Äquatorialplattform

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Dirk
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Äquatorialplattform

Beitrag von Dirk » 21.02.2012, 23:00

Hallo Leute!

Nach längerer Planung hab ich endlich meine EQ-Plattform für meinen 8" Dobson fertig. Das Resultat ist eine Konstruktion aus rostfreiem Edelstahl. Der erste kurze Test ist erfolgreich verlaufen. Jupiter ist bei 150-facher Vergrößerung nach kurzer Drehzahleinstellung 20 Minuten lang mittig im Blickfeld geblieben. Dabei hab ich die Plattform ohne Kompass einfach grob nach Norden hingestellt. Muss noch einen Langzeittest machen. Dann hab ich meine EOS mit Stativ draufgestellt und war erstaunt wie gut das auch fotografisch funktioniert. Natürlich hat das nichts mit einer guten parallaktischen Nachführung mit Guiding zu tun aber auch nach knapp 3 Minuten Belichten bleiben die Sterne rund. Wie dem auch sei - für visuelle Zwecke ist das echt komfortabel das Teleskop nach dem Fokussieren nicht mehr angreifen zu müssen. Trotzdem bleibts ein Dobson mit allen Vorteilen.

Bild
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Diese Aufnahme entstand beim ersten Test...also bitte nicht schimpfen. Bin ja auch kein Profi. Soll nur zeigen wie die Plattform ohne richtiger Einstellung nachführt. Aufnahmedaten:
EOS 500d, Canon 18-135 bei 18mm f/5, 60"


Die Rahmen für Basis und Tisch hat mir ein Schlosser aus gebürsteten Edelstahl-Vierkantrohren zusammengeschweißt. Planung Bohrungen und Anbauteile waren mein Werk. Der Motor ist ein normaler Nachführungsmotor von der EQ1/EQ2 mit integrierter Steuereinheit - sehr praktisch. Die Nordsegmente laufen auf kugelgelagerten Achsen aus rostfreiem Automatenstahl. Das Südlager ist als Zapfenlager ausgeführt. Am Ende der Nachführzeit legt eines der Nordsegmente einen Schalter um der den Motor ausschaltet. Die Rückstellung geht ruck-zuck: Feststellschraube lösen - zurückschwenken - Schraube festdrehen...ohne Werkzeug natürlich. Ohne Werkzeug funktionieren auch die 3 Höhenverstellungen an der Basis die zum Nivellieren dienen. Die Zentrierungen sind so konzipiert, dass der Dobson ohne Modifikation einfach draufgestellt wird.

Die ganze Plattform ist 10 cm hoch und wiegt 4,4 kg. Ausgeführt ist sie mit vertikalen Nordsegmenten aus 4mm Alublech. Die Maße stammen übrigens von Reiner Vogel.

Ein bisserl Kosmetik (Verkabelung usw) muss halt noch passieren.

Meine Ausführungen sollen die anderen Dobsonauten hier motivieren sich auch eine Plattform zu bauen bzw zuzulegen. Ist echt eine coole Sache!

Liebe Grüße
Dirk
8" Skywatcher Dobson
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Gerold
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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von Gerold » 22.02.2012, 00:12

Hallo Dirk !

Also Hut ab vor deinem Bastlergeschick !
Hab schon paar solcher ähnlichen Plattformen gesehn, aber deine scheint ja wirklich
genau zu arbeiten. Mich stört zwar das nachschubsen nicht besonders, aber viel gemütlicher
ist sicher deine Plattform und in Verbindung mit einem 70 - 80 Grad Okular kannst sicher lange beobachten........

Also Respeckt!

mfg Gerold

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nonsens2
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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von nonsens2 » 22.02.2012, 08:11

Hallo Dirk!

Da gibt es nichts zu meckern am Bild. Ist eine Einzelaufnahme, einfach quick and dirty hereingestellt. Mit etwas EBV kann man da sicher noch etwas hineinzaubern. Andererseits kannst Du damit sicherlich mehrere Aufnahmen machen und stacken, dann sieht die EBV auch anders aus. Hier ist sicherlich Potential drinnen. Wie Du selber schreibst soll es ein Versuch zur Funktionalität sein und kein perfektes Bild. Auch der Versuch ist ordentlich gelungen.
Auf jeden Fall gratuliere ich zu Deinem Bastelgeschick. So eine kleine Frage nebenbei: wie hoch waren Deine Investitionen zum Material? Die kommerziellen Teile sind teilweise recht teuer. Dies wäre sicherlich eine Alternative für die low Budget Astronomen unter uns; und in Zeiten wie diesen ..... :( :( .


CS aus Wien
Grüße Niki
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Dirk
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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von Dirk » 22.02.2012, 22:14

Hallo Gerold!

Danke! Wie genau die Plattform läuft muss ich noch rausfinden. Aber für einen ersten Prototypen schauts mal gut aus. Wenn ich das nächste Mal Zeit hab werd ich sie genauer/länger testen.


@Niki

Danke auch dir! Ich bin eh nicht unzufrieden mit meinen ersten nachgeführten Bildern. Werd die Plattform das nächste Mal genauer ausrichten und schauen, dass ich die Geschwindigkeit noch besser dawisch. Mit EBV hab ich (noch) gar nix am Hut. Außerdem hab ich Probleme mit dem Fokussieren, vor allem wenn ich mit der Brennweite raufgehen will. „Unendlich“ am Fokusring führt nämlich zu Donuts. Werd das hier extra mal als Frage posten – da kommen sicher Ideen.

Ich war auch schockiert wie viel kommerzielle Plattformen kosten. Da ist man gleich mal einen knappen 1000er los. Ich wollte ursprünglich Holz verwenden aber das kostet auch alles andere als wenig. Außerdem waren bei allen Holzhändlern die Sperrholz-Muster verzogen. Auch wenn man es dann verstrebt hätt ich kein optimales Gefühl. Deshalb die Idee Metall zu verwenden. Hab mir vorher ausgerechnet, dass ich unter 5 kg bleiben wird…also völlig ok find ich. Bevor ich die Serienproduktion starte muss ich halt noch Tests machen! :wink:

Den Schlosser und das Material hab ich (noch) nicht bezahlt. Wegen eines persönlichen Kontakts kommt wahrscheinlich auch keine Rechnung…was mir eigentlich gar nicht recht ist. Für die Anbauteile hab ich halt nix billiges verwendet. Die 4 Flanschkugellager kosten 20€ - da kann man sicher billigere nehmen. Die Laufrollen hat mir ein Dreher im Ort für ein Trinkgeld gemacht, der Motor kostet 25+5€, die Edelstahlschrauben ca. 20€, und ein paar Kleinteile. Und für Edelstahl muss es ein gscheiter (Kobalt)-Bohrer sein. Also ich sag mal knapp 100€. Wenn man den Schlosser dazurechnet ist das sicher trotzdem noch erschwinglich…und natürlich ein tolles Gefühl wenns dann funktioniert. Verwendet man Stahl und billigere Anbauteile geht’s noch billiger. Aus Alu haut dieses Design glaub ich nicht hin, da brauchts sicher Verstrebungen.

Liebe Grüße
Dirk
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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von nonsens2 » 23.02.2012, 08:08

Hallo Dirk!

Das mit dem Fokussierring auf unendlich zu stellen klappt bei den DSLRs mit Autofokus nicht, da der Ring, im Gegensatz zu früher, den Anschlag nicht auf unendlich hat sonder darüber. Deswegen hast Du Donuts. Ich helfe mir bei meinem 18-55 indem ich die Kamera auf ein Stativ schraube, auf Wien fokussiere und danch den Autofokus und natürlich auch den Bildstabilisator ausschalte und das Objektiv nicht mehr anrühre. Kannst auch einen Klebestreifen draufkleben. Fertig :wink: .


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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von Dirk » 23.02.2012, 22:06

Hi Niki!

Das wusste ich nicht...danke für den Tipp!!! Soll ich auch auf Wien fokussieren? :wink: Weißt du ab welcher Entfernung "Unendlich" ist?

LG Dirk
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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von nonsens2 » 23.02.2012, 22:47

Hallo Dirk!

Bei mir sind es etwa 10km Luftlinie zum Stadtzentrum aus das ich fokussiere. Ich denke, aus meiner früheren Erfahrung in der Analogfotografie ohne AF heraus, bist Du mit einem Kilometer auf der sicheren Seite.


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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von Dirk » 24.02.2012, 20:25

Hallo Niki!

Bei der nächsten Gelegenheit werd ich das ausprobieren - ich dachte echt am Anschlag ist "unendlich". Werd dich wissen lassen obs hingehaut hat! :wink:

Danke und LG Dirk
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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von AchtungHuPe » 26.02.2012, 21:30

Hallo Dirk,

bin neu hier und kann mir leider gar nicht vorstellen wie das funktioniert.
Hast Du ev auch ein Bild wo alles zusammen gebaut ist?

LG Peter

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Re: Äquatorialplattform

Beitrag von Dirk » 04.03.2012, 19:52

Hallo Peter!

So schaut das Ganze "zusammengebaut" aus. Auf die Plattform wird einfach der Dobson - in meinem Fall ein 8" - draufgestellt. Die Kunststofffüße rasten dann genau auf den Köpfen der Zentrierschrauben ein. Das gibt auch den Halt für den Neigevorgang. Da gibts aber unzählige Varianten. Es werden sehr oft zb Teflonpads direkt auf den Plattformtisch montiert und die Bodenplatte der Rockerbox weggelassen.
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Für spezifische Fragen steh ich gern zu Verfügung - für Grundsätzliches (Funktionsprinzip o.ä.) empfehle ich eher die Seite von Reiner Vogel bzw. den Herrn Google.

LG Dirk
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