NGC 660

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Überläufer
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NGC 660

Beitrag von Überläufer » 06.01.2019, 19:09

Da wir alle vom Ausgangspunkt der größten Lichtverschmutzung am Himmel leben, nämlich von der Sonne, kann ich mich schwer darüber beklagen, am Tag keine Aufnahmen zu machen. Auch gegen den Mond lässt sich schwer etwas sagen. Sein Gestein sollte ja so oder so schon der Helligkeit von Asphalt entsprechen. Aber selbst zu Zeiten, in denen bei einem Blick von meinem Balkon beide Himmelskörper unsichtbar sind, merkt man, dass Weihnachten ein Fest des Lichtes ist. Zur dunkelsten Zeit des Jahres setzt die Menschheit ein Zeichen gegen das Dunkle und sendet zum Trotz gegen diese Dunkelheit unzählige Photonen in dieselbe. Viele von ihnen erreichen jedoch nie ihr Ziel, sondern werden recht bald zurückgeworfen - nicht alle zu ihrem Ausgangspunkt. Etliche verfangen sich im Tubus meines Newtons und lassen den Halo von NGC 660 im Photonenmeer schwimmen, ja verschwimmen. Einige Lichtinseln ragen jedoch trotzig heraus aus diesem Lichtmeer, Inseln von Licht, das vor über 20 Millionen Jahren abgesendet worden ist, zu einer Zeit also, als Menschenaffen im frühen Miozän die Erde bevölkerten. Wenn man also mehr als einen Tag - in dem Fall 25 Stunden - sein Teleskop in Richtung von NGC 660 richtet, gerade da, wo die Fische am Himmel schwimmen, kann man tatsächlich einiges bestätigt finden, was Wikipedia und andere Quellen so behaupten. Es ist müßig, hier diese Quellen zu zitieren, die über NGC 660 schreiben, dass sie eine der seltenen Polarringgalaxien ist. Der Polarring ist sichtbar, wenn auch stark geneigt zur Senkrechten auf den inneren Teil der Galaxie. Einige Leute nehmen ja an, dass das Fetzchen, das in meinem Bild ganz unten ist (die irreguläre Galasie IC148), vor etwa einer Milliarde von Jahren die Ursache des Ringes ist. Weiter wird behauptet, dass der Ring ca. 50.000 Lj Durchmesser hat. Ich messe ca. 580", was dann doch etwas über 65.000 Lj entspricht, wenn die Distanz tatsächlich so groß ist und ich mich bei den Winkelfunktionen, die nie meine Stärke waren, nicht vertan haben.
Wenn man sich aber aber auf der NASA-Seite die Daten zu IC148 geben lässt, dann sieht man, dass die Distanz zu uns nur ca. halb so groß ist. Die Galaxie müsste also eigentlich einen Affenzahn draufgehabt haben (94.000 km/s - wenn man mal die Ausdehnung des Raumes vernachlässigt - aber vielleicht habe ich mich da gehörig verrechnet). Für uns zahlt sich ein genauerer Blick auf NGC 660 immer aus, denn sie zählt zu den Starburst-Galaxien. Dort sollte also mächtig was los sein und man sollte eigentlich mit einem "Stay tuned" schließen, ich mache es aber mit meinem Bild.

-Erich
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tommy_nawratil
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Re: NGC 660

Beitrag von tommy_nawratil » 07.01.2019, 01:16

servus Erich,

eine wunderschöne Aufnahme der fernen Weihnachtskerze der ganz besonderen Art. Für mich hat sie jedenfalls was kerzliches. Der Ring und die Details kommen gut raus! Sehr erfeulich sie von dir zu sehen denn ich hatte sie auch schon als Objekt im Hinterkopf - wurde aber nichts draus.

lg Tommy
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Überläufer
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Re: NGC 660

Beitrag von Überläufer » 07.01.2019, 08:50

Gut, dass ich vorher war. Es ist leichter, meine Bilder zu übertreffen als Deine, Tommy ;-). Somit sind Steigerungen leicht möglich.
Ja, so wie sie dasteht, sieht sie wie eine Flamme aus (auch wenn sie für manche auf dem Kopf steht, da auf dem Bild Norden unten ist).

-Erich

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Josef
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Re: NGC 660

Beitrag von Josef » 07.01.2019, 18:26

Hallo Erich!

Super eingefangen, die Belichtungszeit ist aber auch schon eine Hausnummer!

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martinhelm
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Re: NGC 660

Beitrag von martinhelm » 07.01.2019, 18:59

Hallo Erich
Tolles Bild, perfekt im Hintergrund und auch die Sterne sehr ansprechend.
Die Details in der Galaxie sind auch nicht ohne.
Und dann noch Dein Foren-Text, sehr gut!
CS
Martin

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Re: NGC 660

Beitrag von Überläufer » 07.01.2019, 19:59

Vielen Dank, Josef. In diesem Jahr hatte ich viel Glück, denn um Weihnachten versinkt Klagenfurt ab 21:00, 22:00 Uhr im Nebel. Diesmal konnte ich über eine Woche fast jede Nacht nutzen.
Danke auch, Martin. Ich mag halt nicht immer Wikipedia-Texte abschreiben. In dem Fall widersprechen sich die Texte der englischen und der deutschen Ausgabe gewaltig, weshalb ich auch auf die NASA-Seite ging. Noch eine kleine Anekdote dazu: Dort findet man die Papers über die Entfernungsmessung von NGC 660. Je jünger die Daten sind, umso weiter wird die Distanz gemessen - klar: Die Galaxie bewegt sich ja von uns weg ;-).

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