Melotte 111, 59x1 min ISO 1600, Nikon D750, Vixen FL55SS auf Alt-AD6:
Bild

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tommy_nawratil
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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von tommy_nawratil » 02.04.2020, 00:15

hallo Markus,

ein offener Sternhaufen ist aber ein echtes Problemobjekt für jede Optik, viele hellere Sterne bis in die Ecken ohne Nebel der kaschieren kann.
Dafür ist das ein sehr schönes Bild und weites Feld, wenn man nicht gerade am Pixelpeepen und Fehler suchen ist.

Richtig, die 300mm Brennweite Vollformat tauglich aufzutreiben ist schwierig, keine mir bekannte Optik ist ganz 100%ig bis in die Ecken.
Wir hatten ja drüber gesprochen. Ich suche schon sehr lange etwas Gepäck taugliches, also nicht unbedingt FSQ106 mit 0,6x Reducer.
Dieser FL55SS entspricht in etwa meinen Tests und hat halbwegs Symmetrie in den Abweichungen, das ist schon mal positiv bei so vielen Linsen.
Aber man sieht daran, schon das Design kann höchste Erwartungen nicht ganz erfüllen - er ist etwas besser ohne Reducer.
Mir kommen die Streukreise auch relativ groß vor, verglichen mit dem Redcat der etwas langsamer ist (nominativ, hat weniger Linsen).
Bei dem muss man aber auch ausserhalb der Mitte fokussieren und ganz leicht vergrösserte Sterne in der Mitte in Kauf nehmen.
Immerhin kann man an dem noch was rumjustieren und rumtilten zum Abfedern.
Vielleicht kann man deinen aber auch noch tunen, wenn Peter Grosspointner wo ein Eckchen absäbelt und du näher rankommst. :mrgreen:

lg Tommy
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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von markusblauensteiner » 02.04.2020, 00:47

Hallo Tommy!

Ja, wir hatten regen Austausch, da war wie immer viel Erhellendes dabei! :-)
Mein Stand damals nach einiger Bildersuche war, dass ich naja, einen RedCat für Vollformat einfach nicht gekauft hätte. Vielleicht falsch gesucht? Das kann heute schon anders aussehen, wenn du deine Justage-Maschinerie angeworfen hast. :D Der RedCat hat dafür andere Vorzüge, Stichwort Einsatz als Tele.
Das Erstaunliche ist, dass zwei unserer drei FL55SS (zwei davon wären nach Namibia geflogen) mit Reducer besser performen als ohne. Bei meinem steht der Test noch aus. Glücklich bin ich, dass alle Abweichungen etwa symmetrisch sind wie du schreibst, der Fokus an der richtigen Stelle holt noch was raus, dann bin ich komplett zufrieden.

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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von tommy_nawratil » 02.04.2020, 01:08

hallo Markus,

wir hatten einen Schlagzeuger, der sagte immer: spielt schneller dann werden die Fehler automatisch kleiner :lol:
Bei Reducern ist es meist umgekehrt, sie zerren offaxis Gebiete auf den Chip die man sonst nicht gesehen hätte.
Das ist selten besser als nur mit Flattener, aber es kommt vor.
Der Fl55SS ist schnell, farbrein und hat ein großes Feld - damit kann man seine Freude haben wenn man den Bliock am Wesentlichen behält!

lg Tommy
PS: Bin gespannt, was Martin Rusterholz dann mit seinem Redcat vorzeigt. Ich hoffe eure Reise wird nachgeholt, hab mich schon für euch gefreut.
Und ich hoffe dass Covid in Namibia nicht zu schlimm wird.
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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von markusblauensteiner » 02.04.2020, 01:31

Hallo Tommy,

dann haben wir den Vergleich direkt, bin gespannt.
Ich hoffe inständig, dass wir alle, rund um diese schöne blaue Kugel, halbwegs gut wieder aus dieser Nummer herauskommen.
Und dann wird nachgeholt, ganz bestimmt.

LG, Markus
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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von RiedlRud » 04.04.2020, 15:26

Hallo Markus!
Sehr beeindruckend. Sehr weites Feld und darin NGC4565 eigentlich groß dargestellt. Super gemacht. Der Vixen ist gut.
LG Rudi
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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von markusblauensteiner » 08.04.2020, 17:32

Hallo Rudi,

danke dir! Bin sehr zufrieden mit dem Kleinen! :-)

LG, Markus
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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von michaeldeger » 11.04.2020, 08:32

Hallo Markus,

also mir gefällt das Bild richtig gut, toll was da alles mit drauf ist.
Die Sternabbildung schaut doch gut aus, den kleinen Makel in den Ecken kann man verschmerzen -
dafür hat man ein riesiges Bildfeld.

LG
Michael

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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von Franz1 » 15.04.2020, 22:23

Markus goes APO?

Experimentiere selbst momentan mit der Katze, die Du ja auch im Visier hattest.
Habe momentan nur Testaufnahmen.

Dein Bild von Melotte 111 gefällt mir.

lg
Franz

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Re: Melotte 111 - der Riese aufgenommen mit dem Zwerg

Beitrag von markusblauensteiner » 03.05.2020, 10:46

Hallo Michael, hallo Franz,

spät, aber doch noch möchte ich mich auch bei euch bedanken!
Der Einsatzzweck für den kleinen Vixen hat sich um mindestens ein Jahr verschoben....

LG, Markus
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