Rasperry Pi mit Stellarmate/Astroberry Server?

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DeeJayD
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Rasperry Pi mit Stellarmate/Astroberry Server?

Beitrag von DeeJayD » 03.04.2019, 00:17

Hallo liebe Sternfreunde :D

Hat hier schon jemand Erfahrungen mit der Teleskop-/Kameraaufnahme Steuerung und einem der beiden im Titel genannten vorinstallierten Betriebssystemen mit diesem KStars-Ekos gesammelt generell oder im speziellen im Zusammenhang mit einem Android Handy und Tablet?

Mir geht es darum den USB Kabelsalat gänzlich zu entfernen und auch den Equipment Umfang zu reduzieren was sich mit dem Rasperry Pi ja gut machen lässt wenn man ihn einfach oben auf dem Teleskop montiert. Bei meiner EQ5-Goto und dem 150/750Newton wären das 30cm Kabel zur Guidecam, 50cm zur Eos,1,2m zur Montierung und noch 1,5m Stromversorgung für den Rasperry (Zum Vergleich jetzt habe ich 2x5m und 1x4m USB-Kabel von Guidingcam, Eos und Montierung zum Notebook und ein 4m Stromkabel von der Batterie zum Notebook).
Im Prinzip sollen alle Kabel weg die von dem Teleskop wegführen und auf denen man dauernd drauf rumsteigt oder auch drüber stolpern kann im Dunkeln.

Natürlich könnte ich auch einen Aktiven USB-Hub über die Batterie mit Strom versorgen aber damit bringe ich nur 2 der langen Kabel aus dem Spiel.

Mit dem Rasperry hätte ich dann eigentlich kein Kabel das von dem Teleskop weg in irgend eine Richtung geht da ja der 12v Akku unter der Montierung steht und diese und den Rasperry mit strom versorgt. Die Eos hat ihre eigenen Akkus.

Und natürlich ein ist Tablet auch "Pflegeleichter" als (m)ein 14" Notebook sprich kleiner, leichter und hält mit einer kleinen 10000er Powerbank auch die ganze Nacht durch.

Mit Linux hatte ich schon das vergnügen und für den Rest gibt es ja Google.
Es ist mir auch bewusst das ich mit dem Rasperry nicht im Feld anfangen brauche die Bilder zu Stacken usw. aber das habe ich bisher auch immer am großen Pc Zuhause gemacht weil der große Bildschirm und die viel größere Rechenkapazität da ein sehr großer vorteil sind.

Gibt es da Probleme mit dem Rasperry wegen der im vergleich zum Notebook doch eher begrenzten Rechenleistung oder meistert er Autoguiding und Eos/CCD/Goto Steuerung ohne Probleme?

Lg und CS
Danny
Pentaflex Newton 150/750
Canon Eos 450D + ASI 120MM
iOptron CEM25P

DeeJayD
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Re: Rasperry Pi mit Stellarmate/Astroberry Server?

Beitrag von DeeJayD » 15.05.2019, 17:34

Aloa :D

Als ich letzte Woche an einer Pyramide von Rasperrys im Conrad vorbeigegangen bin konnte ich nicht widerstehen und hab mir einen Rasperry Pi 3B+ mit Kühlkörperset, Gehäuse und RTC-Modul (Real Time Clock) gekauft (Alles zusammen 55€).
Zu meiner Überraschung war bei der Hauptplatine noch eine 16GB MicroSD mit einem Betriebsystem (Raspian hies das glaube ich auf Ubuntu basierend) dabei. Es lässt sich auch eine abgespeckte Win10 Version installieren was ich aber noch nicht ausprobiert habe.

Da ich mich im Vorfeld ein bisschen in US Foren schlau gemacht habe über Astroberry und Stellarmate, dort sind diese Systeme anscheinend ein bisschen verbreiteter als in Europa habe ich mich für die Vorkonfigurierte aber auch Kostenpflichtige Stellarmate OS Variante entschieden (49USD = sind ca. 45€)

Ich hatte noch eine 64GB MicroSD die schnell genug ist hier liegen und habe dann das Stellarmate OS mithilfe einer Freeware auf die MicroSD kopiert. Diese musste vorher auf FAT32 formatiert werden was unter Win10 auch nur mit einem anderen Freeware Programm möglich war (Alles über 32GB will Win10 nur exFat formatieren)

Zum ersten einrichten habe ich den Rasperry an meinen Monitor angeschlossen und meine Tastatur und Maus rangehängt.
Stellarmate und Astroberry gibt es derzeit nur in Englisch und ein paar anderen Sprachen (Kein Deutsch) aber z.b. die Haupt-Steuerungssoftware KStars/Ekos kann auf Deutsch umgestellt werden. PHD2 kann komischerweise nicht auf Deutsch gestellt werden.

Als erstes muss man den INDI Server konfigurieren und Starten das geschieht mittels Browser und ist recht einfach nach ca. 5 min hatte ich es dann komplett verstanden und eingestellt. Nach kurzer suche war ich dann schon bei den Netzwerk Einstellungen und konnte den Hotspot bzw. Client mode (auch Ad-Hoc war möglich) konfigurieren. Man kann auch mehrere Verbindungstypen konfigurieren und Speichern um schnell zwischen Hotspot und Client mode umschalten zu können.
Aus neugier habe ich dann mal noch einen Standard 2,4g WLAN Stick angeschlossen und konnte 2 verschiedene WLAN Hotsports gleichzeitig aktivieren (Keine Ahnung wofür das gut sein soll ich experimentiere nur gerne :D )

Als nächstes habe ich meine Bluetooth Tastatur und Maus verbunden bei meiner Tastatur war es ein bisschen tricky lag aber an der Tastatur (Logitech K810) und ist ein bekanntes Problem aber per Kommandozeilen ging es dann auch.

Nun wurde KStars gestartet und lies einen erst mal eine Einrichtungsroutine durchlaufen, diese war in Englisch keine Ahnung ob ich das schon dort hätte irgendwo auf Deutsch stellen können.
In KStars startet man dann Ekos die eigentliche Steuerungs- und Aufnahmesoftware. Dort stellt man dann auch die verwendete Hardware ein.
In meinem Fall EQMod Mount - Canon EOS DSLR - ZWO ASI CCD.
Für die Montierung musste ich noch den Seriellen/USB Port zuweisen was über das INDI Control Panel auch in 30sec. erledigt war. Es funktionierte auch mit dem Synscan Wifi Adapter aber da waren weitere Einstellungen am INDI Server notwendig.
Dann verbindet man und muss noch kurz in einem Popup Fenster einmalig Auflösung und Pixelgröße der Canon eingeben.
Als Guiding Software kann man die Ekos eigene, PHD2 oder Linguider verwenden (Letzterer scheint nicht installiert zu sein und muss wohl seperat installiert werden, PHD2 war vorinstalliert) GIbt sicher noch andere Guiding Software für Linux aber PHD2 und Linguider lassen sich komplett aus Ekos raus steuern. PHD2 sieht genauso wie die Win10 Version aus und auch die Einstellungen sind die selben.

Die Aufnahmesoftware ist am Anfang kurz gewöhnungsbedürftig wenn man APT gewohnt ist aber leicht verständlich aufgebaut.
Im Prinzip kann man alles was man in APT einstellen kann auch in Ekos einstellen sofern es nichts Betriebssystem Spezifisches ist aber ich finde APT vom aufbau her ein bisschen Komfortabler aber nach ca. 3h Experimentiererei kam ich mit Ekos annähernd genauso gut zurecht.

Aufgrund der Wetterlage die letzten tage war ich bisher nur in der Lage "Trockenübungen" zu machen also in der Wohnung bzw. durchs Fenster auf einen ca. 200m entfernten Kirchturm.

Die Ausrichtung der Montierung funktioniert so wie ich es verstanden habe das man über die Planetariumssoftware KStars ein Objekt anfährt und die Software dann mit der Haupt oder Guiding Kamera ein Kurz belichtetes Foto macht (Kann man nach eigenen Geschmack einstellen) das wird dann mit einer Datenbank abgeglichen und die Software lässt die Montierung dann die Differenz ausgleichen.
Wie lange die Prozedur gesamt dauert und wie oft Belichtet und abgeglichen wird kann ich leider noch nicht sagen, so wie ich das verstanden habe gibt es auch eine Offline Datenbank aber das muss ich alles erst Live Probieren.
Es gibt noch eine andere anscheinend schnellere und Präzisere Methode aber da braucht man eine Weitwinkel Kamera/Objektiv mit mindestens 10 optimaler weise 60 Bogenminuten Bildfeld.

Wie gesagt Mangels freiem Himmel konnte ich diese Funktionen noch nicht Live Testen. Ebenso wenig kann ich bisher sagen wie gut der Ekos eigene Guider funktioniert als auch wie gut PHD2 am Rasperry im vergleich zu Win10 läuft.

Bei der Hardware lies sich sowohl der MGEN als auch der Lacerta Motorfocus auswählen was mich annehmen lässt das die beiden Geräte auch über INDI angesteuert werden können. Mangels MGEN und Motorfocus konnte ich das bisher aber nicht Testen.

Die Kamera Steuerung funktionierte zumindest bei den "Trockenübungen" sowohl mit der Eos als auch mit der ZWO CCD einwandfrei und ohne Fehler. Die Übertragung der Raw Bilder nach jeder Belichtung/Foto der Eos dauert einen kleinen Tick länger als bei WIn10 aber das liegt wohl eher an den verwendeten Speichermedium (MicroSD 38MB/19MB Lesen/Schreiben laut Benchmark Test) sollte also mit einer etwas Flotteren MicroSD wieder ausgeglichen sein.
Man könnte auch eine SSD an den Rasperry anschließen aber da diese selbst fest eingebaut/verbunden durch USB2.0 Limitiert ist bringt das außer evtl. einen Großen Speicherplatz nichts. Da eine Fest eingebaute/verbundene SSD mit Linux Dateisystem Ext4 formatiert ist kann man sie auch nicht so ohne weiteres an einen Windows Rechner anhängen/auslesen.

Es gibt dutzende weitere Möglichkeiten Hardware anzuschliesen und zu steuern wie Dome Control, Adaptive Optik, Motorfocus, Filterrad, Flatfield-Box usw. was man halt auch schon von ASCOM kennt.

Die Verbindung mit dem Tablet/Handy/PC kann entweder über Teamviewer hergestellt werden oder über mittels Browser über VNC (Virtual Network Computing).
Ich bevorzuge am Tablet die Teamviewer Variante weil das Tablet in dem Fall nur als Wifi Bildschirm dient und ich alles mit der mit dem Rasperry oder auch mit dem Tablet verbundenen Bluetooth Tastatur/Maus steuern kann (Je nach dem wie weit man vom Teleskop weg ist).
VNC funktioniert am Tablet nur in der Touch variante das heißt man sieht keinen Mauszeiger.
Über PC sind Teamviewer Verbindung und VNC Verbindung gleichwertig zu Steuern mit Tastatur/Maus.

Da ich gleich wissen wollte wie hoch ungefähr der Stromverbrauch ist habe ich es gleich von Anfang an meine 16000er Powerbank angehängt. Nach knapp 8h Nutzung ist die Powerbank unter 25% gesprungen bin mal gespannt wie es im Feldeinsatz aussieht aber ich vermute das da der Stromverbrauch im gesamten niedriger ist.
Theoretisch brauche ich jetzt nur noch meine 2 16000er Powerbanks für Rasperry und Tablet weil die Montierung hängt eh direkt an der Autobatterie dran. Die Eos wird mit Batteriegriff versorgt kommt aber auch bald noch mit an die Autobatterie bzw. 12V Netzteil mit dran.

Am Wochenende soll es ja mal 1-2 Nächte freien Himmel geben auch wenn Vollmond ist reicht es dennoch für ein paar Praxis Tests auf der Dachterrasse.

Ich werde weiter berichten wenn ich das ganze in der Praxis testen konnte und ich sowohl den Stromverbrauch als auch die Leistung und Bedienbarkeit dort besser beurteilen kann, und falls es doch nicht passen sollte geht´s halt mit Laptop und Kabelwirrwar weiter :P

Lg und CS
Danny
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