Budget Astrofotographie

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Wienviertler
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Budget Astrofotographie

Beitrag von Wienviertler »

Hallo liebe Forumgemeinde!

Das ist mein erster Post in dem Forum, ich hoffe, ich verletze nicht sofort irgendwelche geheimen Forumsregeln :)

Gestern war meine erste Nacht unter Sternenhimmel mit einem Fotoapparat und ich wollte mal sehen, was ich mit meiner Ausrüstung überhaupt aus den Sternchen herauskitzeln kann.

Meine Ausrüstung:

Canon EOS 800D
Canon EF 28 - 105mm f3,5-4,5 Linse
Omegon MiniTrack Quattro "Nachführung"

Geschossen habe ich ca 120 Fotos mit jeweils 25 Sekunden Belichtungszeit auf ISO 800, Blende 4,5 und Brennweite 105mm ( x1,6 Crop-Faktor) bevor ich draufgekommen bin, dass meine Linse komplett angelaufen ist.

Ich konnte dann insgesamt 65 Fotos verwenden und mit DSS stacken. Heute Vormittag habe ich nun versucht dieses Foto mit GIMP zu bearbeiten (wie gesagt: Budget, daher kein Photoshop)
Herausgekommen ist ein Bild, auf dem ich zum ersten Mal überhaupt M32 sehen konnte und sogar ein paar Strukturen in M31 erkennbar sind - ich freu mich total! Aber ich weiß und sehe, dass natürlich noch viel bessere Bilder möglich sind.

Hier ist das Foto:
https://ibb.co/MSdNkk4

Nun habe ich einige Fragen an euch um nach und nach besser werden zu können und schönere Bilder zu bekommen. Ich bin für jedes konstruktive Feedback sehr dankbar.
Was würde meine Bilder am ehesten verbessern:
1.) brauche ich einfach mehr Belichtungszeit als "nur" 27 Minuten wie bei diesem Bild.
2.) ob es einfach an meinen Fähigkeiten mit GIMP scheitert - das gestackt BIld könnt ihr hier prüfen: https://we.tl/t-E44GaSEZ2q
3.) Brauche ich ein besseres/ordentliches Objektiv bzw einen kleinen Refraktor?
4.) Sollte ich EUR 20,- für einen Objektivwärmer in die Hand nehmen und einfach die ganze Nacht durchfotografieren, damit ich mehr gute Bilder habe am Ende? :shock:

Ich freue mich über Fedback und darauf, von euch etwas zu lernen!

Liebe Grüße, Bernd
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nonsens2
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von nonsens2 »

Hallo Bernd!

Punkt 1 und 4 kann ich bedenkenlos mit ja beantworten. Desto länger die Gesamtbelichtungszeit, desto besser wird das Signal zu Rausch Verhältnis. Und eine Tauheizung ist auf keinen Fall ein Fehler.
Punkt 2: die Bildbearbeitung will gelernt sein. Ist so. Alle haben am Anfang kleine Brötchen gebacken und haben sich weiterentwickelt. Hier ein bisschen Manöverkritik. Der Schwarzpunkt ist wirklich schwarz. Das macht das Bild unnatürlich, also hier eher dunkelgrau lassen. Selbigen solltest Du nicht mit dem Schwarzpunkt unter "colors/levels" mit dem schwarzen Punkt auswählen, sondern mit den Kurven einstellen. Ist ein bisschen kniffeliger, wir aber schöner. Und in weiterer folge eher zart und öfter strecken, als alles in einem Rumms durch. Hierfür hat jeder sein eigenes Kochrezept.
Ich habe Dein Bild quick and dirty bearbeitet und kann durchwegs Potential im Bild sehen.
Punkt 3: definitiv kann man mit den Fotoobjektiven schöne Fotos machen. Das beste Teil ist jenes, welches auch häufig verwendet wird. Allerdings solltest Du noch einen Augenmerk auf den Fokus legen. er ist nicht hundertprozentig getroffen. Ich weiß, es ist eine Spielerei, egal ob am Objektiv oder am Teleskop. eine Bahtinov Maske wir Dir sicher gute dienste leisten.

Fazit: Besser geht immer; mach weiter, lerne und sammle Erfahrung. Der Rest kommt mit der Zeit. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

So nebenbei: mein erstes Astrofoto, noch mit Film, war .... naja.
CS aus Wien
Grüße Niki
Wienviertler
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von Wienviertler »

Hallo Niki!

Danke für das Feedback. Tatsächlich ist mein Schwarzpunkt komplett schwarz, habe aber dazu bei den Curves immer wieder den Gesamtwert nach rechts gezogen um das ganze graue Rauschen weg zu kriegen. Du hast aber recht, es sieht unnatürlich aus. Auch meine Sterne driften alle ins Rot hinein, das macht es nicht natürlicher.
Mir ist heute erst aufgefallen, dass ich keine Darkframes gemacht habe. Und wenn die Gesamtbelichtungszeit zu gering ist, habe ich eventuell zu viel versucht, Farben aus dem Bild zu kitzeln.

Danke für die Manöverkritik!

Beim schnellen bearbeiten meines Bildes glaubst du, es wäre noch viel mehr drinnen in der Nachbearbeitung oder sollte ich das jetzt sein lassen und lieber beim nächsten Mal deutlich mehr Belichtungszeit sammeln?
Das mit dem Fokus ist so eine Sache. Ich habe das Gefühl, dass mit der Zeit die Fokussierung nachgelassen hat. Muss ich das regelmäßig nochmal prüfen wenn es kälter wird z.B.?
Weil die ersten Bilder sind top im Fokus und ab Bild 40 wird es dann irgendwie nicht mehr ganz gestochen scharf.

Nochmal, danke für das Feedback und fürs selber bearbeiten von meinem Original-Bild!
LG, Bernd
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TONI_B
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von TONI_B »

Niki hat ohnehin schon die wichtigsten Punkte erläutert.

Ja, die EBV in der Astrofotografie ist herausfordernd - daher gibt es auch Spezialsoftware dafür. zB. PixInsight, welche zwar nicht kostenlos ist, aber immer noch billiger als PS.

Das Zoomobjektiv ist auch nicht wirklich gut geeignet, weil die Abbildungsqualität speziell in den Bildecken nicht gut ist und zudem f/4,5 sehr lichtschwach ist. Und die Fokussierung über einen schmalen Fokusring kann kaum gut gehen.

Am besten eignen sich manuelle Fixbrennweiten. Das Samyang 2/135mm ist ein hervorragendes Objektiv zu einem relativ geringen Preis. Da wandert der Fokus im Laufe einer Nacht nicht und es liefert bis in die Bildecken sehr schöne Sterne.
lG
TONI


TS 12"RC; Skywatcher ED120, Esprit 100, Lacerta ED72, EQ8, EQ5, SA; Sony A77II, Sony A7(mod), Sony Nex5(mod), Sony A7r(mod), SonyA7s(mod), ASI174MM, ASI120MM-S, ASI185MC, ASI071C-cool; ASI 2600MC
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nonsens2
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von nonsens2 »

Hallo Bernd!

In Deinem Fall würde ich eher meinen, dass Du, sofern Du keine neuen Bilder machen kannst, die Einzelbilder noch behältst, in den Exif Daten die Temperatur raussuchst und unter ähnlichen Bedingungen noch Darks und eventuell noch Flats dazu legst. Die korrekte Brennweite findest Du ebenfalls in den Exif Daten. Nachdem Du die Einstellungen am Objektiv beendet hast solltest Du die Ringe mit Klebestreifen sichern.
Ich selbst verwende die Kombo Siril und Gimp, beide im Netz erhältlich. Astrophotocologne bietet eine gute Einführung in Siril auf Youtube. Solltest Du Dir reinziehen und mit diesen Daten, sofern Du keine neuen machen konntest, einmal die Materie kennenlernen. Mein Wissen kommt vorwiegend aus den Youtubekanälen.

Viel Spaß beim Experimentieren und lass Dich von Rückschlägen nicht entmutigen. Die gehören dazu.

Wenn Du noch Fragen hast, dann nur her damit.

PS: wenn Du die Q und D Version ansehen möchtest, kann ich sie Dir gerne zukommen lassen, am einfachsten per Mail.
CS aus Wien
Grüße Niki
Wienviertler
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von Wienviertler »

Und wieder, danke für die Tipps!
Das 135er Samyang ist für low budget schon wieder ein größerer Schritt, ich dachte eventuell an ein 50mm als erstes fix-objektiv um damit ganze Sternbilder zu fotografieren.
Exif-Daten von den Einzelbildern enthalten die Temperatur zum Aufnahmezeitpunkt? Mal googlen wie ich die auslesen kann :oops: Dann könnte ich also heute Nacht mal paar Darks und Flats versuchen.
Klebeband wäre eine Idee, reicht da so ein krepp-Klebeband aus oder lieber etwas stärker klebendes? Nicht dass ich das Objektiv ruiniere.
Siril habe ich noch nie gehört, das schau ich mir an wenn die kids schlafen. Danke für den Tipp!
Deine Schnellversion würde ich gerne sehen, ich schick dir eine PN mit meiner Mailadresse.

Ich lass mich sicher nicht schnell entmutigen, mir ist ganz klar, dass Astrofotografie eine Kunst ist, die man erst erlernen muss.
:)
Liebe Grüße
Bernd
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nonsens2
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von nonsens2 »

Hallo Bernd!

Das Bild ist unterwegs zu Dir.
Bezüglich Klebeband reicht einfaches Krepp aus. Man kann es nicht öfter verwenden, soll aber nicht das Problem sein.
An Deiner Stelle Würde ich mit dem was Du hast einfach loslegen, einmal Erfahrung sammeln und dann ergibt sich was Du in weiterer Folge verwenden möchtest. Man soll nicht am Hobby arm werden. Mit dieser Methode wird die Möglichkeit eines Fehlkaufes deutlich minimiert.
Das 28-105 hat leider am Rand eine deutliche Komabildung (Sterne werden auseinander gezogen und sehen wie Kometen aus). Dem kann man teilweise begegnen indem man das Bild beschneidet. Wien weit ist natürlich Ermessenssache.
CS aus Wien
Grüße Niki
CoffeeStar
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von CoffeeStar »

Hallo Bernd!
Ich fange auch erst an und habe daher schon viel recherchiert.
Gestern habe ich ein tolles Einsteigervideo gefunden wo mal so richtig knackig, ohne unnötigem blabla von a-z alles zum Thema Astrofotographie erklärt wird. Ab 26:38 min dann seeeeehr intensiv anhand eines Beispieles alle Einstellungsmöglichkeiten bei der Bildbearbeitung. Speziell die Graduationskurven, arbeiten mit Maske, den von Niki erwähnten Schwarzpunkt, Weißabgeleich...Grau...etc... das war für mich bis jetzt das lehrreichste Video dazu:

https://youtu.be/xFXQ-ocnDsY

Viel Spaß! Joey
Wienviertler
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von Wienviertler »

Hallo Joey, vielen Dank für das Video! Was mir bei der Bearbeitung auffällt ist, dass dort schon bei sehr viel weniger stretching bereits wesentlich bessere Resultate zu sehen sind. Das liegt wohl ganz eindeutig an der Qualität des Ausgangsprodukts: dem gestackten Bild.
Spannend war das "nächste" VIdeo, dass mir von Youtube vorgeschlagen wurde: 1 Jahr Astrophotographie als Hobby
https://www.youtube.com/watch?v=9c1MZ_PSyyw

Und da sehe ich schon ganz viele Gemeinsamkeiten mit meinen Anfängen und dem total verpixelten überarbeiteten Bild. Fazit: Mehr Zeit unter den Sternen verbringen, dann wirds schon werden.

LG, Bernd
Lateralus
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von Lateralus »

Hallo Bernd,
1.) brauche ich einfach mehr Belichtungszeit als "nur" 27 Minuten wie bei diesem Bild.
Du brauchst generell mehr Belichtungszeit, eine halbe Stunde ist schon recht wenig in der Astrofotografie.
Es ist aber auch wichtig wie diese Belichtungszeit zustande kommt. Es ist nicht das Gleiche ob du 30x 1 Minute oder 3x 10 Minuten aufnimmst.
Erst wenn du bei einer Einzelbelichtung mit dem Photonenrauschen deutlich über dem Kamerarauschen liegst, ist es egal ob du noch länger aufnimmst oder mehrere Aufnahmen machst.
Man spricht dann davon, dass deine Einzelbelichtung "hintergrundlimitiert" ist. Wenn das zB bei einer 3 Minuten Aufnahme der Fall wäre, wäre es egal ob du 10x 3Minuten oder 5x 6Minuten aufnimmst.
Du kannst dir das so vorstellen: Das Messgerät (die Kamera) darf nicht mehr rauschen als das zu messende Signal (der Himmel).
Mit 25s Enzelbelichtungen bist du bestimmt noch nicht hintergrundlimitiert. Man kann trotzdem so fotografieren und bekommt ein Ergebnis das gar nicht schlecht ist. Trotzdem sollte man diese Sache im Hinterkopf behalten um sich zu verbessern. Ich glaube meine erste M31 war schlechter ;-)


2.) ob es einfach an meinen Fähigkeiten mit GIMP scheitert - das gestackt BIld könnt ihr hier prüfen: https://we.tl/t-E44GaSEZ2q
Ich befürchte die Antwort ist ja ;-)
Man könnte hier schon noch etwas rausholen, aber ich muss auch sagen dass das Rohmaterial nicht viel hergibt.


3.) Brauche ich ein besseres/ordentliches Objektiv bzw einen kleinen Refraktor?
Definitiv, die Sternabbildung deines Zoom-Objektivs ist nicht gut. Generell sollten Zoom-Objektive vermieden werden.
Es gibt bestimmt paar Canon-L Ausnahmen, aber das hat dann Nichts mehr mit low budget zu tun. Daher würde auch ich dir zu einer Festbrennweite raten.

4.) Sollte ich EUR 20,- für einen Objektivwärmer in die Hand nehmen
Das schadet bestimmt nicht.

LG,
Michael
franky999
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von franky999 »

hallo Bernd,
zum Thema: Photoshop / Gimp:

es gibt noch immer die freie Version Photoshop CS2; ist von Adobe offiziell freigegeben. Ich arbeite noch immer mit dieser veralteten Version, da ich mit Gimp nie richtig vertraut wurde.

Ein bisschen herumsuchen im Internet sollte Dich zum Download führen. Ein Registrierung ist nötig, soweit reicht meine Erinnerung noch.
ED APO 72-432,Newton 8 zoll, Canon 77da, HEQ5
Wienviertler
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von Wienviertler »

Hallo an alle! Danke für die vielen Tipps. Ganz besonderen Dank an Niki, den ich auf einen Kaffee oder zwei einladen durfte um mir ein paar Tipps zu geben bezüglich Nachbearbeitung.
Zunächst habe ich mir mal einen Objektivwärmer besorgt und es funktioniert wunderbar. Das Problem wäre mal gelöst.

Michael/Lateralus hat natürlich recht, dass ich eigentlich ein anderes Objektiv bräuchte, allerdings wenn ich mir um ~450 Kröten ein Sigma 135mm Objektiv kaufe, könnte ich um den gleichen Preis in kleines APO mit 450mm bekommen, bei dem das Fokusieren dank 1/10 Auszug sicher einfacher wäre. Mal sehen, vielleicht kommt überraschender Reichtum im Sommer auf mich zu.
Ich habe auch nun ein paar Bilder von M45 gemacht und da konnte ich mit 2' 30'' Belichtungszeit pro EInzelbild einiges herausholen, dadurch ist auch das Rauschen weniger geworden.
Mit den neu gelernten Skills in der Nachbearbeitung habe ich auch mein ursprüngliches Bild noch einmal verbessern können. Sobald dieser sinnlose Mond mal wieder weg ist, werde ich noch ein paar Bilder machen und die Belichtungszeit erhöhen.
Ich hoffe, das neu bearbeitet Bild gefällt euch besser und ich freue mich auf weiteren Input!

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nonsens2
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Re: Budget Astrofotographie

Beitrag von nonsens2 »

Tipps gebe ich gerne. Auf jeden Fall den Mond nicht beleidigen!! Der sorgt für unser soweit stabiles Klima als dass er die Erdachse stabil hält. Ohne ihn hätten wir ein raueres und äußerst instabiles Wetter mit extremeren Temperaturen.
Spaß beiseite, sieht auf jeden Fall gut aus.
zum Thema Apo vs. Objektiv. Je mehr Apo, desto mehr wird der Unterbau/Nachführung belastet. Da wird es mit einem Tracker eng. Besonders Deiner wird es eher nicht mehr tragen.
CS aus Wien
Grüße Niki
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