Testbericht zur iOptron CEM 26

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Niko
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Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von Niko »

Hallo Leute!

Nach 12 Monaten Wartezeit ist endlich meine iOptron CEM 26 letzte Woche angekommen.-Juhu!
Beim Auspacken des Equipments fallen einem gleich die Unterschiede zu einer Skywatcher Monti auf.
Das LiteRoc Stativ ist gut verarbeitet, besonders möchte ich die Klemmung der Stativbeine hervorheben.- Die haben einen ordenlichen Hebel zum festklemmen.
Leider lässt sich bei meinem Stativ der Nordfuss nicht ordenlich festklemmen, ist vermutlich ein Produktionsfehler und wird mir von TS auch ausgetauscht.- Das Nachrutschen vom Nordfuss hab ich kurzerhand mit einem Schlauchbinder gesichert womit das testen weitergehen kann.
Es befinden sich auch Schwingungsdämpfer an den Füssen des Statives. Ist von Vorteil auf befestigten Plätzen, aber in der Wiese komplett nutzlos.
Die Schwingungsdämpfer sind mittels Scharnier an den Füssen befestigt-da muss man peinlich genau achten diese Scharniere 120°zueinander auszurichten, da man sonst nicht satt am Boden aufliegt...das nervt etwas.
Aber es soll zwei verschiedene Stative geben. Eines mit und eines ohne Dämpfer.

Nun zur Montierung selbst-
iOptron hat hier wieder ein neues System erfunden um die Polhöhenwiege der Monti auf dem Stativ zu montieren.
Es sind nun zwei M6 Schrauben links und rechts an der Basis anzuschrauben, was mit dem mitgelieferten Imbusschlüssel kompliziert einzuschrauben ist.
Ich hab mir da mit einem Bitschraubendreher mit flexibler Welle und 4mm Bit Abhilfe geschaffen und ist somit für mich kein Thema mehr.
Die Achsen sind sehr sauber und leichtgängig gelagert, sie schwingen mit gelöster Achse sehr schön.
Die Hebel der Achsenverriegelung sind eher klein ausgefallen- im Sommer OK im Winter mit Handschuhen eher schwer zu greifen .- auch kein Problem, die sind mit einer Imbusschraube befestigt. Daher schnell den 4mm Bit auf den 2,5mm Bit getauscht und die Achsen lassen sich dann ganz gut mit dem Bitschraubendreher öffnen und schliessen.
Die an der Montierung befindliche Dosenlibelle ist meines Erachtens auch nur, wie so viele, als Dekoration zu gebrauchen.
Daher empfiehlt sich vorher immer das Stativ auszuwiegen und dann die Montierung darauf zu befestigen.

Das Einnorden war für mich einer der Hauptgründe für den Kauf dieser Monti.
Zwar wie gewohnt für links/rechts die zwei Schrauben, aber für rauf/runter eine grosse Schraube.
Das Justieren fällt jetzt viel präzieser als bei meiner EQM35 aus.
An meinem Modell vermisse ich das Feature, die Gegengewichtsstange hochklappen zu können. Wenn man also viel leichtere Optiken als die WO Redcat auf der Monti hat, steht man an der Einstellschraube der Polhöhe mit dem mitgelieferten Gegengewicht an.
Hier wäre ein schlankeres, dafür längeres Gegengewicht besser gewesen.
Zudem hab ich mir die Version mit einer iPolar bestellt. Auch dieses ist sehr einfach gehalten und leicht zu bedienen.- ich liebe die iPolar schon.

Die Handbox fällt etwas kleiner als die von Skywatcher aus, liegt aber wesentlich besser in der Hand.
Die Menüführung ist schlicht, aber man findet sich sehr schnell zurecht.
In der Auswahl der Objekte finden sich sogar ein Asteroidenkatalog, ein Abell Katalog, ein Herschel Katalog und es sind sogar einige Kometen voreingestellt, damit man sie direkt anfahren kann.
Wenn man viel damit Mobil unterwegs ist, empfiehlt sich ein iOptron GPS Modul. Sehr praktisch und man erspart wieder einige Minuten zur manuellen Eingabe der Daten in die Handbox.

Wenn man mit einem grösseren Apo auf dieser Monti arbeiten will, empfehle ich eine kleine Säule zwischen Stativ und Montierung zu plazieren. Die verringert das Risiko mit der DSLR oder gekühlten Astrokamera, an einem der Beine vom Stativ während der Belichtung im Zenit, anzustossen.

Zur Performance:

Der erste Test wurde mit einer William Optics Redcat belichtet. 250mm Brennweite, abgeblendet auf f5,2-mit einer modifizierten Canon 60D.
Es waren Belichtungszeiten von bis zu 6min unguided möglich, darüber hinaus verformten sich die Sterne zunehmend.
Danach wurde mit dem Mgen geguidet, da hab ich nach 10min Einzelbelichtung abgebrochen, weil immer perfekte Sterne abgebildet wurden.

Der zweite Test wurde mit einem Skywatcher Esprit 100 (550mm Brennweite, f5,5) und einer Canon 60D gemacht.
Die Beladung der Montierung war etwas über 6kg. (ist übrigens mein zweiter Grund für die Monti gewesen)
Hier waren dann max 2 min Unguided für runde Sterne möglich.-Beachtlich für eine Montierung, die selbst nur 4,5 kg wiegt!
Auch danach wurde der Mgen aktiviert und Lights mit 4,6,8,10 und 12 min belichtet.
Auf JEDEM der Lights waren perfekt runde Sterne zu finden- kleine wie große!
Ein grosses Lob an den Hersteller!


Als Fazit würde ich sagen, es ist eine tolle Montierung mit Abschlägen, die sich aber mit etwas know how in die Luft auflösen.
Ich habe hier die Version C26AC3 iOptron CEM 26 mit 1,75"LiteRoc Stativ, iPolar und Hartschalenkoffer erstanden.
Der Preis schlägt sich zur Zeit mit 1231€ zu Buche, aber ich finde ihn für diese Montierung mehr als angemessen.
Das GPS Modul kostet ca120-150€, die Säule ist noch nicht lieferbar, kostet voraussichtlich ca 100€. Je nachdem wo man kaufen will.
Genaue Daten zur CEM26 verlinke ich euch auf die iOptron Seite.https://www.ioptron.com/product-p/c262a3.htm
Fotos vom Test könnt ihr euch auf meinem Onedrive hier ansehen.

LG Niko
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Gernot
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von Gernot »

Danke für den ausführlichen und interessanten Bericht Niko : )

Ist diese Montierung das Gegenstück zur HEQ5 Pro?

LG Gernot
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DeeJayD
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von DeeJayD »

Hallo Niko,

netter erster Eindruck zur 26er 8)

Die CEM26 hat doch Wifi kannst da nicht wie bei Synscan Wifi von Skywatcher per App vom Smartphone GPS und Datum übertragen auf die Montierung? Würde den GPS Dongle ersparen.

Bei meiner 25er hat sich vor ca. 2 Monaten das GPS Modul verabschiedet muss im Moment alles Manuell eintragen aber ist schon ne neue Platine mit dem GPS Modul am weg zu mir (zum glück 5 Wochen vor Ablauf der Garantie) :lol:

Gernot hat geschrieben: 12.09.2021, 15:42 Danke für den ausführlichen und interessanten Bericht Niko : )

Ist diese Montierung das Gegenstück zur HEQ5 Pro?

LG Gernot
Hallo Gernot,

Ich würde eher die GEM28 von iOptron als Gegenstück zur HEQ-5 sehen.
Die kleineren CEM Montierungen (25/26er und 40er) sind eher Suboptimal für Newtons (Es geht aber, nutze die 25er auch mit 5" und 6" Newton) da man die Kamera nicht nach Unten sondern nach Oben Hängen muss da sie sonst ans Motorgehäuse anschlägt. Wenn man die Kamera seitlich anbringt bekommt man sie nicht richtig ausbalanciert was bei der 25er und denke auch bei der 26er recht wichtig ist. Für Refraktoren, Mak´s und SC´s aber super.

LG
Danny
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Niko
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von Niko »

Hallo Gernot und Danny,

Danke, dass mein Test auch gelesen wird.
Ich hoffe auch nichts ausgelassen zu haben, was ich getestet hab.

@Gernot:
Wie Danny schon schieb, wäre das Gegenstück zur HEQ 5 wäre die GEM28. Die Spielen beide in der selben Gewichtsklasse.
Die CEM (Center Balanced Mount) ist ein neues Design. Da gab es ja schon das Modell 25 und 25p mit und ohne Encoder davon.

@Danny:
Gut dass du den Wifi Punkt ansprichst- Das habe ich in den nächsten Wochen mal vor.
Soweit ich das mitbekommen habe, braucht man da dann den iOptron Commander Treiber.

Kamera seitlich beim Newton würde auch gehen, aber nur wenn man gegenüber der Kamera das selbe Gewicht montiert. Da würde sich das Leitrohr anbieten...

Bin auch gerade am Basteln eines Säulenadapters von einer EQ5 Base auf die neue iOptron Base.
Dann kann ich nämlich mein EQ5 Berlebach Stativ behalten. 8)

LG und CS
Niko
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von DeeJayD »

Niko hat geschrieben: 13.09.2021, 20:03
Kamera seitlich beim Newton würde auch gehen, aber nur wenn man gegenüber der Kamera das selbe Gewicht montiert. Da würde sich das Leitrohr anbieten...
Es ist ja nicht nur die Kamera die da hängt, der GPU wiegt auch 300g, dann noch der ZWO EAF auch mit ca. 300g und die EOS ca. 500g dann noch der Kleinkram wie Bajonett und Filter bist schon bei ca. 1,2Kg. Streng genommen muss man ja auch noch das Gewicht des OAZ mit hinzurechnen.
Mein Leitrohr (32/130) wiegt mit Heizmanschette und Kamera nur ca. 400g :P

Aber es funktioniert auch mit Kamera nach oben ganz gut 8)

LG
Danny
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von Niko »

Liebe Forumsgemeinde!

Jetzt kann ich euch endlich ein Bildergebnis vom ersten Test präsentieren.
Das Setup bestand aus der iOptron CEM26, Skywatcher Esprit 100 geguided mit Mgen2 und einer originalen Canon EOS 60Da.
Als Belichtungseinstellungen hab ich mich für ISO 500 und 360s pro Light entschieden.
Erstens um bei gewohnter Iso Einstellung nicht gleich überbelichtet zu sein und zweitens um die Nachführgenauigkeit mit Mgen Unterstützung zu testen.
An diesem Abend war das Seeing bei mir daheim leider nicht gut.
Hier mal das pure Masterlight:
Bild

WOW! Nahezu (fast) perfekte Sterne!
Ich würde damit sagen, dass die CEM26 sehr gut mit den 6,5 Kg des Esprit 100 mit Kamera sehr gut zurechtkommt.
Aber macht euch selbst ein Urteil.

Das hat mich gleich motiviert, das Testbild ganz auszuarbeiten:
Bild

Die Adapterplatte für die Skywatcher Säule ist in Arbeit, daher steht als nächstes der WiFi test an...

LG & CS
Niko
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von Gernot »

Eine tolle Demo : )

Die Sterne sind sehr schön rund! Was mir auffällt ist, dass die blauen Sterne eher farblos wirken!? Woher kommt das?

LG und CS

Gernot
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Re: Testbericht zur iOptron CEM 26

Beitrag von Niko »

Danke Gernot!
Das kommt wohl vom nicht so tollen Seeing. Es war auch etwas diesig an dem Abend.

LG Niko
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